El Clásico, eine Liebeserklärung
"El Clásico - der Klassiker". Wenn Barcelona und Real Madrid aufeinandertreffen, dann ist das weit mehr als nur ein Fußballspiel. Am Montag (21 Uhr) ist es wieder so weit.

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Barca, wie die Freunde höchster Fußballkunst das Glück zärtlich nennen: Barca ist mehr als ein Club, mes qu un club, wie die Besucher des Stadions Camp Nou lesen können. Glück, Felicidad, das was sich auch die reichsten Männer nicht kaufen können: Das ist Barca. Man kann sich zwar mit allem Geld der Welt die Formel 1 kaufen, aber nicht das organische Wachstum des schönsten, des vollendetsten Fußballs.
Das Glück der hunderttausend Besucher im Camp Nou beschenkt allen Glücklichen "El Clásico". Das Stadion war der Ort des Widerstands gegen die faschistischen Schergen. Jener Ort, wo auch ein Franco kapitulieren musste. Die österreichischen Februarkämpfer, die deutschen Widerstandskämpfer, alle Flüchtlinge vor dem nationalsozialistischen und stalinistischen Terror hatten ab 1938 hier ein passageres Zuhause gefunden. Wenige Minuten, ein Zuhause, dass auch die Schergen nicht zerstören konnten. Eine Zuflucht, die in all ihrer Zerbrechlichkeit zumindest in Momenten der äußersten Repression kurze Momente des kollektiven Glücks bescherten.
Ende der 50er-Jahre hatte Barca im Camp Nou klar gewonnen. Franco ordnete daraufhin den maximal-möglichen Terror an. Unter Androhung der Ermordung der Spieler und ihrer Familien musste Barcelona eine Woche später in Madrid zweistellig verlieren. Darum der Mythos, der Camp Nou, (katalonisch: das neue Feld) war von 1938 bis 1975 Ort des Widerstands geworden. So wurde Barca zum Mythos der Freiheit.
Der Mythos von Freiheit, die Vision einer internationalen Gesellschaft, wie die Brigadistas es für wenige Augenblicke in ihrem vom Nationalsozialismus und Stalinismus bedrohten Leben erfahren durften: Das ist Camp Nou. Das ist El Clásico. Heute ist das Stadion viel zu klein für das Spiel der Spiele. Nur hunderttausend Besucher haben das Glück - aber Fernsehzuschauer auf 200 TV-Stationen weltweit. Mehr als ein Finale der Fußball-WM, vergleichbar allenfalls mit dem Neujahrskonzert. Mit dem beglückendsten Orchester der Welt, den Wiener Philharmonikern, teilen die Künstler von Barca jene Vollendung, die mehr ist als die Summe der einzelnen Teile.
Barcelona ist anders als alle Großklubs der Welt, kein Verein von Legionären. Hier kann kein wild gewordener Multimilliardär mit einer hemmungslosen Einkaufspolitik die visionäre Kraft eines vibrierenden sozialen Organismus erkaufen.
Barcelona: Das sind Fußballkünstler aus der regionalen Umgebung, die das Herz, das corazon, des spanischen Fußballs bilden. Und damit das Herz eines Nationalteams, das vor den Brutalistas des WM-Finales 2010 nicht kapituliert hat. Auch drei Fouls, die jeweils mit Rot angemessen bestraft worden wären, haben ihnen den Mut nicht geraubt.
Dann die Erlösung: Iniesta. Er ist der Mittelfeldspieler aller Mittelfeldspieler: Er ist zusammen mit Xavi und Xabi Alonso das beste Mittelfeld weltweit. Das ermöglicht auch einem Star wie Messi die Vollendung: Trotzdem hatte unabhängig davon Iniesta für unsere Herzen in der 106. Minute die uns alle erlösende Antwort gefunden.
Wie schon 2008 beglückte der Fußball 2010 die Herzen aller Menschen, unser Wissen, das sich Vollendung und Glück nicht erkaufen lassen.
Alle Aficionados konnten zwei Jahren miterleben, wie die Legionäre von Bayern München die Komplexität, die Schönheit nur noch ertragen mussten.
Klinsmann, bis dahin noch als Held des Wunders von 2006 gefeiert, musste zerknirscht von der Trainerbank das entscheidende Surplus zur Kenntnis nehmen. Eine Kombination, deren Schönheit bis heute unüberboten ist, hatte in Bruchteilen einer Sekunde Barcelona ein 3:0 gebracht. Einem Jürgen Klinsmann ist in diesem Moment klar geworden, dass auch vier Millionen Euro Jahresgehalt nichts gegen einen sozialen Organismus, der Solidarität, Schönheit mit Antizipationskraft verbindet, "anrichten" kann.
Diese Traumkombination, wie wir sie in großen Schachspielen erleben haben können (Kasparow, Capablanca, Lasker, Steinitz), konnten im Zusammenwirken von Raum, Zeit und Kausalität das erleben, was Immanuel Kant (1724-1804) in der "Kritik der reinen Vernunft" beschrieben hat. Das finale 0:4 wurde von allen Kennern als Geschenk beschrieben. Den Legionären von Bayern wurde ein zweistelliges Ergebnis erspart.
Der Weltklasse-Wissenschafter Klaus Mainzer hat einmal erklärt, dass wir es hier mit einem hoch nicht linearen System zu tun haben. Unsere Söhne haben mit intuitiver Kraft beschrieben, dass solche Augenblicke nicht mit konventioneller Mathematik zu beschreiben sind. Neuronale Prozesse, mehr aber noch das Glück von Kunstwerken und die Entdeckung anderer Menschen, die uns das ganze Glück dieser Welt bringen. Schönheit und Glück kann man nicht kaufen, auch wenn Milliardäre dieser Welt es versuchen. Auch mit Großklubs, deren wild gewordene Präsidenten es versuchen.
Barcelona hat ein anderes System entwickelt, auf den Dressen der Trikots kein Flickwerk von Sponsoren, sondern das Kinderhilfswerk Unicef. Die Spieler der Welt werden von den Entdeckern weltweit abgeholt. Messi etwa wurde von Mitarbeitern von Barcelona als 13-Jähriger in der Geburtsstadt von Che Guevara, von Rosario abgeholt. Wie alle anderen erhielten er und seine Verwandten würdige Arbeitsplätze in Barcelona.
Große Philosophen und Künstler, starke Temperamente vibrieren am kommenden Montag: Ich möchte nicht verhehlen, dass diese Zeilen nicht von Objektivität geleitet sind, vom Glück, das Barca dieser Welt geschenkt hat, dass eine Sympathieerklärung notwendig macht. Danke, Barca. Danke, wenn am Montag jenes Ergebnis unser Herz beglückt, das Millionen Menschen auf der Welt ersehnen. Companeras y companeros, venceremos.
Der Autor dieser Zeilen möchte ebenfalls klarstellen, dass er mit Separatismus nichts zu tun hat. Also: Sympathie für das vermutlich beste Autonomiestatut, das Europa kennt, das die Herren von Aznar nur mit Widerwillen ertragen.
Darum: Eviva, Barcelona estaremos en Camo Nou. Evivan Puyol, Xavi, Iniesta, Pedro, Messi, Busquets, Valdes, Pique y Villa. Saludos cordiales.


















