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Zuletzt aktualisiert: 13.09.2012 um 18:50 UhrKommentare

Das Spektakel im antiken Theater

Modernes Eishockey in der 2000 Jahre alten Arena von Pula. Am Freitag empfängt Zagreb die Laibacher, am Sonntag die Capitals. Für Zagreb ist es übrigens nicht das erste Freiluft-Spiel.

Seit Wochen wird umgebaut

Foto © kkSeit Wochen wird umgebaut

Zagreb scheint ein Hort der Kreativität zu sein, an dem die guten Ideen nie ausgehen. Der neuste Einfall der kroatischen Marketing-Virtuosen versetzt die Eishockey-Fans an diesem Wochenende in Verzückung. Die "Bären" empfangen in der historischen Arena von Pula Laibach und die Vienna Capitals zu einem Heimspiel-Doppel vor geschichtsträchtiger Kulisse. "Arena Ice Fever - Pula MMXII" heißt das Ganze offiziell.

Das Amphitheater von Pula wurde vom römischen Kaiser Augustus in den Jahren 2 vor bis 14 nach Christus erbaut, Kaiser Vespasian ließ es dann auf seine heutige Größe erweitern. 23.000 Zuschauer fasste das sechstgrößte Amphitheater der römischen Welt damals. Dass 2000 Jahre später statt Gladiatoren Eishockey-Cracks das Publikum in den altehrwürdigen Mauern unterhalten würden, das hat wohl keiner der Imperatoren erwartet.

Schon seit Wochen wird die Arena auf die Spiele gegen Laibach und die Capitals (Sonntag) vorbereitet. Rund 80 Arbeiter sind damit beschäftigt, das Eis trotz mehr als 25 Grad Außentemperatur zu erhalten.

500.000 Euro Kosten

15.000 Liter Glycol und 30.000 Liter Wasser werden durch 2540 Meter Schlauchleitungen gepumpt, um die Eis-Temperatur von minus zwölf Grad zu halten. Damit die direkte Sonneneinstrahlung die Bemühungen nicht zunichte machen kann, wurde über die Eisfläche eine Spezialfolie gezogen, die normalerweise Raumfahrer vor kosmischer Strahlung schützen soll. Es wurden keine Kosten gescheut, insgesamt soll das Projekt mit rund 500.000 Euro zu Buche schlagen. Finanziert wird dies zum Teil über die Eintrittsgelder, der Rest über private Sponsoren.

Je 7022 Fans können in der Arena live dabei sein, wobei das Match gegen Laibach schon fast ausverkauft ist. Es gibt nur noch rund 100 Restkarten. Für das Duell am Sonntag mit den Vienna Capitals (live auf ServusTV) gibt es noch ungefähr 1000 Tickets für Kurzentschlossene.

Die Steiermark ist in Pula mit zwei Spielern vertreten: Goalie Fabian Weinhandl und Michael Schiechl von den Caps. Bei Weinhandl ist die Vorfreude groß: "Der Trainer hat gesagt, dass ich in Pula Fixstarter bin. Das ist natürlich etwas Besonderes, von einem Spiel in einem Amphitheater habe ich nämlich vorher noch nie gehört. Klar geht es auch um Punkte, aber es ist sicher ein Karrierehöhepunkt. Etwas, was man später einmal mit Stolz erzählen wird, weil man dabei war."

Für Zagreb ist es übrigens nicht das erste Freiluft-Spiel. Die Kroaten müssen im Jänner regelmäßig ins Freie ausweichen, weil in ihrer Halle ein Tennis-Turnier stattfindet. Die Salata-Freiluftarena fasst aber "nur" 4500 Fans.

A. N., M. Q.

Letzte Infos

Bei den 99ers sind vor dem Duell mit dem KAC in Klagenfurt einige Spieler leicht angeschlagen. Ob der eine oder andere geschont wird, entscheidet sich erst kurz vor dem Spiel. Bei den "Rotjacken" fallen Tyler Scofield, Gregor Hager und Herbert Ratz (alle verletzt) sowie Mike Siklenka (gesperrt) aus, trotzdem wird es schwer, denn der KAC bestreitet sein erstes Heimspiel und will sicher die 0:5-Schlappe von Znaim ausbügeln. Den letzten 99ers-Sieg in Klagenfurt gab es am 4. Jänner 2011 (4:3).

2012/13: Freiluft überall

Das Freiluft-Doppel in Pula ist nur ein Höhepunkt, denn in immer mehr Ligen gibt es jetzt Open-Air-Spiele. In Gävle (Schweden) am 8. Dezember, am 1. Jänner 2013 ist das bisher größte NHL-Freiluft-Spiel in Ann Arbor mit über 100.000 Fans geplant. In Deutschland gibt es am 5. Jänner in Nürnberg die Freiluft-Premiere.

2001: Ein Trend beginnt

Während in der Anfangszeit des Eishockeys fast alle Spiele im Freien ausgetragen wurden, folgten Jahrzehnte, in denen nur in Hallen gespielt wurde. Das erste Freiluftspiel der Neuzeit gab es in der US-College-Liga am 6. Oktober 2001 in Michigan vor 74.554 Fans. Seither werden Open-Air-Spiele immer populärer.

2010: Weltrekordspiel(e)

Der Zuschauerrekord für Eishockey-Spiele purzelte 2010 gleich zwei Mal. Erst kamen zum WM-Spiel Deutschland gegen die USA (7. Mai) in die Schalke-Arena 77.803 Zuschauer. Allerdings war das Dach dabei geschlossen. Am 11. Dezember sahen 104.173 Fans in Ann Arbor (USA) unter freiem Himmel das College-Spiel Uni of Michigan gegen Michigan State.

2003: Erstes NHL-Open-Air

Am 22. November 2003 zog auch die NHL nach. Der Klassiker Edmonton gegen Montreal wurde im Football-Stadion von Edmonton vor 57.167 Fans ausgetragen. Es hatte 900.000 Karten-Anfragen gegeben. Beim Spiel war es so kalt, dass Montreal-Goalie Jose Theodore (Bild) mit Haube spielte. Mittlerweile gibt es ein NHL-Open-Air pro Jahr.

2010: Kärntner Derby

Einen heimischen Höhepunkt gab es am 9. Jänner 2010, als in der Wörthersee-Arena das Kärntner Derby KAC gegen Villach stattfand. Der VSV siegte mit 3:1, die 30.500 Zuschauer sind bis heute Liga-Rekord. Für die Tore sorgten übrigens Michael Raffl (2), Roland Kaspitz bzw. Thomas Hundertpfund.

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