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Zuletzt aktualisiert: 30.10.2010 um 19:49 UhrKommentare

Die Zeit weckte die Dämonen

Die Absage zwischen Innsbruck und Salzburg in der Fußball-Westliga kann eine Kettenreaktion auslösen.

Es brodelt derzeit rund um die Salzburger Austria

Foto © Es brodelt derzeit rund um die Salzburger Austria

Der Bruch kam ganz stilgerecht in Minute 33. Unter Hinweis auf das Gründungsjahr 1933 verließen im September 2005 beim Spiel Red Bull Salzburg gegen Austria Wien die violetten Salzburg-Fans das Stadion und entsorgten ihre Dauerkarten. Dem war ein monatelanger Streit vorausgegangen um die Frage, was die Identität eines Klubs ausmacht: die Farbe (violett), die Geschichte (Gründungsdatum 1933), der Name (Austria) - all das hat der neue Eigentümer nach dem Kauf der Austria im April 2005 über Bord geworfen.

Es folgte eine Neugründung, die viele Schlagzeilen machen sollte. Die Austria war so etwas wie der sozialromantische Gegenentwurf zum globalisierten und kommerzialisierten Fußball: Die Fans sorgten für alles, vom Kauf der Tornetze über die Rasenmarkierung bis zum Bier-Ausschank. Die Statuten waren rigide: Es ist bei der Austria verboten, die Klubfarbe zu ändern oder einen Sponsor in den Vereinsnamen zu nehmen.

Die erste Kaderliste bestand auch fast nur aus Fans statt Fußballern, doch das änderte sich schnell: Angesichts von 1000 Zuschauern selbst in der 2. Klasse Nord konnte sich die Austria vor Anfragen von Spielern kaum erwehren. Außergewöhnlich war aber nicht nur die Entstehungsgeschichte, sondern auch der sportliche Erfolg: Mit vier Meistertiteln in vier Jahren marschierte die Austria in die Westliga durch, wo man heuer im August die Red Bull Juniors 2:1 geschlagen und damit ein Stück Vereinsgeschichte geschrieben hat.

Doch die Zeit heilt nicht nur Wunden, sondern weckt auch manchmal alte Dämonen. Jene der Austria heißen Wacker Innsbruck. Seit Anfang der Neunzigerjahre sind einander Salzburgs und Innsbrucks Fans nicht grün und nun sind die Austria und Wacker-Amateure direkte Gegner in der dritthöchsten Spielklasse. Vor zwei Wochen kam es beim Hinspiel auf dem Tivoli zu bösen Ausschreitungen und vielen Schuldzuweisungen. Die Reaktion der Stadtgemeinde Innsbruck: Man hat die für den gestrigen Samstag geplante Partie Union Innsbruck gegen Austria Salzburg abgesagt. Aus Angst vor Revancheakten rivalisierender Fangruppen.

Wie geht es weiter?

Doch nun ist guter Rat teuer. Denn eigentlich spielt Union Innsbruck nur mit Ausnahmegenehmigung auf einem Platz, der nicht tauglich ist für die Westliga, weswegen Salzburg nun argumentiert: Das Spiel musste abgesagt werden, da der Gastgeber keinen geeigneten Platz für das zu erwartende Fanaufkommen stellen konnte. In Innsbruck sieht man das anders, wirft den Salzburgern einen zu laxen Umgang mit gewaltbereiten Fans vor und argumentiert, dass eine Übersiedlung ins Tivoli-Stadion samt 400-köpfigem Sicherheitsaufgebot den Ruin des Vereins bedeutet hätte.

Und das ist erst der Anfang: Auch Reichenau oder Wattens wollen künftig nicht gegen Salzburg spielen - aus denselben Gründen. Salzburgs Obmann Walter Windischbauer ist mittlerweile ratlos. "Gewalttätige Fans werden aus dem Klub ausgeschlossen. Wir verurteilen Gewalt. Was sollen wir noch tun?"


Fakten

Der SV Austria Salzburg wurde 1933 gegründet (eine Fusion aus FC Rapid Salzburg und FC Hertha Salzburg). Größte Erfolge waren drei Meistertitel sowie das Erreichen des UEFA-Cup-Finales 1994.

strong> 2005 wurde die Salzburger Austria von Red Bull de facto gekauft und in FC Red Bull Salzburg umbenannt. Ein Teil der Fangemeinde des Klubs rief daraufhin den Sportverein Austria Salzburg ins Leben.

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