Prohaska macht sich für Herzog stark
Kapitän Ivanschitz zeigt sich von der plötzlichen Brückner-Trennung nicht überrascht, Herbert Prohaska schon. Der Ex-Teamchef macht dem ÖFB einen Vorwurf: "Tscheche hat nicht unsere Sprache beherrscht".

Foto © GEPA"Schneckerl Prohaska:
Die plötzliche Trennung des Österreichischen
Fußball-Bundes (ÖFB) von Teamchef Karel Brückner hat auch Herbert
Prohaska überrascht. "Wenn, so hätte ich erst nach dem
Rumänien-Länderspiel damit gerechnet. Andererseits war für mich klar,
dass nach dem Rücktritt von Präsident Friedrich Stichler der Tscheche
nicht bis zu seinem Vertragende bleiben würde", sagte der 53-Jährige
am Dienstag im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur.
Keine Ratschläge. Der Ex-Teamchef möchte im Nachfolgespiel dem neuen ÖFB-Chef Leo Windthner
keine Ratschläge erteilten. Alle Genannten wie Didi Constantini,
Andreas Herzog, Peter Pacult, Frenkie Schinkels, Franco Foda usw.
würden der Aufgabe gewachsen sein. Seiner Meinung nach wird es eine
Lösung mit einem Trainer geben, der derzeit nicht unter Vertrag
steht. Es wäre nicht gut, würde der ÖFB eine Abfertigung zahlen.
"Herzog hätte das Zeug".
Die Austria-Ikone verhehlte
aber nicht, dass es ihm um Herzog leidtue. "Er hätte das Zeug dafür,
den Respekt der Mannschaft und er hätte es sich verdient. Er kann das
zu 100 Prozent", meinte Prohaska. Herzog sei mit 40
Jahren kein Buberl mehr. Dass er noch keine Mannschaft als Cheftrainer gehabt hat,
dürfe laut "Schneckerl" kein Kriterium sein. Der Rekordteamspieler spreche die
Sprache der Spieler, habe als Assistent drei Jahre Erfahrung
gesammelt und unter guten Trainern für den FC Bayern und SV Werder
sowie "auch unter mir" gespielt.
Kein Comeback.
Sich selbst nahm Prohaska gleich aus allen Spekulationen, er
könnte als Teamchef die oberste Trainerfunktion im Land vielleicht
neuerlich übernehmen. "Das will ich nicht mehr. Ich habe vor einigen
Jahren für mich eine Entscheidung getroffen", sagte der
ORF-Fernseh-Analytiker und Zeitungskolumnist im Gespräch mit der APA.
Duo an der Spitze.
Prohaska könnte sich auch eine Duo an der ÖFB-Teamspitze
mit Herzog und Constantini oder Herzog und Schinkels etc. vorstellen.
"Das wäre Okay, da müssten dann die Kompetenzen abgestimmt werden und
einer der Verantwortliche sein." Eine Doppelfunktion Club- und
Teamtrainer sei hingegen keine gute Variante. "Vor allem dann nicht,
wenn die Person im eigenen Land arbeitet." Der Niederländer Guss
Hiddink ist derzeit als Teamchef des russischen Nationalteams und für
Chelsea in England tätig.
"Qualität fehlt".
Ob der neue Teamchef aus dem In- oder Ausland kommen sollte, ist
für Prohaska nicht so entscheidend. "Egal, wer es letztlich wird, die
Aufgabe wird für jeden schwer, weil es in unserer Mannschaft auch ein
bisschen an Qualität feht. Aber ein neuer Mann gibt dem Team einen
neuen Ruck, erzeugt eine Art Trainereffekt."
Kritik am ÖFB.
Daher sei die Idee mit Brückner, der seine Erfolge gehabt habe,
nach der EM bzw. Josef Hickersberger im Sommer 2008 auch Okay
gewesen. "Den einzigen Vorwurf, den ich dem ÖFB mache, ist, dass der
Tscheche unsere Sprache nicht beherrscht hat. Wenn die Spieler den
Trainer nicht genau verstehen, wird es schwierig, ihr Respekt mit der
Zeit immer weniger", meinte Prohaska aus seiner langen, auch
internationalen Tätigkeit. Er warf dem Trainer-Legionär auch vor,
sich viel zu selten bei Beobachtungen von Liga-Spielen in den Stadien
hatte blicken lassen.
Ivanschitz nicht üebrrascht. Teamkapitän Andreas
Ivanschitz hat sich unterdessen von der Ablöse von Teamchef Karel Brückner "wenig überrascht" gezeigt. Der 25-jährige Burgenländer
suchte die Schuld für die zuletzt schwachen Leistungen der
Nationalmannschaft aber nicht beim Trainer allein. "Vielmehr müssen
wir Spieler, um zukünftig erfolgreich sein zu können, wieder als
echte Mannschaft auftreten", forderte Ivanschitz in einer vom ÖFB
verbreiteten Stellungnahme.
Features
Herbert Prohaska
Österreichs "Fußballer des Jahrhunderts" war nach 1945 der erfolgreichste ÖFB-Teamchef. In seiner Amtszeit von Jänner 1993 bis März 1999 (51 Länderspiele, 25 Siege, neun Remis) führte er das Team 1998 zur WM nach Frankreich.
Und tschüss!
Foto

Kapitän Andi IvanschitzFoto © APA















