Einer, der mit jedem kann
Seinen 70. Geburtstag feiert Eishockey-Präsident Dieter Kalt am Freitag in Toronto. Der Klagenfurter hat sein Leben dem Puck verschrieben. Da ist es nur logisch, dass er dieses Jubiläum unweit einer Eishalle begeht.

Foto © GEPADieter Kalt senior
Normal ist der Klagenfurter in Sachen Eishockey eher dienstlich unterwegs, hat Kongresse auf der ganzen Welt besucht und bei der Nationalmannschaft den Delegationsleiter gemacht. Diesmal, im kanadischen Toronto, begleitete er mit Frau Gabi den jüngsten Kalt-Spross Lukas ins Trainingscamp von Ken Strong, dem ehemaligen VSV-Star. Es passt zu Kalt, dass er seinen runden Geburtstag in der Nähe einer Eishalle feiert. "Eishockey ist neben der Familie mein Leben", bekennt er freimütig. Stimmt. Denn bereits mit 16 feierte er sein Debüt in der KAC-Kampfmannschaft. Offenbar ein gravierender Einschnitt, denn ohne die Hartgummischeibe ging es dann nicht mehr.
Schnell unterwegs
Der Kampf Mann gegen Mann lag Kalt schon als Eishockeyspieler nicht sonderlich. Kalt brillierte eher mit seiner Schnelligkeit. Schnell war der Jurist, der während seines Studiums in Graz zwei Jahre den dortigen ATSE verstärkte, auch im weiteren Leben unterwegs. Als 20-Jähriger durfte er sich über den ersten österreichischen Meistertitel freuen, mit 35 führte er den KAC als Trainer dorthin. Danach wurde er gleich Verbandskapitän des Eishockeyverbandes und avancierte mit 41 Jahren zum Bezirkshauptmann von St. Veit. Eine für die damalige Zeit frühe und auffällige Berufung, die heute manche damit begründen, dass er der richtigen Partei angehört hätte. Egal. Kalt widmete sich seinem neuen Job mit viel Engagement. Die Wandlung weg von der alten Beamtenmentalität hin zu einer serviceorientierten Behörde ist mit dem Klagenfurter verbunden. Die Besuche von Papst Johannes Paul II. und des Dalai Lama im Bezirk fielen in die Amtszeit von Kalt. "Zwei Heiligkeiten und zwei Kontraste", erinnert sich Kalt. In Gurk beim Papst Hektik und das genaue Protokoll, auf der anderen Seite in Hüttenberg Ruhe und Zufriedenheit.
Harmoniebedürftig
Etwas länger warten musste Kalt hingegen, bis er Eishockeypräsident wurde. 1996, als 55-jähriger, folgte der logische Nachfolger Hans Dobida als österreichischer Eishockeyboss. Die Wahl wurde zu einer Zitterpartie, Kalt gewann nur mit einer Stimme Überhang. Eishockey - speziell die Nationalmannschaft - lieferte nicht nur positive Schlagzeilen. Kritiker bemängeln deshalb, dass Kalt eher ein Funktionär der alten Schule sei, dem es in erster Linie ums Bewahren ginge. Kreativität und Reformen wären ihm fremd. Der Präsident nimmt solche Vorwürfe locker, verweist darauf, dass während seiner Tätigkeit gerade im Nachwuchsbereich viel passiert ist: "Aber das interessiert halt die Öffentlichkeit nicht." Ein Dorn im Auge ist Kalt die Legionärsflut in der Eishockey-Bundesliga. Das löste wiederum Konflikte mit den Präsidenten der Vereine aus.
Harte Bandagen, wie im Eishockey üblich, verabscheut Kalt. Er ist einer, der (fast) mit jedem kann. Deshalb wollte man ihn auch in die Politik holen. Doch für Kalt galt: "Schuster bleib bei deinen Leisten." Der Eishockeypräsident gilt als harmoniesüchtig, Fair Play und Respekt sind ihm wichtig. Streit breche er nur vom Zaun, wenn es der Sache diene.
Ein Herzinfarkt war für Kalt das Signal, etwas kürzerzutreten. Als Eishockeypräsident hat er - als Folge des neuerlichen Abstieges aus der A-Gruppe - Strukturveränderungen angeleiert. Soll wohl heißen: Auch ein 70-jähriger ist lernfähig. Ob Kalt 2014 noch einmal als Präsident kandidiert, ist unsicher. Die Gesundheit hat jedenfalls Vorrang.
Features
Dieter Kalt
- Geboren: 29. Juli 1941 in Klagenfurt
- Sportliche Laufbahn: 10 Mal österreichischer Eishockeymeister mit dem KAC, Teilnahme an Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften. Zwei Meistertitel als Trainer, Eishockeyschiedsrichter, Fußballer beim KAC und ASV.
- Funktionärs-Laufbahn: ÖEHV-Verbandskapitän von 1976 bis 1996, seit 1996 österreichischer Eishockey-Präsident, Mitglied des Vorstandes des ÖOC und der BSO.
- Berufliche Laufbahn: Studium der Rechtswissenschaften, Sekretär bei den Landeshauptmännern Sima und Wagner, Protokollchef des Landes, Bezirkshauptmann von St. Veit von 1982 bis 2006.
- Hobbys: Golf und Jagd.
- Familie: Frau Gabi, drei Kinder (Dieter, Nina und Lukas).














