Chance genützt: Austrias Lindner lebt "wie im Bilderbuch"
Unverhofft kommt oft. Als Heinz Lindner am 13. Februar in Minute 27 sein Debüt in der Profi-Elf der Austria gab, war wohl niemandem bewusst, dass der damals 19-Jährige noch länger das Gehäuse der Violetten hüten sollte.

Foto © APAHeinz Lindner mit Teamkollegen Manuel Ortlechner
Etwas mehr als fünf Monate später ist es schon Gewohnheit geworden, dass der schlaksig wirkende Torhüter und nicht seine prominenten Fußball-Club-Kollegen Szabolcs Safar und Robert Almer zwischen den Pfosten Platz nimmt.
Auch im Auswärtsspiel in seiner Geburtsstadt Linz am Sonntag wird Lindner die Torsperre der Wiener weiter verteidigen. Seit 500 Minuten ist die Austria in der Liga bereits ohne Gegentreffer. Und auch wenn die Abwehr um Aleksandar Dragovic dafür hauptverantwortlich ist, darf sich der Oberösterreicher damit rühmen, seinen Beitrag dazu geliefert zu haben. In 17 Bundesliga-Einsätzen kassierte der als reaktionsschnell geltende Lindner gerade einmal neun Tore.
Kampf um die Nummer eins
Dabei profitierte der im Frühjahr noch bei den Amateuren spielende Torhüter vom Pech seiner Kollegen. Safar verletzte sich gegen Kapfenberg an der Schulter, Almer stand aufgrund einer Blessur damals nicht im Kader. "Es ist wie im Bilderbuch. Natürlich war mein Debüt, wie es zustande gekommen ist, so nicht geplant. Man will etwas nicht durch eine Verletzung, sondern durch Leistung erreichen. Aber das ist Fußball", meinte Lindner vor dem LASK-Spiel rückblickend.
Der aus der Fußballakademie Linz in jungen Jahren zur Stronach-Akademie in Hollabrunn gestoßene Goalie nutzte seine Chance und rechtfertigte damit das Vertrauen von Karl Daxbacher. "Das war die eigentliche Überraschung. Er hat Ruhe bewahrt und keine Nerven gezeigt", sagt der Austria-Coach nun. Trotzdem musste sich der Jungtorhüter im Sommer erneut dem Kampf um die Nummer eins stellen - und überzeugte das Trainer-Team erneut.
"Ich habe gewusst, ich kann nur mein Bestes geben. Damit ich nach der Entscheidung zumindest sagen kann, dass ich alles versucht habe", erklärte der seit der Vorwoche 20-Jährige die damalige Situation. Mit seinen beiden deutlich routinierteren Kontrahenten - Safar ist mehr als 15 Jahre älter als der Youngster - würde er viel für seine eigene Entwicklung lernen. "Beide haben mehr Erfahrung als ich. Natürlich schaue ich mir etwas ab, aber ich muss auch mein eigenes Konzept aufbauen."
Seinen Vertrag bei der Austria hatte der damals noch in der Ersten Liga spielende Lindner im vergangenen Sommer bis 2012 verlängert. Und sollte er sich keine schweren Patzer leisten, dürfte er noch lange das Tor der Favoritner hüten. Für seine beiden club-internen Konkurrenten bedeutet dies vor allem eines: Warten. Während sein erster Ersatz Safar dies in seiner wohl letzten aktiven Saison noch verschmerzen könnte, dürfte Almer (26) mit dem Platz auf der Tribüne alles andere als zufrieden sein. Zu verschenken hat die Austria allerdings nichts.
"Sicher ist es keine angenehme Situation für die beiden anderen. Aber gehen kann nur einer, wenn ein Club kommt, der Ablöse zahlt", erklärte Trainer Daxbacher. An seiner aktuellen Nummer eins gebe es im Moment nichts zu rütteln. "Er hatte Glück, in einer Phase zu kommen, wo es sehr gut gelaufen ist. Aber wenn die Mannschaft erfolgreich ist, dann werde ich nichts verändern."


















