Pfeifen die Liga nur die "Pfeifen"?
Gellende Pfiffe für ihre Pfiffe. In den Eishallen sorgten einmal mehr auch die Referees für viel Aufregung. Aber wie gut oder wie mies sind Österreichs Eishockey-Schiris wirklich?

Foto © GEPAStart in die Saison
Und der Schiedsrichter selbst . . .
"Natürlich gibt es bei den Schiedsrichtern Unterschiede. Das liegt allerdings auch daran, dass viele erfahrene Schiedsrichter kürzlich gleichzeitig aufgehört haben", sagt Horst Tschebull (29), einer der jüngsten Hauptschiedsrichter in der höchsten Liga des Landes. Den Tor-Videobeweis sieht Tschebull in der derzeitigen Form als Rückschritt: "Die Bilder von Sky waren hilfreicher."
Nicht alles ist im Video-Blickfeld
Seit der laufenden Saison sind sie in allen Eishallen verpflichtend - die Kameras, die über den Toren der Liga schweben. Doch die Geräte werden noch viel zu wenig benutzt, beklagen Vertreter der Klubs. Warum, erklärt Schiri-Boss Martin Labitzke: "Das Problem ist, dass sie mir eine Ansicht von oben zeigen. Ich kann nur sehen, ob der Puck die Linie überquert hat. Die viel häufigere Variante, ein vorhergehendes Foul, sieht man nicht."
Chaotische Regel-Neuerungen
Die neuen Regeln haben auch in der heimischen Liga teils Chaos ausgelöst. Der verbotene Spielerwechsel nach Icing wird von den Teams kaum beachtet. "Da erwarten wir von den Mannschaften auch ein wenig Kooperation, immerhin sollte man sich mit den Regeln seines Sports beschäftigen", sagt Labitzke. Eine weitere Neuerung, bei einem Treffer der Tormann-Maske wird weitergespielt, soll künftig genauer umgesetzt werden.
Check ist nicht gleich Check
Wuchtige Checks gegen den Kopf des Gegners gehören zu den bösesten Fouls. Zahlreiche Gehirnerschütterungen zeugen von den Folgen. Deshalb haben sich die Schiedsrichter neuerlich auf harte Maßnahmen bei "Check gegen Kopf und Nacken" geeinigt: Spieldauer- bzw. Matchstrafen sollen abschrecken. "Bei voller Geschwindigkeit kann der Head oft allerdings nur schwer feststellen, wohin der Check ging", sagt Schiedsrichter Tschebull.
Der Schiedsrichter-Obmann . . .
"Auch für uns Schiedsrichter ist der Ligabetrieb ein ständiger Lernprozess. Deshalb sind wir auch gerade dabei, alle Kollegen noch einmal auf Checks gegen Kopf und Nacken zu sensibilisieren. Es hat heuer einfach schon zu viele Verletzungen gegeben", bekräftigt Schiedsrichter-Obmann Martin Labitzke (59), der eine Lanze für die "Zebras" bricht: "Fehlurteile kommen natürlich vor, aber auch das gehört zum Sport."
Die Schiedsrichter-Legende . . .
Tempo, Niveau und Körperattacken hätten derart zugenommen, dass es oft den Anschein "einer leichten Überforderung" der Referees habe, sagt Karl Korentschnig (57), mit 22 Jahren höchste Liga, 17 WM- und EM-, sowie drei Olympia-Einsätzen eine der Schiri-Legenden. Anliegen von Korentschnig: Vier-Mann-System plus zwei Torrichter, Ausnützen aller Hilfsmittel, vor allem aber "etwas mehr Fingerspitzengefühl".
Schlittschuh-Tor, ja oder nein?
Mit den Schlittschuhen erzielte Tore sorgen immer für Diskussionen bei den Fans, aber auch bei den Schiedsrichtern. Denn: Nur wenn eine aktive "Kick"-Bewegung in Richtung Tor durchgeführt wird, ist der Treffer abzuerkennen. "Sogar wenn ein Spieler den Eisschuh absichtlich so ausrichtet, dass der Puck ins Tor prallt, zählt der Treffer", klärt Tschebull auf.
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Fakten
18 Head-Referees umfasst der Schiedsrichter-Kader der Eishockey-Liga 2009/2010.
Aus Kärnten ist lediglich Horst Tschebull, aus der Steiermark Wolfgang Fussi dabei.
Dazu kommen 14 so genannte Linesmen-"Pärchen" und vier Head-Schiedsrichter nur für die Nationalliga.
Pavel Cervenak (Tschechei) ist mit über 200 Spielen der Rekord-Schiedsrichter in der Erste-Bank-Eishockeyliga.
Eine Lizenz des Internationalen Eishockey-Verbandes (IIHF) haben sechs österreichische Head-Schiedsrichter (u. a. auch Tschebull, Fussi).












