Thomas Vanek: Altes Ziel, neuer Weg
Das siebente Jahr bricht für Thomas Vanek am Freitag in der NHL an. Der Stanley Cup ist unverändert das Ziel, nur "der Weg hat sich geändert". Der Steirer im Interview.

Foto © APAThomas Vanek
Thomas Vanek geht am Freitag mit den Buffalo Sabres in seine siebente Saison in der National Hockey League. Seit der Übernahme des Clubs durch den Milliardär Terry Pegula hat sich viel geändert in Buffalo. Vom Kader her schätzt Vanek die Sabres sehr stark ein. Er selbst schlüpft immer mehr in eine Führungsrolle und erwartet von sich, jeden Abend einer der besten Spieler zu sein, verriet er im Gespräch mit der APA -Austria Presse Agentur. Und das Nationalteam ist trotz seiner im Frühjahr geäußerten Kritik "auf alle Fälle" weiter ein Thema.
Sie sind mit Buffalo erstmals in Europa. Wie gefällt Ihnen das?
THOMAS VANEK: Ich finde es super. Ich bin in Zell/See und Graz
aufgewachsen, ich wollte die NHL verfolgen, das konnte ich aber
nicht. Die meisten Spieler hat man durch Spielerkarten gekannt. Wir
haben einmal die Woche 'NHL on the Fly' gesehen, aber das war's.
Jetzt hat man die Chance, sogar Ligaspiele zu sehen. Das ist für Fans
und Kinder optimal.
Nach Berlin sollen 2.000 österreichische Fans kommen. Freut Sie
das persönlich nach so vielen Jahren in Nordamerika?
VANEK: Das ist das Schönste an dem ganzem Trip, dass ich meine
Eltern und meinen Bruder und seine Familie gesehen habe. Aber die
haben die Chance, mich in Buffalo zu sehen. Es gibt viele Fans, die
sonst keine Chance haben, ein NHL-Spiel zu sehen. Für die ist es das
Schönste. Ich hoffe, dass ich für sie am Freitag und Samstag was
machen kann.
In Buffalo hat es viele Veränderungen gegeben, wie sehen Sie
diese Entwicklung?
VANEK: Der größte Unterschied ist, dass er (Anm.: der neue
Eigentümer Terry Pegula) mehr investiert. Er will den Stanley Cup
genauso gewinnen wie wir. Wenn du so einen Boss hast, ist es schön in
die Arbeit zu gehen, in die Eishalle zu kommen. Grundsätzlich ist das
Ziel immer, das Play-off zu schaffen und den Stanley Cup zu gewinnen.
Das Ziel hat sich nicht geändert, nur der Weg dorthin.
Wie hat sich der neue Eigentümer vorgestellt?
VANEK: Er ist gekommen und hat gesagt, dass er seit Jahren Fan ist,
dass er früher Saisonkarten hatte. Und der Hauptgrund, warum er den
Club hat, ist nicht, um Geld zu verdienen, sondern um den Stanley Cup
zu gewinnen. Das ist für einen Spieler das Schönste.
Im Vorjahr ist auch schon das Ziel Stanley Cup ausgegeben
worden. Ist diesmal vielleicht der Glaube daran größer?
VANEK: Nein. Alle sechs Jahre, die ich da bin, habe ich geglaubt,
dass wir eine gute Mannschaft haben. Das Ziel hat sich nicht
geändert, jetzt haben wir vielleicht mehr Möglichkeiten.
Buffalo hat für die Defensive routinierte Spieler geholt, in
der Offensive kommen junge Spieler aus dem eigenen System nach. Wie
schätzen Sie diese Änderungen in der Mannschaft ein?
VANEK: Wenn man die Aufstellung auf dem Papier anschaut, sind wir
sehr stark. Hinten sind wir extrem stark, und mit Miller haben wir
einen der besten, wenn nicht den besten Tormann. Wir sind sehr gut
besetzt. Vorne können wir Tore schießen. Das haben wir schon in den
letzten sechs Jahren gezeigt, da haben wir nicht viel verändern
müssen.
Sie sind mittlerweile lange in Buffalo. Hat sich heuer ihre
Rolle geändert?
VANEK: Vom Spielerischen her nicht, aber rundherum auf alle Fälle.
Schon seit zwei, drei Saisonen. Ich versuche den Jungen Tipps zu
geben, so wie das bei mir in den ersten Jahren Grier und Drury
gemacht haben.
Sie haben in den letzten Testspielen mit Center Luke Adam und
Jason Pominville in einer Linie gespielt. Wird das so bleiben?
VANEK: Am Anfang habe ich mit Roy und Pominville gespielt, dann hat
sich Roy verletzt. Seither spiele ich mit Luke, das hat in der
Vorbereitung ganz gut geklappt. Aber das kann sich nach ein paar
Wechseln ändern.
Haben Sie Präferenzen?
VANEK: Mit Pominville spiele ich seit dem Vorjahr zusammen, wir
verstehen uns gut, wir finden uns. Natürlich brauchst du einen
Mittelstürmer, der dir die Scheibe geben kann. Bei Roy (Anm.:
langjähriger Sturmpartner) weiß ich meist, wo er hinfährt. Mit Luke
ist es noch eine Lernphase. Aber beide sind gut Spieler.
Hatten Sie im Vorjahr durch die Roy-Verletzung eine andere
Rolle im Spiel?
VANEK: Ich war sicher ein bisschen mehr Spielmacher. Ich glaube
noch immer, dass ich ein guter Passer bin, bin aber sicher mehr
Torjäger als Passer. Durch die Roy-Verletzung habe ich die Scheibe
viel mehr bekommen. Das war in den ersten fünf Spielen ein großer
Unterschied für mich, weil ich normalerweise der bin, der die Lücken
sucht und vor das Tor geht. Ich habe mich anpassen und kreativer sein
müssen. Ich kann beide Rollen spielen.
Heuer geht es zurück in die alte Rolle?
VANEK: Es kommt darauf an, mit wem du spielst. Roy ist sehr
kreativ, mit ihm ist es einfach, die Lücke zum Tor zu finden und dass
man dort die Scheibe bekommt. Adam ist ein bisschen jünger, er fährt
selber noch oft zum Tor.
Welches Ziel haben Sie sich persönlich gesetzt?
VANEK: Das Ziel, seit ich mich etabliert habe, ist es, einer der
besten Spieler zu sein. Das traue ich mir zu, das ist nicht
unrealistisch. Nicht nur innerhalb der Mannschaft, sondern in der
gesamten Liga. Ich will jeden Abend einer der Besten sein und der
Mannschaft helfen. Das Ziel ist nicht Tore und Punkte, sondern
Chancen herauszuarbeiten und die Mitspieler besser zu machen. Dann
wirst du auch deine Punkte machen und gewinnen.
Wo haben Sie sich im Vorjahr am besten entwickelt?
VANEK: In der Defensive habe ich viel verbessert gegenüber den
ersten paar Jahren. Ich lese das Spiel hinten besser. Man kann noch
immer besser werden, auch offensiv: Schneller sein, besser passen,
richtige Entscheidungen treffen. Konstanz ist das Wichtigste in der
NHL. Jeden Abend kannst du nicht 100 Prozent sein, aber an Abenden,
an denen du dich nicht so gut fühlst, muss du gescheiter spielen.
Hatten Sie vor der Saison ein Gespräch mit dem Trainer, was er
von Ihnen erwartet?
VANEK: Noch nicht. Ich weiß, was er von mir erwartet, und er weiß
was er von mir bekommt.
Sie haben im Frühjahr mit ihrer Kritik am Nationalteam für
Irritationen gesorgt. Ist das Nationalteam noch ein Thema für Sie?
VANEK: Auf alle Fälle. Ich habe schon damals gesagt, Kritik ist
nichts Schlechtes. Wenn ich ein schlechtes Spiel habe, werde ich auch
kritisiert. Da kann ich auch nicht sagen, es stimmt nicht. Man muss
es annehmen und schauen, dass man besser wird. Ich habe schon
jahrelang gesagt, was in Österreich fehlt, ist der Nachwuchs. Mir
kommt vor, in Österreich sind bis auf ein, zwei Spieler immer die
Gleichen ins Nationalteam eingeladen.
Geht es mit Viveiros als Teamchef in die richtige Richtung?
VANEK: Keine Ahnung. Ich kenne Manny (Viveiros) nur von der Zeit,
als ich mit ihm gespielt habe. Aber das waren nur wenige Wochen. Was
ich damals gelernt habe ist, dass er ein Profi und guter Mensch war.
Er versteht das Eishockey, er hat sicher eine Vision. Sicher hatte
jeder Trainer eine Vision, aber ich weiß nicht, wie viel
Unterstützung er bekommen hat. Alle zwei Jahre war ein anderer da,
hatte neue Visionen, neue Ideen, aber im Endeffekt ist keiner
geblieben. Irgendetwas läuft falsch. Ich glaube, es kann nicht immer
der Trainer sein.













