Mit Anpfiff kam die Gänsehaut
Um neun Uhr morgens waren die Fans bereits auf den Beinen, um beim Derby im Stadion dabei zu sein.

Foto © GEPATolle Stimmung im Stadion
Der erste Schlusspfiff ertönt bereits im diesigen Morgenlicht. Knapp nach neun Uhr haben auch die letzten Karten für das Freiluft-Derby den Besitzer gewechselt - ein letztes Kontingent von hundert Karten, die reserviert, aber nie abgeholt wurden, ist vergeben. Ausverkauft.
Die Fans zerstreuen sich wieder in alle Himmelsrichtungen, die des KAC in das eigens errichtete Festzelt, die Villacher an die Nordseite des Stadions, wo kurzerhand ein Wirtshaus beschlagnahmt wird. Wo sonst der sportliche Niedergang der Kärntner Fußballer die Biertisch-Gespräche füllt, ist es jetzt eine simple Feststellung: "Hier regiert der VSV" - die Parole bleibt fortan gleich, nur die Lautstärke steigt mit dem Alkoholkonsum unaufhaltsam Richtung Heiserkeit.
Ungewissheit
Drinnen im Stadion regiert Stunden vor dem Spiel vor allem Ungewissheit: Schnee? Regen? Schneeregen? Immer wieder wandern die Blicke der Eismeister nach oben, so als würden sie die befürchteten Niederschläge aufhalten können. Können sie nicht. Punkt zwölf Uhr sinken die ersten Flocken auf das Eis, Minuten später hat sich der Schnee wie eine weiße Decke über die Eisfläche gelegt.
"Wir spielen", wiederholt Stadion-Chef Daniel Greiner immer wieder gebetsmühlenartig. Es klingt ein wenig danach, als würde er sich und den Räumkommandos, die zum x-ten Mal ausrücken, Mut zusprechen wollen. Es scheint zu wirken.
Ratternd ziehen die Eismaschinen ihre Runden, als um 13 Uhr die ersten Fans in die ehemalige EM-Arena strömen. "Ich habe vier Stunden gewartet, um die Karten zu kaufen. Jetzt habe ich die Warterei satt, die Partie soll endlich anfangen", fordert einer mit KAC-Fandress. Zwei Stunden vor Spielbeginn ist vielen Anhängern die Aufregung bereits in die Gesichter geschrieben.
Das verbindet sie mit den Eishockey-Knirpsen, die sich unten, im Bauch der Arena, auf ihren großen Einsatz vorbereiten. In den Kabinen der U11-Mannschaften von KAC und VSV, die das Vorspiel bestreiten, wuselt es nur so. Auch, weil die Gummimatten Richtung Eisfläche fehlen. Die Betreuer machen aus der Not eine Tugend - und tragen die Minis Stück für Stück hinaus. Der Applaus des Publikums entschädigt für die Mühen drinnen.
Frösteln lässt nach
Die Minute null rückt näher, noch immer schneit es. Etwas träge wälzt sich das Vorprogramm dahin. Erst als die Spieler das Eis betreten, kommt am Nord- und Südende des Ovals Stimmung bei den Fangruppen auf. "Könige des Südens" nennen sich die Villacher per Transparent, der rot-weiß-rote Sektor antwortet per tausendfach befolgter Fahnenchoreographie. Das Frösteln in den Gliedern lässt langsam nach.
Spätestens mit Spielbeginn haben sich Körper und Stimmen wieder aufgewärmt. Beim Anpfiff stellt sich dann endlich die Gänsehaut ein - Jubel aus zehntausenden Kehlen brandet auf. 60 gespielte Minuten später ist er nach der Niederlage zumindest den KAC-Fans vergangen. Vor dem VSV-Sektor schlägt VSV-Doppeltorschütze Michael Raffl spontan noch einen Purzelbaum im Schnee. Ein Feuerwerk entlässt das Kärntner Freiluft-Derby in das Reich der Eishockey-Geschichte.

















