Zuletzt aktualisiert: 08.03.2009 um 05:22 Uhr
Abpfiff vor dem Anpfiff
Im Schiedsrichterkollegium des Kärntner Fußball-Verbandes ging es rund. Jetzt ziehen wieder 210 von 220 Mann an einem Strang.

Foto © Scheriau
Es wurde ein bisschen gestreikt, es wurde gestritten, es wurde gemobbt, es wurden rote Karten an Kollegen verteilt, es wurde nicht mehr miteinander geredet, es wurde nur über Medien kommuniziert, es wurden neue Gruppensprecher und ein neuer Obmann gewählt, es wurde eine neue Schiri-Ordnung erstellt. Erst langsam kehrt Fairness in das Schiri-Kollegium beim Kärntner Fußballverband ein. Den letzten Schritt zu einem geordneten Ablauf in der Vertretung trug das Gespräch mit Österreichs oberstem Schiedsrichter, Gerhard Kapl, bei.
"Die Situation in Kärnten entsprang einer unglücklichen Entwicklung bei der Generalversammlung des KFV. Die dort abgelehnte Erhöhung der Schiri-Gebühren führte zur Eskalation", berichtete Kapl. "Schade, dass nicht das Gespräch gesucht wurde, sondern der Streik ausgerufen." Danach herrschte zwischen den Referees und dem Verband ein Klima, in dem selbst Eisbären erfroren wären. Der Gipfel war die Abberufung des gesamten Schiedsrichter-Vorstandes und die Einführung der neuen Schiri-Ordnung. "Sie ist eine Eins-zu-eins-Kopie der Steiermark", stellte Kapl fest, "für ganz Österreich geplant."
Nach der Neuwahl des Obmannes und der Gruppensprecher kam es, unter Kapls Leitung, zu einem Schulterschluss zwischen Verband und Pfeifenmännern. "Es wurde gemeinsam ein Schlussstrich unter die Querelen gezogen, die Krise ist zu Ende", berichtete der Steirer, "wie mir die Gruppensprecher berichteten gibt es nur noch fünf bis zehn Unruhestifter. Die müssen sich entscheiden - wollen sie weiter mitarbeiten oder nicht. Wenn nicht, müssen sie gehen." Von den 220 Mann ziehen 210 an einem Strang. "Wie mir Besetzungreferent Smetanig mitteilte, meldeten sich 170 einsatzbereit. Es ist ganz normal, dass 30 bis 40 Leute wegen Urlaub, Krankheit oder Verhinderung ausfallen", meinte Kapl. Er erinnert sich an eine ähnliche Situation in der Steiermark: "In der Saison 1973/74 haben bei uns die Schiris gestreikt. Damals wurde auch der gesamte Vorstand ausgewechselt."
Damit der KFV nie wieder in eine solche Situation kommt, gibt es grundlegende Änderungen. Der Obmann wird nicht mehr von den Kollegen selbst gewählt, sondern von der KFV-Generalversammlung. "Das ist in Ordnung so, da die Referees ein Teil des Fußballverbandes sind. Die Zeit der Wir-sind-wir-Mentalität ist vorbei", schreibt Kapl seinen Kollegen in das Stammbuch. Verkleinert wird der Schiri-Ausschuss. Gehörten diesem bisher 28 Mann an, so sind es in Zukunft nur noch acht. Die kann sich der Obmann aussuchen. Der KFV-Vorstand hat die Möglichkeit, wenn begründet, den Schiri-Chef sofort abzuberufen.