Rapid trägt Derbys in Zukunft im Happel-Stadion aus
Der Rekordmeister veröffentlichte einen Maßnahmen-Katalog mit zehn Punkten. Einen Teil betrifft den Austragungsort der Derbys gegen die Austria. Bis auf weiteres wird nicht mehr im Hanappi-, sondern im Happel-Stadion gespielt.
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Der Platzsturm am 22. Mai während des mit 0:3 strafverifizierten 297. Wiener Fußball-Derbys zwischen Rapid und Austria hat weitere Konsequenzen nach sich gezogen. Die Hütteldorfer präsentierten nach den Vorfällen im Hanappi-Stadion am Dienstag im Ringstraßen-Cafe Landtmann einen zehn Punkte umfassenden Maßnahmen-Katalog. "Es ist ein Katalog der Ehrlichkeit, den wir durchziehen werden und von dem wir glauben, dass sich dadurch die Situation bessern wird", sagte Rapid-Präsident Rudolf Edlinger. Einen wichtigen Teil betrifft den Austragungsort der Derbys gegen die Austria. Wenn die Grünweißen Heimvorteil besitzen, werden die Lokalschlager ab sofort und bis auf weiteres nicht mehr im Hanappi-, sondern im Happel-Stadion ausgetragen. "Da ist eine bessere Sicherheit gegeben, außerdem ist es möglich, dass mehr Rapid-Fans ins Stadion können", meinte Edlinger. Außerdem wird es für den West- und Ostsektor nur noch personalisierte Abos ohne Weitergaberecht geben, Pyro-Technik in Hütteldorf verboten und nur ein Training in der Woche öffentlich sein. Dazu soll das Rapid-Dorf mit Bierzelt-Atmosphäre zu einem Familientreff werden.
"Wir mussten aus eigenem Antrieb reagieren"
Österreichs Rekordmeister möchte mit den zehn Punkten den Schwarzen Schafen an den Kragen, sie zur Räson bringen und sucht dabei weiterhin den Dialog und die Kommunikation. Der Verein will so viel Platzstürmer wie möglich ausforschen und der Bundesliga melden. Edlinger rechnet mit 70 bis 100 Personen, die Zahl könnte sich durch die Polizei noch erhöhen, über die Bundesliga vom Senat 3 mit einem österreichweiten Stadionverbot von zwölf Monaten bis zu 10 Jahren belegt werden. "Den Fan trifft man nur dann, wenn er in Österreich in überhaupt kein Stadion mehr gehen kann. Alles andere wäre sinnlos", glaubt Edlinger. Er wolle sich von den Rädelsführern so lange wie möglich trennen. Die Vorfälle hätten ihn sehr betroffen gemacht, weil Rapid immer versucht, allen Menschen, auch solchen, die nicht die angenehmsten Zeitgenossen seien, den Stadion-Besuch zu ermöglichen. "Die Platzsturm trotz aller getroffener Sicherheitsvorkehrungen hat uns schweren Schaden, sowohl imagemäßig als auch wirtschaftlich, zugefügt. Wir mussten aus eigenem Antrieb reagieren", gegründete der Ex-Finanzminister, der davon ausgeht, dass die Maßnahmen juristisch in Ordnung sind.
Den finanziellen Schaden könne Rapid nicht alleine tragen, auch die Übeltäter müssten ihren Beitrag leisten. Jeder ausgeforschte Platzstürmer wird mit 1.000 Euro Geldstrafe belegt, die auch in 150 Stunden Arbeit für den Verein umgewandelt werden kann. Neben der 50.000 Euro Geldstrafe und den zwei "Geisterspielen", bei denen 150.000 Euro pro Partie entgehen, macht der Fanshop pro Spiel einen Umsatz von 40.000 Euro und die Gastronomie einen solchen von 200.000 Euro. Der Platzsturm sei eine Explosion gewesen, die verschiedene Ursachen gehabt habe, zu denen vielleicht die Leistungen Rapid betragen hätten, sagte Edlinger. Was sich in Fan-Gruppierungen auch anderer Spitzenclub abspiele, sei ein Spiegelbild der Gesellschaft. "Wir sind nicht eine sozial-gesellschaftliche Vereinigung. Das Problem kann nicht von Vereinen alleine gelöst werden, es ist auch eine politische Frage", erklärte Edlinger, der die Kunde des Innenministeriums, in dieser Causa Lösungen anzustreben, wohlwollend aufgenommen hat.
"Mit dem Katalog werden die Fans keine Freude haben, aber wir hatten mit dem Derby auch keine Freude", sagte Club-Serviceleiter Andreas Marek und fügte hinzu, dass man die Westtribüne weiter als Fantribüne haben wolle. Den Derby-Besuchern vom 22. Mai kündigte er wegen des Spielabbruchs eine Einladung zu einem der internationalen Testspiele an. Marek wird seine Abteilung durch zwei Mitarbeiter verstärken. "Die Fans benötigen unsere Zuneigung, daher werden wir auch weiterhin den Dialog suchen", sagte der Serviceleiter. Generalmanager Werner Kuhn erklärte: "Wir wollen weiter Familien, Jugendliche und Kinder ins Stadion bringen, unsere Partner und Sponsoren wollen zu dem Projekt der Prävention ihren Beitrag leisten."
Zehn-Punkte-Maßnahmen-Katalog des SK Rapid Wien:
1. Stadionverbote:
Der SK Rapid Wien wird gemeinsam mit den szenekundigen Beamten der
Exekutive und den Sicherheitsfirmen so viele Platzstürmer wie möglich
ausforschen. Voraussichtlich werden es um die 70 - 100 Personen
werden. Der Strafrahmen der Bundesliga beträgt zwölf Monate bis zehn
Jahre. Der unabhängige Senat 3 der Bundesliga entscheidet über das
Strafausmaß, welches dann für ganz Österreich gilt. Die
Stadionverbote werden mit Saisonbeginn 2011/12 umgesetzt.
2. Regress
Die Verursacher sollen einen Beitrag zur Milderung des
wirtschaftlichen Schadens leisten. So wird jeder identifizierte
Platzstürmer mit einem Regressbetrag von 1.000 Euro belegt, der bis
zum Ablauf des Stadionverbotes bezahlt werden muss. Sonst folgt dem
Stadionverbot ein adäquates Hausverbot. Dem Verein obliegt nach
Ansuchen die Entscheidung, ob eine Ersatzarbeitsleistung als
Vereinsarbeit von 150 Arbeitsstunden geleistet werden kann.
3. Zutritt zu den Fantribünen West und Ost:
Ab kommender Saison kann Jahreskarte West oder Ost nur noch gegen
Vorlage eines gültigen Lichtbildausweises im Rahmen des Vorverkaufes
erworben werden. Es gibt auf den Fantribünen kein Recht der
Weitergabe wie bisher. Jeder Jahreskartenbesitzer der Tribüne
West/Ost muss beim Eintritt in das Stadion einen gültigen
Lichtbildausweis vorweisen, der mit den Daten der jeweiligen
Jahreskarte übereinstimmen muss. Sollte jemand seine Jahreskarte am
Spieltag vergessen, ist kein Zutritt in das Stadion möglich, es gibt
keine Ersatzkarte wie bisher. Die Tribünen Nord und Süd sind von
dieser Regelung vorläufig nicht betroffen.
4. Zutritt mit Tageskarten:
Es wird auf der Tribüne West keine Tageskarten geben. Auf der Tribüne
Ost gibt es einen Erwerb einer Tageskarte nur mit Lichtbildausweis
und personalisierter Eintrittskarte. Der Lichtbildausweis wird dann
auch beim Zutritt zur Tribüne Ost benötigt.
5. Keine Lagerbereiche im Stadiongelände:
Bisher gab es im Hanappi-Stadion drei Lagerbereiche für die
Fanszene. Dies waren das immer wieder angesprochene "Kammerl" bei der
West, ein Container bei der Süd und ein Container bei der Tribüne
Ost. Als Maßnahme nach den Vorfällen beim Derby werden alle
Lagerbereiche gesperrt.
6. Absage zur illegalen Pyrotechnik:
Der SK Rapid Wien ist bisher sehr tolerant in Sachen "bengalischer
Feuer" umgegangen. Dies wurde als Gentlemen Agreement zwischen den
Fans und dem SK Rapid Wien gesehen. Fans, die bisher mit bengalischen
Feuern identifiziert wurden, bekamen zwar vielleicht von der
Exekutive eine Strafe, der SK Rapid Wien hat aber, obwohl es
empfindliche Strafen der Bundesliga gab, über eine Bestrafung
hinweggesehen.
Als Maßnahme nach den Vorfällen beim Derby wird der SK Rapid Wien
in Zukunft eine klare Absage in Bezug auf Pyrotechnik erklären. Dies
bedeutet, jeder, der illegal Pyrotechnik im Stadion zündet, bekommt
ein Stadionverbot, wie in den Bundesligarichtlinien vorgegeben von
sechs Monaten, bei Böllern/Leuchtraketen sind es 24 Monate. Außerdem
wird die Jahreskarte sofort eingezogen und Regress angemeldet.
Einzige Möglichkeit ist eine Pyrotechnik-Ausnahmebewilligung, die
aber genauestens eingehalten werden muss.
7. Werfen von Gegenständen:
Der SK Rapid Wien wird als Maßnahme nach den Vorfällen beim Wiener
Derby rigoros gegen Werfer im Stadion vorgehen. Dies bedeutet, ein
größeres Aufkommen von Ordnern im Sektor, die hier für geregelte
Verhältnisse sorgen sollen. Dadurch ist es möglich via
Videoüberwachung und Ordner vor Ort Werfer leichter ausfindig zu
machen. Wer beim Werfen eines Gegenstandes auf das Spielfeld
identifiziert wird, erhält ein Stadionverbot für zwölf Monate plus
Regressforderungen.
8. Geschlossenes Stadion:
Da dem SK Rapid Wien nachgesagt wird, es jedem Fan leicht zu
ermöglichen, verbotene Gegenstände in das Stadion zu bringen, wird es
ab Saisonstart nur einmal wöchentlich die Möglichkeit geben, das
Training der Kampfmannschaft des SK Rapid Wien zu besuchen. An allen
anderen Tagen bleibt das Stadion geschlossen, bzw. kann nur mit einer
Akkreditierung betreten werden. Dies wird von einem Ordnerdienst
kontrolliert.
9. Rapid-Dorf "neu":
Da im Rapid-Dorf Veränderungen notwendig sind, wird dieses
familienfreundlich gestaltet. Dies Bedarf eines klaren Umdenkens. Vom
Angebot der Gastronomie bis hin zur Infrastruktur (WC, Zugänge,
Einrichtung, Hüpfburgen, etc) gehören viele Dinge verändert. Das neue
Konzept eines familien- und kinderfreundlichen Bereiches wird vom
Hauptsponsor Wien Energie unterstützt.
10. Derbys im Ernst Happel-Stadion






















