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Zuletzt aktualisiert: 01.12.2010 um 11:52 UhrKommentare

Mit allen Schmier-Mitteln

Kurz vor der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022 wird der Weltverband von einem Korruptionsskandal erschüttert.

FIFA-Präsident Sepp Blatter kommt unter Druck, aber bisher hat er alle Affären überstanden

Foto © APFIFA-Präsident Sepp Blatter kommt unter Druck, aber bisher hat er alle Affären überstanden

Sie war ein Fremdkörper, der auch viele Jahre nach dem Absterben noch wie ein Stachel im Fleisch der FIFA sitzt. Die schon 2001 verblichene Vermarktungsagentur ISL sorgt nun für enorme Unruhe in höchsten Fußballkreisen. Zu einem für den Weltverband äußerst ungünstigen Zeitpunkt, weil wenige Tage vor der Vergabe von gleich zwei Weltmeisterschaften am 2. Dezember, kommen zahlreiche Fälle von Korruption in Umlauf. Eine am Montag in einer aufsehenerregenden BBC-Dokumentation veröffentlichte schwarze Liste hellt dunkle Machenschaften auf und befördert Namen und Summen ans Tageslicht. Konkret haben demnach u. a. drei heute noch aktive hochrangige Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees, also des morgen wählenden 22-köpfigen Gremiums, Schmiergelder in Millionenhöhe erhalten. Es handelt sich um den brasilianischen Verbandspräsidenten Ricardo Teixeira, den Boss der südamerikanischen Fußball-Konföderation (Conmebol), Nicolás Léoz sowie den afrikanischen (CAF) Fußballchef Issa Hayatou.

Blatter involviert

Die Vergangenheit holt das Zentralorgan des Weltfußballs also ein. Dokumentiert sind auf dieser Liste Zahlungen in Höhe von fast 140 Millionen Schweizer Franken (ca. 107,7 Millionen Euro) zwischen 1989 und 2001. Empfänger waren nicht nur FIFA-Angehörige, sondern auch Funktionäre des Internationalen Olympischen Comités (IOC) und des Leichtathletik-Weltverbandes (IAAF). In einem besonders brisanten Fall kommt auch der Name des derzeitigen, scheinbar unantastbaren FIFA-Präsidenten ins Spiel. Laut BBC sind 1997 1,5 Millionen Franken irrtümlich auf einem FIFA-Konto gelandet statt direkt beim damaligen Chef, dem heute 94-jährigen Brasilianer João Havelange. Der zu diesem Zeitpunkt amtierende Generalsekretär veranlasste die umgehende Umleitung des Geldes, sein Name: Joseph Blatter.

Die öffentliche Darstellung dieses Falls hat eine lange Geschichte. Eine frühere Doku vom gleichen Autor (Andrew Jennings) hätte schon 2006 während der WM im deutschen Sprachraum (arte) gezeigt werden sollen, dies scheiterte aber damals interessanterweise an einem ZDF-Veto. Im Jänner 2007 erfolgte die Ausstrahlung, allerdings wollten die Zeugen anonym bleiben.

Die ISL hatte die Zahlungen quasi als Garantie für die äußerst lukrativen Aufträge bei den Fußball-Weltmeisterschaften geleistet. Und sie erhielt auch konsequent alle Rechte, Ausschreibungen gab es in diesem inneren diskreten Zirkel nur zum Schein. 2001 folgte jedoch der Konkurs, weil die Agentur auf Abwegen in anderen Sportarten vom Gewinnkurs abgewichen ist. Die FIFA strengte daraufhin einen (Insolvenzrechts-)Prozess an, doch die Herren dürften das bald bereut haben, denn nach einiger Zeit gaben sie zu verstehen, an einer weiteren Verfolgung nicht interessiert zu sein. Da allerdings war der Fall durch diverse Enthüllungen schon ins Rollen gekommen. Trotzdem wurde nach vielen Jahren die Einstellung des Verfahrens erreicht. Wie, lässt sich unschwer erraten. Die FIFA zahlte 4,2 Millionen Euro, die Namen der Empfänger sollten auf immer geheim bleiben.

Dies ist gründlich misslungen. Hauptabnehmer war Brasiliens Ricardo Teixeira, der Ex-Schwiegersohn von Havelange. Dieser spielt auch eine unrühmliche Hauptrolle im Deal um die kommende Fußball-WM 2014 in seiner Heimat. Das Organisationskomitee hat zwei Gesellschafter: den nationalen Verband CBF, dessen Präsident Teixeira ist, mit 99,99 Prozent und Teixeira als Privatperson mit 0,01 Prozent. Ein Gewinn wird laut Vertrag brüderlich 50:50 geteilt, ein Verlust (unwahrscheinlich) anteilsmäßig. Das schafft Klarheit.

FIFA kurz und bündig

Nach dem Konkurs der ISL wurde eine eigene Vermarktungsfirma installiert. So kann sich die FIFA selbst kontrollieren, das ist überschaubarer und leichter. Einfach fällt auch die erste Reaktion auf die jüngsten Enthüllungen aus. Die Vorfälle würden viele Jahre zurückliegen, seien untersucht worden und im Verfahren habe es keine Anklagen, geschweige denn Schuldsprüche gegen die FIFA bzw. deren Offizielle gegeben. Übrigens war Bestechung im damaligen Schweizer Justizwesen kein strafrechtlicher Tatbestand. Das Geld konnte sogar von der Steuer abgesetzt werden.


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