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Zuletzt aktualisiert: 03.12.2011 um 15:22 UhrKommentare

Löw: "Das wird ein Hammerturnier"

Die Auslosung für die EM 2012 sorgte bei den europäischen Teamchefs für gemischte Gefühle. Besonders über "Todesgruppe" B wurde eifrig diskutiert. Der deutsche Bundestrainer zeigte sich optimistisch.

Joachim Löw

Foto © APJoachim Löw

Aufatmen bei den einen, bange Blicke bei anderen. Nach der Loszeremonie für die EURO 2012 in Polen und der Ukraine (8. Juni bis 1. Juli) am Freitagabend im Kunstpalast von Kiew waren die Teamchefs der Teilnehmer gefragt. "Respekt", "schwere Gruppe" oder "konzentriert sein" waren Worte, die bei keiner Einschätzung fehlen durften. Dass auch der Begriff "Todesgruppe" das eine oder andere Mal fiel, war Marco van Bastens Händchen zu verdanken. Der Niederländer zog die Niederlande, Deutschland, Dänemark und Portugal in einen Pool.

Über keine Gruppe wurde am Freitagabend so intensiv diskutiert. Von den direkt Beteiligten reagierte natürlich niemand begeistert auf die anstehende Aufgabe in Gruppe B. Joachim Löw versuchte zumindest, gleich das Positive herauszustreichen. "Wenn man gleich gegen Portugal, Holland und Dänemark anfängt, weiß man, dass alle vom ersten Tag an voll fokussiert sind", meinte Deutschlands Bundestrainer.

Er erwarte sich ein "Hammerturnier" - in dem Deutschland natürlich eine große Rolle spielen will. Deshalb wirkte der Trainer von Österreichs WM-Quali-Gegner nach der Auslosung einigermaßen gefasst. "Ich freue mich auf interessante Duelle. In Topform haben wir berechtigte Chancen", meinte Löw, der von einer "sehr offensiven Gruppe" sprach. Einen Favoriten gebe es trotz der beiden Fußball-Großmächte Niederlande und Deutschland, immerhin die Nummern zwei und drei im FIFA-Ranking, nicht: "Alle sind in der Lage, Akzente zu setzen."

Schwerste Gruppe

Freude kam trotzdem bei niemandem auf. "Es ist die schwerste Gruppe, das sieht jeder und sagt jeder. Es ist eine große Herausforderung, die Motivation ist jetzt schon da", sagte der niederländische Bondscoach Bert van Marwijk. Einig war man sich in den Niederlanden, dass man in der Ukraine die Schmach vom 0:3 in Hamburg im freundschaftlichen Test Mitte November vergessen machen will. "Hamburg war eine Warnung. In Charkiw können wir zeigen, dass wir ebenbürtig sind", erklärte Kapitän Mark van Bommel.

Dänemarks Teamchef Morten Olsen sprach von einer "Dynamit-Gruppe" und dass "direkt nach der Auslosung keiner zufrieden" war. "Wir sind Außenseiter, wir haben nichts zu verlieren und können befreit aufspielen", übte sich Olsen bereits in der Rolle des Underdogs. Paulo Bento ließ übersetzen, dass seiner Elf um Superstar Cristiano Ronaldo "drei sehr harte Spiele" bevorstehen. "Schwerer hätte die Gruppe nicht kommen können. Die Niederlande und Deutschland sind die großen Favoriten", sagte Portugals Trainer.

Kollektives Stöhnen über das Los

Doch nicht nur in Gruppe B stöhnten die Teamchefs über das EM-Los. Selbst Titelverteidiger und Weltmeister Spanien zeigte großen Respekt vor seinen Kontrahenten Italien, Irland und Kroatien. "Es ist nicht einfach, aber auch nicht unmöglich. Wir müssen alle Gegner respektieren", sagte Spaniens Erfolgscoach Vicente del Bosque. Sein italienischer Kollege Cesare Prandelli blickte dem Auftakt in Gdansk (Danzig) gegen den regierenden Champion hingegen gelassen entgegen.

"Wenn wir direkt auf Spanien treffen, werden wir keine Konzentrationsprobleme haben", meinte Prandelli, der sein Augenmerk gleich nach vorne richtete. Schließlich sei es ein Vorteil, erst wieder im Finale auf Spanien treffen zu können. Bei der EM 2008 war Italien im Viertelfinale in Wien mit 2:4 im Elfmeterschießen gegen Spanien ausgeschieden.

Respekt flößte den Italienern aber das Aufeinandertreffen mit Giovanni Trapattonis Iren ein. "Auf den Maestro hätte ich nicht unbedingt treffen müssen. Trapattoni war mein Lehrer, ich habe alles von ihm gelernt", sagte Prandelli. Gegen Irland hat Italien noch nie gewonnen. In drei Spielen gab es zwei Unentschieden und eine Niederlage. Ebenso schlecht ist die Bilanz gegen Kroatien. Der letzte italienische Sieg liegt 69 Jahre zurück. Danach holten die Kroaten gegen Italien zwei Unentschieden und gewannen dreimal.

Gemische Gefühle in Polen

Gemischte Gefühle gab es bei den Veranstaltern: Während der Ukraine nicht nach Party zumute war, jubelte Polen. Der ukrainische Teamchef Oleg Blochin blieb ob der Gegner Frankreich, England und Schweden (Gruppe D) Realist. "Ich bin da relativ emotionslos. Wir haben gute Teams bekommen, aber es gibt generell keine schlechten", sagte die Ex-Sowjetlegende. Blochin, der im Herbst seiner Karriere auch in Steyr gespielt hatte, blickte etwas neidisch auf den Co-Gastgeber: "Polen hat eine leichtere Gruppe."

Für Polen ist mit den Vorrunden-Kontrahenten Griechenland, Russland und Tschechien (Gruppe A) der Einzug in das Viertelfinale ein realistisches Ziel. Mit lautem Jubel reagierten die polnischen Fans bei einer großen Feier in Warschau auf die Kunde aus Kiew. Die mahnenden Worte aus der Ukraine wollte niemand hören. "Die Gruppe ist ausgeglichen, aber es besteht kein Anlass zur Euphorie", mahnte Nationaltrainer Franciszek Smuda. "Es hätte schlimmer kommen können, aber auch in dieser Gruppe besteht kein Grund für Scherze", warnte auch Verbandspräsident Grzegorz Lato.


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