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Zuletzt aktualisiert: 11.08.2008 um 20:05 UhrKommentare

"Österreich hatte Pech"

Italiens Teamchef Marcello Lippi glaubt, dass Österreich bei der Euro unter Wert geschlagen wurde und freut sich auf die Rückkehr auf die Trainerbank.

Marcello Lippi

Foto © APMarcello Lippi

Welchen Stellenwert hat für Sie das Spiel gegen Österreich?
Marcello Lippi: Für mich ist diese Partie der Auftakt zu einem neuen großen Abenteuer. Es ist mein erstes Spiel nach dem WM-Finale 2006. Das ist für mich etwas ganz Außergewöhnliches.

Schon ein wenig aufgeregt?
Lippi: Ich habe große Lust, wieder jene Emotionen zu erleben, die ich vor zwei Jahren verspürt habe, und freue mich schon sehr auf das Spiel. Aber es wird kein Spaziergang. Ich verlange maximale Konzentration.

In Nizza treffen Sie auf Karel Brückner, einen alten Bekannten.
Lippi: Ich habe Karel erst unlängst bei einem Kongress in Prag getroffen. Ich schätze ihn sehr. Am Platz sind wir uns das letzte Mal bei der WM 2006 gegenübergestanden. Damals haben wir 2:0 gegen Tschechien gewonnen.

Hat der ÖFB eine gute Wahl getroffen?
Lippi: Ich schätze Bruckner sehr. Er ist eine herausragende Persönlichkeit, die dem tschechischen Fußball ihren Stempel aufgedrückt hat. Seine Handschrift ist unverkennbar.

Wie würden Sie seine Fußballphilosophie beschreiben?
Lippi: Auf jeden Fall modern. Von Ordnung und Klarheit, aber auch gleichermaßen von Spielwitz und Phantasie geprägt.

Wie schnell lässt sich diese Philosophie implementieren?
Lippi: Es geht nicht von heute auf morgen. Es wird Zeit brauchen, bis die Mannschaft das System intus hat.

Schon Brückners Vorgänger, Josef Hickersberger, hat immer appelliert, dass es Zeit und Geduld braucht. Bei der Euro 2008 verabschiedete sich Österreich deshalb bereits in der Vorrunde.
Lippi: Österreich hatte bei der EM Pech. Ehrlich gestanden: Die Mannschaft ist unglücklich ausgeschieden und hätte sich eigentlich mehr verdient. Was gefehlt hat, waren die Ergebnisse. Dennoch: Ich war positiv überrascht. Ich hätte mir nicht erwartet, dass Österreich gegen Kroatien oder auch gegen Polen spielerisch so groß aufspielt.

Welches der österreichischen Spiele haben Sie denn gesehen?
Lippi: Ich habe alle Partien der österreichischen Nationalmannschaft während der Euro 2008 im Fernsehen gesehen. Die Mannschaft hat ansatzweise phantastischen Fußball geboten. Siegeswille, Entschiedenheit, Aufopferungsbereitschaft und Begeisterungsfähigkeit haben mir imponiert.

Komplimente gehören offensichtlich zum Trainergeschäft.
Lippi: Das ist ein ehrlich gemeintes Kompliment. Ich hab es nicht notwendig, Blumen zu streuen.

Aufhauser, Leitgeb, Janko - sagen Ihnen diese Namen denn etwas?
Lippi: An Ihrer Stelle würde ich mir keine Sorgen machen: Ich kenne alle Namen der österreichischen Nationalspieler und auch deren Charakteristika.

Woher? Haben Sie sich Tipps bei Ihrem Kollegen Giovanni Trapattoni geholt?
Lippi: Nein, auf Trapattoni treffe ich erst in der WM-Qualifikation für 2010 - dann, wenn Italien gegen Irland spielt.

Könnten Sie sich vorstellen, in Österreich zu arbeiten und sich auf ein ähnliches Abenteuer wie Trap bei Salzburg einzulassen?
Lippi: Ich habe in den letzten zwei Jahren keinen Trainerjob angenommen. Ich hatte in dieser Phase sehr, sehr viele lukrative Angebote, auch von anderen Nationalteams. Ich habe mich bewusst für Italien entschieden. Ich fühle mich dem Land verpflichtet.

Das heißt, dass Sie nie im Ausland arbeiten werden?
Lippi: Sag niemals nie. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt.

(Das komplette Interview lesen Sie auf www.redbulletin.com)

INTERVIEW: BERND FISA

Zur Person

Marcello Lippi, geboren am 12. April 1948 in Viareggio.

Als Spieler Libero bei Sampdoria Genua, Savona und Pistoiese.

Als Trainer betreute er unter anderen den SSC Neapel, Inter Mailand sowie zweimal Juventus Turin. In der ersten Ära als Teamchef von 2004 bis 2006 führte er Italien bei der WM in Deutschland zum Titel. Danach machte er zwei Jahre Pause.

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