Der 26-fache Weltmeister Kanada ist entthront. Zum ersten Mal gewann Schweden bei der 81. Eishockey-WM in Köln am Sonntag ein WM-Finale gegen Kanada. Dies lag vor allem an Torhüter Henrik Lundqvist, der in seiner Heimat nun als bester Eishockey-Torhüter der Geschichte gefeiert wird.

Natürlich war es "König Henrik" selbst, der mit dem WM-Pokal das Eis in Köln verlassen durfte. Voller Stolz trug der überragende schwedische Torhüter die Trophäe weit nach Mitternacht und lange nach seinen Teamkameraden in die Kabine, wo das "Tre Kronors"-Team den zehnten WM-Titel feierte. Der von den Fans seines NHL-Teams New York Rangers liebevoll "King Henrik" getaufte 35-Jährige war beim 2:1-Erfolg nach Penaltyschießen der unumstrittene Matchwinner.

Briefmarken-Forderung

"Gebt ihm seine eigene Briefmarke. Er hat Schweden Gold gerettet", schrieb die schwedische Zeitung "Aftonbladet" und erinnerte damit an einen der größten Erfolge der Schweden im Eishockey. Peter Forsberg hatte das Drei-Kronen-Team bei Olympia 1994 in Lillehammer im Finale mit dem entscheidenden Treffer im Penaltyschießen zur Goldmedaille geschossen, der Moment wurde danach auf einer eigenen Briefmarke verewigt.

Für "Dagens Nyheter" war es der "beeindruckendste" aller zehn WM-Titel bisher: "Schwedens bester Torhüter der Geschichte kam, um Gold zu gewinnen. Das hat er geschafft." Für Lundqvist war der Sieg gegen Kanada, das zuletzt zweimal hintereinander Weltmeister und mit noch stärkeren Teams 2010 und 2014 Olympiasieger geworden war, fast etwas Persönliches. "Ich habe selbst bei zwei Weltmeisterschaften und den Olympischen Spielen gegen Kanada verloren. Es war einfach an der Zeit jetzt", sagte Lundqvist.

2006 hatte der Kult-Keeper, der bei den NY Rangers Klubkollege des Villachers Michael Grabner ist, sein Land zum Olympiasieg geführt, in den WM-Endspielen 2003 und 2004 aber bittere Finalpleiten gegen Kanada erlebt. Da die nordamerikanische NHL angekündigt hatte, 2018 nicht für Olympia pausieren zu wollen, entschied sich Lundqvist nach dem Play-off-Aus seiner Rangers, zur WM nachzureisen. "Als ich in New York aufgebrochen bin, habe ich mir genau das erträumt: Mit meinem Bruder hier den Pokal in den Händen zu halten", sagte Lundqvist, der erstmals seit 2003 wieder gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder, dem schwedischen WM-Kapitän Joel Lundqvist, auflaufen konnte.

Nachnominierung als entscheidendes Puzzle-Teil

"Das ist für uns beide ein wirklich emotionaler Moment. Ich bin superstolz", jubelte "King Henrik", dessen Nachnominierung wohl das entscheidende Puzzle-Teil zum ersten schwedischen WM-Titel seit 2013 war. "Er ist natürlich einer der besten Goalies der Welt. Das hat man heute wieder gesehen", sagte der Weltmeister-Coach Rikard Grönborg. "Sein Kommen hat der gesamten Defensive noch einmal einen Schub gegeben. Aber auch in der Kabine ist er sehr wichtig. Es hört einfach jeder genau zu, wenn er etwas sagt."

Im spannenden, aber erst in der torlosen Verlängerung hochklassigem WM-Endspiel brachte Lundqvist die kanadischen Weltklasse-Stürmer reihenweise zur Verzweiflung. Im Penaltyschießen scheiterten alle Gegner Lundqvists, auch Super-Stürmer Nate MacKinnon aus Colorado. Für das zuletzt weltweit klar dominierende Eishockey-Mutterland war die Niederlage eine Schmach, wie Kanadas Top-Scorer MacKinnon zugab: "Ich bin sicherlich nicht hierhergekommen, um Zweiter zu werden."

Kanada bleibt zwar Weltranglisten-Erster, nach Anzahl der WM-Titel mit 26 aber weiter hinter dem Erzrivalen und Rekord-Weltmeister Russland (27, inklusive der Titel mit der Sowjetunion). Schweden sprang auf Rang drei hinter dem WM-Dritten Russland.