"Eine echte Watsch'n"
Selbst im Ausland war Salzburgs Debakel gegen Rapid ein Thema. Und für "Maestro" Giovanni Trapattoni war es unbekanntes Gefühl, sieben Tore zu bekommen.

Foto © GEPARapid erlebte eine wahre Sternstunde
Fassungslosigkeit regierte nach dem Sonntags-Gipfeltreffen der zwei heißesten Eisen im Titelkampf der heimischen Bundesliga. Weder die Sieger von Rapid konnten sich erklären, was da im EM-Stadion von Wals-Siezenheim passiert ist - und schon gar nicht die Verlierer, das Starsensemble der Salzburger. 0:7 vor eigenem Publikum - noch nie ist ein österreichischer Meister oder Bundesliga-Tabellenführer in der heimischen Meisterschaft so gedemütigt worden.
Trap ohne Worte.
Da rang selbst "Maestro" Giovanni Trapattoni nach Worten. Wer eine ähnliche Wutrede wie einst beim FC Bayern erwartete, wurde enttäuscht. Aus "Flasche leer", wurde nicht "Dose leer", allerdings musste der Starcoach zugeben. "Das ist nicht nur eine Niederlage, das ist eine Katastrophe. In 50 Jahren habe ich als Spieler und Trainer nie sieben Tore erhalten."
"Eine echte Watsch'n".
Marc Janko fand für den schwärzesten Tag in Salzburgs Fußballgeschichte ebenfalls deutliche Worte. "Das war eine richtige Watsch'n." Worte, nach denen Co-Trainer Michael Streiter beim gestrigen Training noch immer vergeblich suchte, denn er musste selbst 24 Stunden nach dem Debakel noch zugeben, "mir fehlen noch immer die Worte". Und auch Sportdirektor Heinz Hochhauser scheiterte gestern noch am Versuch einer Analyse. "Erklären kann sich das niemand."
Historische Schlappe.
Die blamable Vorstellung des Millionenensembles aus der Mozartstadt blieb auch im Ausland nicht verborgen. "Trap, eine historische Schlappe! Er bekommt sieben Tore von Rapid", titelte die "Gazzetta dello Sport" in ihrer Online-Ausgabe. Auch die deutsche "Bild"-Zeitung schrieb pointiert: "Dose leer bei Red Bull Salzburg . . . Der Ex-Bayern-Coach wurde im Spitzenspiel der österreichischen Liga böse vermöbelt."
Jubel grenzenlos.
Im Lager der Sieger war der Jubel zwar grenzenlos, doch auch die Hütteldorfer suchten nach Erklärungen für ihren Triumph. Regisseur Steffen Hofmann, der seine Leistung mit dem 7:0 krönte, schien fast sprachlos ob des Geschehenen. "Es ist immer weitergelaufen, nach dem 6:0 habe ich gedacht, ich bin im falschen Film."
Schlecht für die Finanzen.
Für Rapid könnte die Galavorstellung allerdings negative Auswirkungen auf die Finanzen haben. Der Grund heißt Stefan Maierhofer, der gegen Salzburg zwei Mal traf. Seine Erfolgsserie (vier Tore in einer Woche) dürfte den Rekordmeister einiges kosten. Maierhofers Leihvertrag läuft nämlich im Sommer aus und Rapid hat keine Kaufoption, daher wäre eine stattliche Ablösesumme an den deutschen Zweitligisten Greuther Fürth fällig.
Das Statement von Rapid-Coach Peter Pacult fiel beinahe schon gewohnt seltsam aus. "Auch nach dem 4:0 war ich noch nicht entspannt, im Fußball kann alles schnell gehen. Die Entscheidung fiel erst mit dem 6:0" - wer's glaubt.
Features
Fotoserie
31. Bundesliga-Runde
Fakten
Red Bull Salzburg - SK
Rapid Wien Endstand 0:7 (0:5).
Torfolge: 0:1 ( 7.) Hoffer
0:2 (10.) Maierhofer
0:3 (11.) Korkmaz
0:4 (17.) Maierhofer
0:5 (30.) Hoffer
0:6 (46.) Hoffer
0:7 (91.) Hofmann
Salzburg: Ochs - Steinhöfer (25. Ngwat-Mahop), Vargas (55. Bodnar),
Sekagya, Dudic - Ilic, Carboni, Leitgeb, Jezek - Janko, Zickler (46.
Rakic)
Rapid: Payer - Dober, Eder, Patocka, Thonhofer - Hofmann, Heikkinen
(76. Harding), Kulovits, Korkmaz (89. Kavlak) - Hoffer, Maierhofer
(72. Fabiano)
Gelbe Karten: Maierhofer bzw. Ilic, Vargas
Die Besten: Keine bzw. Hoffer, Maierhofer, Hofmann, Korkmaz




















