Die "Piraten" sind zurück in der Bundesliga
Party à la Pauli. Der Kultklub St. Pauli hat den Aufstieg ins Oberhaus praktisch in der Tasche, jetzt geht es rund auf der Reeperbahn.

Foto © ReutersDIe Pauli-Kicker haben es geschafft: Fünfter Aufstieg in die Bundesliga
Die Piratenflagge mit dem Totenkopf ist das inoffizielle Klubwappen des Hamburger Fußball-Kultklubs St. Pauli. Es steht für das Rebellische, das Fans der "Freibeuter des grünen Rasens" so lieben. Und sie weht ab nächster Saison wieder über der ersten deutschen Bundesliga.
Zumindest zu 99 Prozent, denn rein rechnerisch könnte Pauli am letzten Zweitliga-Spieltag noch vom zweiten Platz hinter Kaiserslautern, der zum direkten Aufstieg berechtigt, verdrängt werden. Diese Gefahr ist aber eher theoretischer Natur, denn Verfolger Augsburg hat vor der letzten Runde am 9. Mai drei Punkte Rückstand und die um 16 Treffer schlechtere Tordifferenz. Das ist kaum aufzuholen.
Somit hat der 4:1-Sieg im Playmobil-Stadion von Greuther Fürth wohl das Ticket für die oberste Spielklasse gelöst. Gerade passend zum 100-Jahre-Jubiläum, das der Verein mit den (nach eigenen Angaben) Fans vom Banker bis zum Punker heuer begeht. Entsprechend feierte die ohnehin nicht als partyfaul geltende Pauli-Gemeinde in bajuwarischen Landen. 15.000 Plätze hat die Arena in Fürth, 9000 davon besetzten mitgereiste Braun-Weiße.
Und die ließen sich auch durch einen 0:1-Rückstand nicht die Stimmung vermiesen. "Wir spielen Fußball und ihr spielt Playmobil", schallte es durchs Stadion - das sorgte für Heimspielatmosphäre. Und wirklich: Naki, Ebbers, Takyi und Hennings drehten die Partie. Auch Corny Littmann, der einzige bekennende Homosexuelle unter den Bundesliga-Klubchefs, war da begeistert: "Sensationell unglaublich!"
Der fünfte Aufstieg
So es am Sonntag nicht noch ein Heimdebakel gegen Paderborn bei einem gleichzeitigen Kantersieg von Augsburg in Kaiserslautern gibt, ist damit der fünfte Aufstieg ins Oberhaus perfekt. Neben den 9000 in Fürth feierten auf der Reeperbahn in Hamburg weitere 10.000 Fans.
Zum Aufstieg sangen ganze Tausendschaften "We love St. Pauli" und vor allem "Nie mehr wieder zweite Liga". Wobei Letzteres vielleicht doch nur ein frommer Wunsch bleiben wird, ist St. Pauli doch zuletzt erst 2002 abgestiegen - nach gerade einmal einer Saison ganz oben.
Doch vorerst sind solche Gedanken rund um das berühmte Millerntor-Stadion tabu, jetzt wird erst einmal gefeiert. Trainer und Klub-Urgestein Holger Stanislawski bewies auch mit folgendem Satz, dass er weiß, was sich bei Pauli gehört: "Montag und Dienstag wird gefeiert, Mittwoch ist wieder Fußball", nannte er die Grobplanung der nächsten Tage. Dabei folgt die offizielle Aufstiegsparty erst am Sonntag nach dem letzten Match.
Schon in Fürth ließ der Coach die Zügel schleifen, es wurde gleich durchgemacht. Einzige Bedingung: "Alle müssen um vier Uhr im Hotel zurück sein, damit ich vor dem Heimflug noch eine Stunde Zeit habe, die letzten auf den Gängen aufzusammeln." Tja, Party-Pauli ist wieder da.
Features
FC St. Pauli
- Gegründet: 15. Mai 1910
- Vereinsfarben: Braun-Weiß
- Klubchef: Cornelius "Corny" Littmann
- Mitglieder: rund 10.000
- Stadion: Millerntor (23.201 Plätze), Hamburg-St. Pauli
- Trainer: Holger Stanislawski
- Aufstiege in die Erste Bundesliga: 5 (1977 - ein Jahr oben, 1988 - drei Jahre, 1995 - zwei Jahre, 2001 - ein Jahr, 2010)
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Pauli-Fans außer Rand und BandFoto © AP


















