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Zuletzt aktualisiert: 14.11.2011 um 12:08 UhrKommentare

Portugal in "kompliziertem" Playoff-Finale gegen Bosnien

Kroatien, Irland und Tschechien stehen nach Siegen vor der EM-Teilnahme. Trapattoni will in Irland verlängern, bei Hiddink naht der Abschied von der Türkei.

Paulo Bento

Foto © APPaulo Bento

Das Rennen um die Teilnahme an der Fußball-EM 2012 in Polen und der Ukraine scheint bis auf eine Ausnahme vorzeitig entschieden. Vor den Play-off-Rückspielen am Dienstag dürfen Kroatien, Irland und Tschechien nach Zu-Null-Siegen in den Hinspielen den Sekt einkühlen. Spannung garantiert ist in den vier Duellen um die letzten der 16 EURO-Startplätze hingegen in Lissabon, wo zwischen Portugal und Bosnien-Herzegowina ein echtes Finale auf dem Programm steht.

Ronaldo: "Haben auf Gemüseacker gespielt"

Nach dem torlosen Remis in Zenica hoffen beide Teams auf das EM-Ticket. Portugal darf im mit 60.000 Zuschauern ausverkauften Estadio da Luz zwar das Publikum hinter sich wissen, bereits ein Tor könnte den "Zmajevi" (Drachen) aber für den erstmaligen Sprung zu einem Großturnier reichen.

Dementsprechend vorsichtig zeigte sich vor der Partie der portugiesische Teamchef Paulo Bento. "Das Rückspiel wird kompliziert", vermutete der intern umstrittenen Ex-Internationale. Sein Star Cristiano Ronaldo sah dies seinem Naturell entsprechend anders. "Wir müssen es als gegeben nehmen, dass wir die Favoriten sind und unsere Überlegenheit zeigen", meinte der Superstar von Real Madrid.

Für das 0:0 in Bosnien verantwortlich machten die überlegenen Portugiesen vor allem die schlechten Platzverhältnisse. "Das war kein Spielfeld, wir haben auf einem Gemüseacker gespielt", meinte Ronaldo, der wie andere eine Absicht des bosnischen Verbandes vermutete. Dem widersprach sein Gegenüber Edin Dzeko. "Vielleicht glauben die Portugiesen, dass wir auf einem besseren Platz ein leichterer Gegner sind. Aber da täuschen sie sich", erklärte der Torjäger der Bosnier, die ihre Revanche für das verlorene WM-Play-off von 2009 (zweimal 0:1) wollen.

Dass der Underdog schwer zu knacken ist, beweist die Statistik. In den jüngsten sechs Pflichtspielen kassierte Bosnien nur einen Treffer aus einem strittigen Elfmeter gegen Frankreich. Dieser versperrte auch die direkte Qualifikation. In Lissabon stehen Trainer Safet Susic noch dazu die im Hinspiel gesperrten Verteidiger Sasa Papac (Ex-Austria) und Boris Pandza wieder zur Verfügung. Offen bleibt, ob Susic mit Vedad Ibisevic eine zweite echte Spitze neben Dzeko von Beginn weg einsetzt. In Zenica sorgte der Hoffenheim-Stürmer nach seiner Einwechslung für frischen Schwung.

Tschechien soll ins Wanken geraten

Hoffnungen macht sich mit Montenegro ein weiterer Nachfolgestaat von Jugoslawien. Nach einem 0:2 in Prag soll ein schneller Treffer in Podgorica die "Tapferen Falken" wieder auf Kurs und Gegner Tschechien ins Wanken bringen. "Wir haben bereits gegen England in 45 Minuten ein 0:2 aufgeholt, also denke ich, dass wir es auch in 90 Minuten gegen Tschechien schaffen können", erklärte der seit September amtierende Teamchef Branko Brnovic. Auch wenn ihn dafür "manche für verrückt halten". Verzichten muss Montenegro im Rennen um die erste EM-Teilnahme auf den gesperrten Ex-Rapid-Verteidiger Milan Jovanovic.

Tschechien steht vor der bereits fünften EM-Endrunde in Serie. "Es wäre wirklich sehr schade, wenn wir uns jetzt nicht mehr qualifizieren", meinte Trainer Michal Bilek, der auf seine England-Legionäre vertrauen darf. Arsenal-Profi Tomas Rosicky glänzte im Hinspiel als Vorbereiter beider Tore und umsichtiger Spielgestalter, Torhüter Petr Cech (Chelsea) war trotz eines Nasenbeinbruchs der gewohnte Rückhalt.

Trapattonis Zukunft wird diskutiert

Bereit für die große Party macht sich Dublin. Angeführt von Rekordtorschütze Robbie Keane (53 Tore) wollen "The Boys in Green" Estland wie beim 4:0 im Baltikum die Grenzen aufzeigen und erstmals seit 1988 wieder zur EM. Mehr als der nach zwei Roten Karten im Hinspiel von Defensivsorgen geplagte Gegner rückte im Vorfeld der Partie die Zukunft von Irlands Teamchef Giovanni Trapattoni in den Mittelpunkt. Ex-Größen wie Jack Charlton machten sich für eine Vertragsverlängerung mit dem 72-Jährigen bis zur WM in Brasilien 2014 stark. Trapattonis Vertrag läuft nach der EM aus.

Der "Mister" scheint ganz und gar nicht abgeneigt, zu unterschreiben. "Wir haben eine junge, starke Mannschaft. Ich wäre enttäuscht und verärgert, wenn ich gehen müsste. Wir können auch in der Qualifikation für Brasilien bestehen", erklärte der seit seinem Abschied in Salzburg im Juni 2008 auf der grünen Insel amtierende Italiener. Im Rennen um die WM 2014 trifft Irland bekanntlich auch auf Österreich. Streitfrage in den Vertragsverhandlungen ist die hohe Gage Trapattonis. Aktuell verdient er laut Medienberichten 1,7 Mio. Euro pro Jahr.

"Selbstzerfleischung" in der Türkei

Vor einem Abschied steht hingegen Guus Hiddink. Das Match in Zagreb dürfte nach dem 0:3 in Istanbul das letzte des Niederländers auf der türkischen Trainerbank sein. Neben der Presse sparten zuletzt selbst die Spieler nicht mit Kritik. "Das Resultat ist durch Hiddinks Aufstellung zustande gekommen. Unser Trainer hat Angst vor der Platzierung des Gegners in der Weltrangliste gezeigt. Wenn der eigene Trainer nicht den Fähigkeiten seiner Spieler vertraut, dann beginnt man ein Spiel schon mit 0:1", wurde der in Zagreb gesperrte Spanien-Legionär Arda Turan (Atletico Madrid) in der Zeitung "Milliyet" zitiert.

Beim Weltranglisten-12. Kroatien sitzt Slaven Bilic im Gegensatz zu seinem Gegenüber Hiddink wieder fest im Sattel. Von einem Freundschaftsspiel gegen einen sich selbst zerfleischenden Gegner wollte der 43-Jährige trotz des beruhigenden Vorsprungs nichts wissen: "Wir waren uns schon unmittelbar nach dem Schlusspfiff in Istanbul einig, dass wir erst die Hälfte unseres Weges geschafft haben."

Quelle: APA

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