Scharners "hirnmäßige Trendwende"
Erste Teamzusammenkunft unter Neo-Coach Karel Brückner. Paul Scharner hat sich geändert und Andreas Ivanschitz bleibt vorerst Kapitän. Alex Manninger steht gegen Italien im Tor.

Foto © GEPAAndreas Ivanschitz trägt gegen Italien die Kapitänsschleife
Der Bart perfekt getrimmt, der Haarschnitt mit den seitlich einrasierten Strähnen ein wenig eigenwillig, die Laune bestens und spitzbübisch-neugierig der Blick. So saß er auf dem Podium, der "geläuterte" Paul Scharner, und genoss seine erste Pressekonferenz nach zweijähriger Teamabsenz ganz offensichtlich.
"Persönlicher Reifeprozess.
Bereits im Herbst vergangenen Jahres hätte die "hirnmäßige Trendwende", wie er es nennt, eingesetzt. Der Wille, nun doch wieder für das Nationalteam zu spielen. Hervorgerufen durch den "persönlichen Reifeprozess, den ich durchgemacht habe". Bloß Josef Hickersberger spielte damals zu Scharners Leidwesen nicht mit. Und sollten Kollegen, jetzt, da das Comeback unter Karel Brückner Realität ist, in Sachen "Vergangenheitsbewältigung" ein paar klärende Gespräche mit ihm führen wollen, "bin ich gerne und jederzeit bereit".
"Schwamm drüber".
Andererseits wäre die Mission Euro 2008 und somit die Vergangenheit abgeschlossen. Was zähle, wäre die Zukunft, und die hieße WM-Qualifikation für 2010. Am besten also "Schwamm drüber", und so scheint es auch der neue Chef zu sehen. "Ich habe andere Sorgen", erklärte Karel Brückner, diesmal auf Deutsch, und war erstaunt, Marc Jankos Nachnominierung rechtfertigen zu müssen. "Bei mir ist das ganz normal. Ich lasse mir oft zwei, drei Spieler offen und hole die erst in letzter Minute. Wie ich mich auch für die Aufstellung erst ganz knapp vor einem Spiel endgültig entscheide." Was auch Andreas Herzog bestätigen kann. "In Tschechien hat er einmal bei einer Kaderbekanntgabe nur 14 Namen genannt. Der Rest folgte ein paar Tage später."
Der frische Wind bläst also weiter.
Bevor Karel Brückner seine neue Truppe dann um 12.30 beim Mittagessen erstmals an mehreren Tischen versammelt und schließlich um 16 Uhr zum ersten gemeinsamen Training gebeten hatte, nahm er auch noch zu den Themen Kapitän und Tormann Stellung. So wird morgen Alexander Manninger gegen Weltmeister Italien zwischen den Pfosten und Andi Ivanschitz als Kapitän beginnen. "Das heißt aber nicht, dass Manninger die Nummer eins bleibt." Ebenso hat Ivanschitz die Schleife nicht gepachtet. "Aber in so kurzer Zeit wollte und konnte ich noch keine Entscheidung treffen. Vor dem Spiel gegen Frankreich werden wir genau überlegen."
Apropos Frankreich: Gegen den Vizeweltmeister geht's am 6. September in der WM-Quali los. Und angesichts des momentanen Kaders mit 14 Legionären, die zum Großteil Stammspieler in europäischen Topligen sind, weiß auch Heimkehrer Scharner: "Die Ausreden, wenn's schief geht, werden immer weniger."
Fakten
Das Testspiel Österreich gegen Italien wird am Mittwoch ab 20:45 Uhr live in ORF 1 übertragen.
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Paul ScharnerFoto © Reuters
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Manninger steht gegen Italien im TorFoto © Reuters












