Österreich trifft auf den rätselhaften Herrn Fukufuji
Japan, Gegner der Österreicher am Donnerstag bei der WM in Tilburg, setzt auf das Kollektiv und einen Tormann, der es als erster Japaner in die NHL schaffte.

Foto © GEPAYutaka Fukufuji
Ein scheues Lächeln, dann ein fragender Blick. Ob man ihn kurz aufhalten dürfe. Weil Japaner nicht "Nein" sagen, obwohl sie es manchmal gerne würden, bleibt Yutaka Fukufuji dann doch stehen, wobei er nicht so recht weiß, wie man sich für ihn interessieren kann.
Doch Herrn Fukufujis Geschichte ist einmalig. So einmalig, dass sie nicht nur sein Heimatland Japan beschäftigte, sondern gleich auch die NHL. Aber der Reihe nach.
Bis zum Jahr 2001 war der junge Tormann eines von vielen hoffnungslosen Talenten, die durch den asiatischen Eishockey-Boom der 90er-Jahre in die Eishallen des Inselstaates gespült wurden. Irgendwann, selbst der Japaner weiß es nicht genau, muss sich wohl ein Beobachter aus Nordamerika eines seiner Spiele angesehen haben. Plötzlich ging es über den großen Teich, Fukufuji durfte sich in der drittklassigen East Coast Hockey League (ECHL) beweisen. Allerdings nur neun Spiele lang, dann wurde die Sehnsucht nach der Heimat zu stark. Doch in Nordamerika hatte man genug gesehen, um den Goalie für den Draft, die "Ziehung" zukünftiger NHL-Spieler, zu berücksichtigen. Und tatsächlich - die Los Angeles Kings nahmen Fukufuji an 238. Stelle in der achten Draft-Runde unter Vertrag. Japan feierte seinen Helden, der als erster in Asien geborene und ausgebildete Spieler den Sprung in die beste Eishockey-Liga der Welt geschafft hatte.
Telefonbuch-Scherz
Doch dann tauchte plötzlich ein weiterer Name auf: Taro Tsujimoto von den Tokyo Katanas, so erinnerten sich die NHL-Archivare, war bereits 1974 im Amateur-Draft von den Buffalo Sabres gezogen worden. Plötzlich war Fukufuji eben "nur" noch der zweite gedraftete Japaner.
Bis sich herausstellte, dass es einen Taro Tsujimoto nie gegeben hatte. Punch Imlach, 1974 General Manager der Sabres und erklärter Gegner des Draft-Systems, hatte den Namen einfach als Scherz dem Telefonbuch von Buffalo entnommen. Der fiktive Tsuijmoto wurde endgültig aus den Archiven gestrichen und Fukufuji bekam seinen gerechten Platz in der Geschichte.
Die schrieb er aber auch eigenhändig - 2007 wurde er als erster Japaner auch tatsächlich in einem NHL-Spiel eingesetzt. Drei weitere folgten. Mehr war nicht drin, über Umwege ging es zu den Tilburg Trappers, den Hausherren am WM-Veranstaltungsort, wo Fukufuji in einem starken japanischen Nationalteam diese Woche den Goalie gibt. Wenn er nicht gerade schweigt und lächelt.













