Freitag endet die Bayern-Regentschaft des "Kaisers"
Fußball-"Kaiser" Franz Beckenbauer räumt am Freitag nach eineinhalb Jahrzehnten Regentschaft und 17 Titeln unter seiner Ära den Thron als Vereinspräsident des deutschen Rekordmeisters FC Bayern München.

Foto © GEPAFranz Beckenbauer
Er tut dies ohne Wehmut und erwartet, dass Uli Hoeneß als sein Nachfolger ein "lebhafter Regent" wird.
"Ich glaube auch, das ist gut so für den FC Bayern. Uli Hoeneß wird nicht mehr ganz so aktiv sein wie bisher, aber er wird weitaus aktiver sein als ich es war", sagte über den bisherigen Manager. "15 Jahre als Präsident und sieben Jahre als Vorsitzender des Aufsichtsrates reichen. Da müssen jetzt jüngere Leute ran", betonte die 64-jährige Lichtgestalt des deutschen Fußballs.
"Lass mich überraschen
Beckenbauer selbst soll bei der Jahreshauptversammlung zum Ehrenpräsidenten gekürt werden. Dabei ist er selbst gespannt, was ihn im neuen Amt überhaupt erwartet. "Er wird eingeladen", scherzte er und fügte ernsthaft hinzu. "Nein, ich weiß es nicht, ich war noch nie Ehrenpräsident. Ich lasse mich überraschen. Aber fehlen wird mir nichts."
Niemals hätte Beckenbauer gedacht, dass er so lange an der Spitze seines Lieblings-Vereins stehen würde. Nur Wilhelm Neudecker (1962 bis 1979), Präsident zu Zeiten des Spielers Beckenbauer, war länger in dem Amt, in dem sich der "Kaiser" selbst als "Übergangslösung" gesehen hatte. Am 14. November 1994 hatten 99,45 Prozent der anwesenden 2.928 Mitglieder mit "Ja" votierten. Damals zählte der FC Bayern 33.333 Mitglieder, heute heute sind es fünfmal so viele.
Der 57-jährige Hoeneß wird nach 30 Manager-Jahren auch im neuen Amt weiter die Strippen ziehen. Beckenbauer strebt dagegen nicht nach höheren Ämtern. Schon gar nicht nach Funktionärsposten wie dem des FIFA-Präsidenten. "Nein. Ich bewundere die Leute wie Sepp Blatter. Was der alles leistet", sagte der Macher des deutschen WM-Sommermärchens 2006. "Oder Michel Platini, der ein hervorragender UEFA-Präsident ist. Der hat eine Arbeitswut." Nein, das wolle er sich nicht antun, noch dazu als Vater zweier kleiner Kinder.
Glücksfall
Aus dem Tagesgeschäft hat sich Beckenbauer seit der Umwandlung des Vereins in eine Aktiengesellschaft 2002 zurückgezogen. "Ich wusste, dass ich dann als Aufsichtsratsvorsitzender aus dem operativen Geschäft heraus bin. Aber Kalle Rummenigge, Uli Hoeneß und Karl Hopfner sind das Beste, was man sich vorstellen kann. Alle drei sind ein Glücksfall für den FC Bayern", lobte der "Kaiser" das mächtige Bayern-Dreigestirn im Vorstand.
Vorerst werden nur noch Hopfner und Rummenigge den Vorstand bilden. Beckenbauer plädiert mit Nachdruck dafür, dass Hoeneß sich auch als Aufsichtsratschef weiter mit um wirtschaftliche Aufgaben kümmert. Er hat den FC Bayern schließlich zu einer Geldmaschine entwickelt, die 300 Mio. Euro im Jahr umsetzt. "Uli soll das so weitermachen. Er wird nicht an vorderster Front sein im Sponsoring und Marketingbereich, aber die wichtigsten Kontakte wird er persönlich wahrnehmen", meinte Beckenbauer.
Ein Teil-Nachfolger von Hoeneß wird Ex-Profi Christian Nerlinger, der seit dem 1. Juli als Sportdirektor fungiert, aber nicht in den Vorstand aufrücken wird. "Der Christian macht auf mich einen sehr guten Eindruck. Er hat einen klaren Blick, eine klare Aussage. Und er hat in Uli Hoeneß den besten Befürworter", sagte Beckenbauer über den 36-Jährigen. Der Gepriesene selbst mag in der starken Führungsrunde beim Rekordmeister kein Ja-Sager oder Abnicker sein.




















