Frust 2.0 - Zustände im Iran werden online dokumentiert
Auf Teherans Straßen braut sich etwas zusammen und das Internet dokumentiert jede Entwicklung schonungslos. Den frustrierten Anhängern Moussavis gibt das Web 2.0 eine Stimme, die man auch außerhalb der Landesgrenzen hören kann.

Foto © youtube.comSzene aus einem Video: Polizei löst Protest gewaltsam auf
Egal ob auf YouTube, Facebook oder Twitter, das junge Volk des Iran trägt seinen Frust über die Wahl Ahmadinedjads in die Straßen der Metropole – und mit Hilfe des Internet rund um die Globus. Eine iranische Studentin, die bis vor einer Woche im Iran als Wahlkampf-Helferin für Moussavi tätig war, ist von Österreich aus über Facebook ständig mit ihren Kollegen und Freunden in Teheran verbunden. Hunderte stellen hier im Minutentakt Fotos und Videos der zahlreichen Demonstrationen in Netz. Tausende sind auf den Straßen Teherans unterwegs. Immer wieder erreichen Meldungen von Verletzten die junge Studentin, auch ein Todesopfer soll es durch das brutale Einschreiten der Polizei bereits gegeben haben. Am späten Abend kursierten noch Meldungen, wonach die Regierung den Internet-Zugang vorerst komplett gesperrt habe und auch die Handy-Nutzung stark eingeschränkt sei.
Quelle © Foto: youtube Iran: Polizei geht auf Demonstranten los
"Hier herrscht jetzt Diktatur" hat ein Iraner über den Kurznachrichten-Dienst Twitter im Internet geschrieben. Andere schreiben von anonymen Anrufen, in denen sie als Aktivisten auf Seiten Moussavis beschimpft und zum Verlassen des Landes aufgefordert werden. Videos auf YouTube zeigen die Nationalgarde und Polizei beim Patrouillieren in den Straßen. Jede Demonstration soll offenbar im Keim erstickt werden. Trotzdem finden Tausende den Weg vor die Machtzentralen des Landes, wo die Stimmen ausgezählt wurden, die so viele für gefälscht halten. Die Unruhe auf den Straßen vergleichen einige mit den Zuständen vor 30 Jahren – zum Zeitpunkt der iranischen Revolution.
In einem Video erzählt ein Mann, wie er gerade fünf Mal gewählt habe. Umgerechnet etwa vier Euro habe er für die wiederholte Stimmabgabe bezahlen müssen. In iranischen Blogs ist die Rede von Zeitungen, die aufgefordert wurden, die Produktion vorerst einzustellen. Immer öfter wird im Internet auch der Ruf laut, der Westen möge die Wahlergebnisse nicht akzeptieren und selbst Untersuchungen einleiten. Rast- und Hoffnungslosigkeit werden in den Kommentaren der zahlreichen Videos greifbar, doch zahlreiche Experten halten den Ausgang der Wahl zugunsten Ahmadinejads nicht für unmöglich, wenngleich er überraschend hoch ausfiel. Doch gerade in den ländlichen Gegenden, wo bittere Armut herrscht und kaum jemand lesen oder schreiben kann, wird Ahmadinejad nahezu vergöttert. Es sind Gegenden, wo vor allem ältere Menschen leben und die Wahlbeteiligung traditionell hoch ist. Gegenden, in denen sich Ahmadinejad schon 2005 den Wahlsieg sicherte. Gegenden, in denen es das Internet auch in einigen Jahren noch nicht geben wird.
Features
Hintergrund
Im Iran entstand bis 2004 eine aktive Blogger-Gemeinschaft, die jedoch von Ahmadinejad schnell ihrer Freiheiten beraubt wurde. Ähnlich erging es auch einigen liberalen Zeitschriften.
Foto

Zahlreiche Fahrzeuge gingen bereits in Flammen aufFoto © shooresh1917.blogspot.com
















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