Ist diese Liga zu teuer?
Gibt es zu viele Legionäre? Bleiben die Österreicher auf der Strecke? Ein Pro und Kontra zum Thema Erste Eishockey-Liga in Österreich. Was spricht dafür, was dagegen?

Foto © GEPAAuf in die Eishockey-Zukunft. Die Liga wird nachdenken müssen
Diskussionen rund ums Eishockey gehören in Kärnten zum August, wie Sonne, See und Urlaub. Die Hauptfragen: Gibt es zu viele Legionäre? Bleiben die Österreicher auf der Strecke? Macht die Punkteregel Sinn? Und: Ist die Liga zu teuer?
Hinter den Kulissen brennt das Eis. Vor allem Graz und Villach drohen mit dem Ausstieg aus der Liga und fordern mit aller Vehemenz neue Strukturen ab der Saison 2012/2013. Die Zahl der Legionäre und Kosten müssen gesenkt, die leidige Punkteregel überarbeitet werden. Derzeit werden Spieler nach Alter und Leistungsstärke mit Punkten bewertet; maximal 60 Zähler pro Team sind erlaubt. Für Zündstoff bei der Liga-Sitzung am 3. September ist gesorgt. Auch der KAC, Linz und die slowenischen Klubs sympathisieren mit Graz und dem VSV. Sogar aus Wien - Mitinitiator der Legionärsflut - kommen Signale, den heimischen Weg zu forcieren. Ob Salzburg oder Zagreb da mitspielen?
"Die Liga muss österreichischer werden. Die Grenze ist erreicht", sagt VSV-Obmann Giuseppe Mion, der Klubs wie Innsbruck und Feldkirch liebend gerne in der Liga sehen würde: "Was nicht heißt, dass Internationalität nicht okay ist." Auch KAC-Trainer Manny Viveiros schwimmt auf dieser Welle: "Die Zahl der Legionäre ist zu hoch. Es wäre besser, das Geld in den Nachwuchs zu investieren." Davon soll in weiterer Folge das Nationalteam profitieren. Die letzte WM zeigte die Problemzonen.
Das spricht dafür:
Eine mehr als funktionierende Liga
Die Erste Eishockey Liga ist ein funktionierendes Produkt, das Jahr für Jahr für neue Zuschauerrekorde sorgt. In der Saison 2009/10 kamen zu den Spielen der zehn Teams erstmals mehr als eine Million Anhänger. Damit katapultierte sich die Grenzen überschreitende Liga in Europa auf Platz sieben, konnte sogar die slowakische Extraliga hinter sich lassen. Als Lohn gab es die Aufnahme als siebtes Vollmitglied in die internationale Ligen-Vereinigung Hockey Europe.
Beim KAC und VSV ist es fast nicht mehr möglich, ein Sitzplatzabo zu ergattern. Trotz steigender Preise reißen sich die Fans darum, auch in Wien und Linz ist die Tendenz steigend. Zuschauerkrösus Zagreb kann sich von den Fans kaum mehr erwehren, in der letzten Saison kamen 225.800 Zuseher zu den 29 Heimspielen, dies ergibt einen Durchschnitt von 7786 Fans pro Match.
Das mediale Echo wird ebenfalls von Saison zu Saison stärker. Mit dem Einstieg von Servus TV in der letzten Saison ist der Eishockeysport nun für jeden Fan frei zugänglich geworden. Auch in Slowenien, Ungarn und Kroatien werden viele Spiele im TV gezeigt, mit dem Einstieg von HC Znojmo kann jetzt auch der tschechische Raum erobert werden.
Die Vermarktung der Liga wird zwar vorangetrieben, trotzdem gibt es hier noch einen Aufholbedarf. Mit mehr Liga-Sponsoren und daher mehr Geld könnte man Vereinen wie Innsbruck oder Feldkirch den Einstieg schmackhafter machen.
MARIO KLEINBEGER
Das spricht dagegen:
Das Jahr 2000 sollte Warnung sein
Es war im Jahr 2000. Der KAC holte sich gegen den VSV seinen 26. Meistertitel. In einer von Legionären überschwemmten Vierer-Liga. Nach der Saison zerbrachen auch Feldkirch und der WEV am Wettrüsten der 90er-Jahre und mussten sich aus der Liga zurückziehen. Österreichs Eishockey stand am Abgrund. Nur noch KAC und VSV waren übrig.
Danach begann der Neuaufbau. Mit vielen jungen Österreichern, denn die Legionärszahl war beschränkt. Auch dank der reduzierten Budgets bekamen blutjunge Talente wie Thomas Koch, Daniel Welser oder Roland Kaspitz ihre Chance. Sie wurden besser und besser, belegten bald Schlüsselpositionen. Und jetzt? Geht es heute um Über- und Unterzahlspiel, sind Österreicher am Eis Mangelware. Stattdessen spielt eine Unzahl von meist gut bezahlten Legionären. Leidtragend sind Jugend und Nationalteam.
Aber auch finanziell sind viele Klubs am Anschlag. Der Wunsch, "die großen Drei" (Salzburg, KAC, Wien) zu ärgern, macht jede Saison zum finanziellen Hochseilakt.
Schleunigst überarbeitet gehört die Punkteregel. Zu oft schauen Österreicher durch die Finger. Das letzte prominente "Opfer" ist Markus Peintner, der noch bei der A-WM den Teamdress trug.
Bevor es Klub um Klub "zerreißt" und das Nationalteam noch tiefer fällt, sollte man an das Jahr 2000 denken und rechtzeitig die Reißleine ziehen. Ein Schritt zurück muss kein Rückschritt sein.
ANDREAS JANDL
Features
ANGEMERKT
Eine Frage: Was bringt den Fan in die Eishalle? Eine Liga mit Stars und Legionären? Noch dazu grenzüberschreitend, weil andere heimische Klubs dem teuren Muster nicht folgen können. Ein Kratzer im Idealbild. Spiele gegen Innsbruck oder Feldkirch sind und waren immer faszinierend. Auch gesundgeschrumpft. GH













