Um das beste Blatt bemüht
Ein Kärntner Ex-Fußballer als Pokerspieler: Kurt Widmann hat sich für die Poker-EM Mitte Oktober in Baden qualifiziert.
Kurt Widmann? Die älteren Kärntner Fußballfans dürften mit diesem Namen noch etwas anzufangen wissen: Der heute 57-jährige spielte acht Jahre für die Austria Klagenfurt und wurde 1975 von Rapid Wien - schon damals kein normaler Fußballverein, sondern eine "Religion" - verpflichtet. Der schnelle Rechtsaußen mit den maßgerechten Flanken wurde mit den Rapidlern österreichischer Cupsieger. Etliche Trophäen (u. a. Torschützenkönig beim Wiener Hallenturnier) in seinem Klagenfurter Wohnzimmer zeugen von der Wertschätzung, die der Kärntner bei den Grün-Weißen während seiner zweijährigen Tätigkeit genoss.
Früher, als es noch kein Internet oder Laptops gab, vertrieben sich die Fußballer die Zeit auf den Dienstreisen meistens mit Kartenspielen. Der große "Kartenhai" war der Klagenfurter allerdings nie. Früher als andere beendete er mit 31 Jahren seine Fußballerkarriere, arbeitet seit 1977 bei der Kärntner Landesregierung im Lebensmittelinspektorat.
Wie kommt der Herr Lebensmittelinspektor zum Pokern? Dieses Kartenspiel hat sich in den letzten Jahren nicht zuletzt durch die Übertragungen im deutschen Sportfernsehen (Sonntag "Sport1") europaweit etabliert. Boris Becker trug als Werbe-ikone seinen Teil dazu bei. "Dadurch bin ich auch auf dieses Spiel aufmerksam geworden", erinnert sich Widmann, seit drei Jahren um das beste Blatt bemüht. "Diese Art Karten zu spielen, hat ein eigenes Flair", findet der frühere Fußballer, der auch ein exzellenter Tischtennisspieler war und sich mit elf Kärntner Meistertitel (im Einzel und in der Mannschaft) schmücken konnte. An die gut 50 Pokerturniere absolvierte der Klagenfurter im letzten Jahr, ehe ihm kürzlich in Velden im wahrsten Sinne des Wortes der große Wurf gelang: Widmann gewann das EM-Qualifikationsturnier gegen einen deutschen Profispieler und ist damit bei der Poker-EM von 11. bis 13. Oktober im Casino Baden startberechtigt.
Was zeichnet einen guten Pokerspieler aus? "Können und Glück", lacht Widmann fest. Als Fußballer war sein Bemühen ins Tor zu treffen, beim Pokern geht es darum, die Konkurrenten gewissermaßen in die Irre zu führen. Weil das Spiel die Möglichkeit eröffnet, durch Bluffen auch mit schwachen Karten zu gewinnen. Grundsätzlich setzen die Spieler ohne Wissen um das (genaue) Blatt des Gegners einen Einsatz auf die eigenen Gewinnchancen. "Je mehr Informationen du über den gegnerischen Spieler hast, desto besser ist es", gewährt Widmann einen Einblick in das (erfolgreiche) Pokerspiel.
Bei der EM in Baden sind 300 Spieler, auch viele, die das Pokern professionell betreiben, im Einsatz. Der ist mit einer Million Euro an Prämien für das Teilnehmerfeld dementsprechend hoch. Große Chancen, dass dabei auch etwas für ihn abfällt, rechnet sich EM-Debütant Widmann nicht aus. Als Qualifikationssieger blieb ihm allerdings das Nenngeld von 4000 Euro erspart. Nicht schlecht für einen Hobbyspieler.















