So tickt das Kärntner Derby
VSV gegen KAC. Das ist Emotion, das ist Leidenschaft. Aber wer behält heute beim 292. Duell der "Erzrivalen" die Oberhand? Dass Villach sechs Derbys in Serie verloren hat, daran denken die Spieler nicht.

Foto © Gert Köstinger
Die Ausgangslage: Bei beiden Teams verläuft die Saison bislang nicht nach Wunsch. In Villach war man nach den vielen Niederlagen am Beginn verzweifelt, Trainer Mike Stewart hatte damals viele Nächte nicht geschlafen und gerätselt. Egal was man probierte, nichts gelang. Villach versuchte es mit der Brechstange und rutschte ans Tabellenende.
Und dann ging plötzlich der Knopf auf, nicht nur wegen der Neuzugänge. Das blaue Blut in den Venen der Spieler ist trotz der 1:5-Niederlage in Znaim in Wallung und versetzt derzeit Berge. Aber auf lange Sicht wird es nicht so weitergehen, der VSV hat finanziell bedingt nicht den stärksten Kader.
Dennoch hat der VSV für mich heute die "Schnauze" vorne. Dass Villach sechs Derbys in Serie verloren hat, daran denken die Spieler nicht.
Die Krise, die Villach abschütteln konnte, begleitet nun den KAC. Zu Beginn war man noch oben, zuletzt ging es aber Woche für Woche Richtung Tal. Man darf aber das Tief nicht nur an Spielern wie Thomas Koch aufhängen, obwohl er noch nicht auf die Gleise kommt. Auch ein Christoph Brandner ist frustriert, die Legionäre bringen keine Topleistungen und die Verletzten schmerzen ebenfalls.
In erfolgreichen Zeiten, zauberte der KAC immer wieder ein Ass aus dem Ärmel. Einmal stachen die Jungen, einmal die Routiniers. Das fehlt derzeit. Das Derby wäre genau der richtige Zeitpunkt, um sich aufzurappeln und mit einem Sieg viel Selbstvertrauen und den dringend benötigten Motivationsschub für die nächsten Spiele zu holen. Die Teams: Wie das Spiel ausgeht, hängt auch von den Leistungen der Goalies ab. Beim VSV sind die Auftritte von Bernhard Starkbaum null Überraschung. Er hat ja schon im Vorjahr gezeigt, wie gut er ist und, dass man ihm blind vertrauen kann. Dazu kommt das Selbstvertrauen. Wenn man ihm zuschaut, sieht man ein Spiegelbild von Gert Prohaska. Da leistet Goalie-Trainer Markus Kerschbaumer tolle Arbeit.
Beim KAC freut es mich für René Swette, dass er seine Chance während der Verletzungspause von Andy Chiodo genützt hat und bei Chiodo weiß man ohnehin, was er kann.
In der Offensive ist der KAC gefährlicher. Vor allem die Geiers und Raphael Herburger sind fast immer schön anzuschauen. In der Defensive ist Villach solider. Das blau-weiße Mauerwerk - ausgestattet mit dem Schuss Härte - müssen die Klagenfurter erst einreißen. Der VSV wird auf Konter setzen und will mit wenigen Toren zum Sieg kommen. Die Trainer: Da hat KAC-Trainer Manny Viveiros klare Vorteile. Er ist lange im Business, arbeitet solide, wurde schon Meister und ist Coach des Nationalteams. Die jetzige Krise liegt nicht nur an ihm. Er muss einen Weg finden, um den KAC wach zu rütteln.
Beim VSV befindet sich Mike Stewart noch in der Entwicklung und muss erst seinen Stil finden. Die Lage nach den vielen Niederlagen zu Saisonbeginn war schwierig für ihn. Da haben viele gesagt - Mike war ein guter Spieler, ist ein toller Typ, aber ist er auch als Trainer der Richtige? Wenn er sein Feuer auf das Team übertragen kann, kann er aus seinem Team viel herausholen. Aber sein Team hat weniger Talent als das von Viveiros. Die Faszination: Man kann zwar nicht sagen, dass es sich um ein Spiel im Stanley-Cup-Play-off handelt, dennoch ist das Kärntner Derby etwas ganz besonderes. Es ist mehr als rot gegen blau. Zwei Städte liegen im Eishockey-Fieber. Diese Begeisterung ist Motivation pur und das Schönste für die Spieler.
Das Derby hat so viel Tradition und ist für beide Teams eine willkommene Abwechslung zum "Liga-Alltag". Jeder gibt alles, um zu siegen. Da kribbelt es im Magen und man ist nervöser als gewöhnlich. Die Hütte ist voll und es brodelt auf den Rängen. Es ist ja auch ein Duell zwischen den Fans des KAC und des VSV. Auf beiden Seiten wird es ziemlich laut. Diese spezielle Stimmung verleiht dem Ganzen immer eine Portion Extra-Flair.
Gary Venner (54), Austro-Kanadier, Ex-Teamspieler und heute als Experte für "ServusTV" tätig.
















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