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    Zuletzt aktualisiert: 10.05.2010 um 14:23 UhrKommentare

    Mateschitz-Plan: U-21 statt "Millionärsteam"

    Der Red Bull-Boss über Zukunftspläne, das Niveau des Fußballs und warum es in Salzburg keinen Superstar und in einigen Jahren nur mehr ein U-21 Team geben wird.

    Didi Mateschitz

    Foto © GEPADidi Mateschitz

    Ist aus einer ursprünglich rationalen Entscheidung für den Fußball bei Ihnen zwischenzeitlich eine gefühlsmäßige emotionale Einstellung, ähnlich wie beim Eishockey, geworden?
    DIETRICH MATESCHITZ: Jeder Weg zum Erfolg ist auch ein emotionaler, man musssich 100 Prozent mit dem Ziel und dem Inhalt identifizieren. So ist es für uns auch im Fußball, wobei ich zugegebener Maßen unterschätzt habe, welche Ausmaße eine emotionale Einstellung zum Fußballsport erreichen kann.

    Sie haben einmal gesagt, nicht das Erreichen des Ziels ist spannend, sondern der Weg und da gehören auch Schnapsideen dazu. Wieviel Schnapsidee war dabei, als Sie die am Boden liegende Salzburger Austria übernommen haben?
    MATESCHITZ: Es kamen einige Faktoren zusammen: Der Zeitpunkt zwischen der Weltmeisterschaft in Deutschland und der Europameisterschaft bei uns war - wenn man je einsteigen will - deridealste. Der Wunsch, die Salzburger Austria vor dem Konkurs zu bewahren. Und eine alte Idee von uns, Salzburg zur Sporthauptstadt Österreichs zu machen, wobei neben Eishockey natürlich auch Fußballdazugehört.

    Fünf Jahre läuft jetzt das Projekt Fußball. Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung?
    MATESCHITZ: Sehr zufrieden. Wir haben in New York vor einigen Wochen unser neues 25.000-Zuseher-Stadion eröffnet, spielen vor vollem Haus und führen die Tabelle an. RB Leipzig steigt fix auf und spielt nächstes Jahr in der 4. Liga. In Österreich sind wir in den fünf Jahren nur Meister und Vizemeister geworden. Die Akademie in Ghana läuft perfekt und macht viel Freude. Die Akademie in Brasilien detto, und man muss dabei natürlich bedenken: International braucht man ganz einfach mehr Jahre zur erfolgreichen Aufbauarbeit.

    Wurden Ihrer Meinung nach auch Fehler gemacht?
    MATESCHITZ: Keine wesentlichen. Das Gesamtkonzept Fußball läuft nach Plan.

    Die Installierung von Dietmar Beiersdorfer für fünf Jahre. Die Vertragsverlängerung mit Huub Stevens bis 2012. Alles klare Zeichen für Kontinuität, die es bisher so nicht gab. Warum?
    MATESCHITZ: Kontinuität ist nur mit den richtigen Leuten möglich und sinnvoll. Mit Dietmar Beiersdorfer und Huub Stevens glauben wir,diese jetzt gefunden zu haben.

    Die bisherigen Erfolge in Salzburg waren eher bescheiden, zumal Sie in einem Interview gemeint haben, wir engagieren uns sicher nicht, um "nur" österreichischer Meister zu werden.
    MATESCHITZ: Auch die internationalen Erfolge waren im Rahmen des Möglichen gut. Umso mehr, als wir einmal nur an einer fragwürdigen Schiedsrichterentscheidung an der Champions League gescheitert sind.

    Mittelfristig, meinten Sie, wollen Sie Red Bull Salzburg unter die Top 15 in Europa positionieren. Wie lange wird man noch dafür brauchen?
    MATESCHITZ: Solange nicht die gesamte Österreichische Bundesliga auf einem signifikant höheren Niveau spielt, wird dieses Ziel nicht realisierbar sein. Es müssten also mehrere Clubs ähnliche Strategien entwickeln und in den Fußball investieren. Ich glaube auch, dass es die Investoren dafür gäbe, hätte man sie nicht durch die hinreichend bekannten "Fälle" davongejagt. Es gilt neben der sportlichen Leistung und dem Niveau des Fußballs, auch sein Image wieder zu Recht zurücken.

    Ist eine regelmäßige Teilnahme in der Champions League eher mit einem deutschen als mit einem österreichischen Club realistisch?
    MATESCHITZ: Sicherlich mit einem deutschen Club, da diese Liga, wie jeder weiß, ihren Mannschaften mehr abverlangt.

    In den letzten Jahren wurde immer wieder kritisiert, dass für den internationalen Erfolg zu wenig investiert wurde. Wird das für die neue Saison, mit der Chance auf die Champions League anders sein?
    MATESCHITZ: Nein, das wird nicht der Fall sein, die Problematik ist klar: Für unsere Bundesliga wäre dies sowohl sportlich als auch finanziell, eine nicht sinnvolle und nicht vertretbare Maßnahme. Hier bezeichnen "kompetente" Sportjournalisten unsere Fußballer schon jetzt als "Millionärsteam". Trotzdem können sie innerhalb der Champions League kaum die erforderliche Qualität und Wettbewerbsfähigkeit erreichen. Wie ja ohnehin bekannt ist, ist unsere Strategie, in fünf bis sieben Jahren mit dem stärksten Team mit Leipzig in der Deutschen Bundesliga zu spielen und in Österreich mit einem quasi U-21 Team mit einem möglichst hohen Anteil an Spielern aus unseren Akademien, was aber nicht heißen soll, dass diese Mannschaft nicht im Stande sein soll, auch um den Meistertitel mitzuspielen und auch durchaus an internationalen Spielen in der Europa League teilzunehmen. Dies wäre erst in Frage zu stellen, wenn die österreichische Bundesliga zu den stärksten Ligen in Europa aufschließen könnte.

    Wird es neben Salzburg, New York und Leipzig noch weitere Standorte geben?
    MATESCHITZ:Nein, diesbezüglich gibt es derzeit keine weiteren Pläne.

    Wird Red Bull für das Projekt New York prominente Fußballer verpflichten, um im hart umkämpften Sportmarkt in den USA erfolgreich bestehen zu können?
    MATESCHITZ: In New York werden derartige Schritte sehr wohl sportlich wie auch medial notwendig und sinnvoll sein.

    Raul gilt als einer der Kandidaten. Für Sie als großer Real-Fan müsste das der super Coup schlechthin sein?
    MATESCHITZ: Was mögliche Verpflichtungen betrifft, führen wir derzeit einige Gespräche, Raul ist jedoch nicht darunter.

    Red Bull Racing gilt als WM-Favorit in der Formel 1. Die Eishockey-Spieler gewinnen das Salute Turnier und den Confederation-Cup und die Fußballer sind am guten Weg. Wie bewerten Sie diese Erfolge und wo sehen sie Ihre Prioritäten?
    MATESCHITZ: Es ist sehr wichtig und tut natürlich allen dafür Verantwortlichen gut, wenn unsere Bemühungen und Anstrengungen auch die entsprechenden sportlichen Erfolge nach sich ziehen, soll heißen - wir freuen uns enorm.

    Sebastian Viehhauer/APA

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