Bin Hammam auf der FIFA-Anklagebank
Wenn das "Urteil" gegen seinen einstigen Weggefährten und Wahlkampfhelfer Mohamed bin Hammam gesprochen wird, sitzt FIFA-Boss Joseph Blatter Tausende Kilometer entfernt in Argentinien beim Final-Wochenende der Copa America.

Foto © ReutersMohamed bin Hammam
Der mit Spannung erwartete Spruch der Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes wird auch zum Glaubwürdigkeitstest für den angeschlagenen Blatter und den Aufklärungswillen seiner von Korruptionsvorwürfen erschütterten Organisation. Bei seiner Wiederwahl am 1. Juni hatte der 75-jährige Schweizer umfassende Reformen und eine "Null-Toleranz-Politik" angekündigt - nun muss er sich an seinen Worten messen lassen. Schon vor Beginn der zweitägigen Sitzung im Home of FIFA in Zürich sickerte allerdings durch, dass das Gremium unter dem Vorsitz des Namibiers Petrus Damaseb ihr einstiges FIFA-Familienmitglied Bin Hammam am Samstag für immer von allen Fußball-Aktivitäten ausschließen werde. Eine lebenslange Sperre für den einstigen Blatter-Vertrauten, ehemaligen Präsidentschaftskandidaten und früheren Vorsitzenden der Asiatischen Fußball-Konföderation (AFC) scheint durchaus möglich.
Bin Hammam wird vorgeworfen, gegen den Ethikkodex der FIFA verstoßen und Anfang Mai versucht zu haben, Funktionäre der karibischen Fußball-Union (CFU) mit Geldgeschenken in Höhe von jeweils 40.000 Dollar (28.125 Euro) zu bestechen. Er wollte sich so Stimmen für die Präsidentschaftswahl sichern. Dafür soll es laut Medienberichten "erdrückende" Indizien geben. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" überlegt Bin Hammam, ob er überhaupt zur Anhörung in die Schweiz reisen oder direkt den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne anrufen solle. Sein Schweizer Anwalt sagte der SZ, dass ein "Nichterscheinen rechtlich problemlos" und eine Entscheidung in Abwesenheit dann "Gegenstand für eine Berufung beim CAS" wäre. Von der FIFA war am Freitag nicht zu erfahren, ob Bin Hammam im Hause sei.
Doch besteht der Verdacht, dass der Katarer nicht viel mehr als ein Bauernopfer innerhalb eines durch und durch korrupten Systems ist. Von der vielzitierten "Lösungskommission" mit Johan Cruyff, Henry Kissinger oder Placido Domingo ist bisher nicht viel mehr überliefert als die Absicht, unabhängige Untersuchungen anstrengen zu wollen. Vor einigen Tagen kündigte Blatter Ergebnisse für Oktober an. Im Fokus stehen unter anderem bisher nicht bewiesene Bestechungsvorwürfe bei der umstrittenen WM-Vergabe für 2022 an Katar. Mächtigster Strippenzieher dabei: Mohamed bin Hammam.





















