Ein eiskalter Siegertyp: Wettlauf in der Antarktis
Christian Schiester gewinnt den Wettlauf in der Antarktis in 19:58 Stunden. Den Wetterumschwung hat er auch ohne Überlebensausrüstung überstanden.

Foto © Jürgen SkarwanChristian Schiester hatte Schuhe nmit 14 Millimeter langen Spikes an
Freitag, 7 Uhr morgens Ortszeit, irgendwo in der Antarktis: Christian Schiester liegt auf dem Boden und weiß nicht, ob er lachen oder weinen soll. Er hat das "Antarktis Ultra Race" gewonnen. Nach einem Jahr Vorbereitung mit 10.000 knüppelharten Trainingskilometern. "Es war der längste Tag meines Lebens", sagt Schiester, "und es ist kaum zu beschreiben, was sich hier abgespielt hat. So etwas Schlimmes habe ich noch nie erlebt. Ich kann die Beine nicht mehr heben."
Minus 20 Grad.
19:58 Stunden zuvor: Der Mauterner und 19 weitere Extremläufer starten von der Forschungsstation auf den Patriot Hills: Kein Schneetreiben, kein Sturm, "nur" minus 20 Grad. Zwei Stunden später dann der befürchtete Wetterumschwung. Schiester im O-Ton: "Null Sicht, brutale Sturmböen, du weißt nicht, was du machen sollst. Du kommst nur weiter, weil du musst." Zu diesem Zeitpunkt hat der 40-Jährige die 14 Kilo schwere Überlebensausrüstung längst weggeschmissen. Nach 45 Kilometern ist er Fünfter und der Boden unter den Edelstahlspikes präsentiert sich ständig neu. "Von tiefem Schnee bis zu blauem Eis war alles dabei", berichtet Schiester im Ziel. Als er die Interviews beendet, ist noch immer kein Konkurrent zu sehen.
Kopf entscheidet .
"Jedes Rennen wird im Kopf entschieden", hatte Schiester vor dem Start erklärt und Recht behalten. Als sich der Lauf wegen Schlechtwetters um fünf Tage verzögerte, zehrte das an den Nerven der Konkurrenz. Schiester profitierte: "Ich habe nur das Nötigste geredet, eine geistige Mauer um mich aufgebaut. Mich in mein Schneckenhaus zurückgezogen und bin täglich stärker geworden." Einziger Wermutstropfen: Das ursprüngliche Ziel, den geographischen Südpol, hat auch Schiester nicht gesehen: Dieses musste wegen der Wetterkapriolen verlegt werden.
Features
Christian Schiester
Schiester befand sich bereits seit 9. Dezember in Chile und wartete auf den Abflug ins Basislager.
Der Steirer startete schon beim "Marathon de Sables" (243 km durch die Sahara /12.), dem "Himalaya Stage Race" (162 km /1.) und dem "Jungle Marathon" (202 km/3.) im Amazonasgebiet.
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Laufen mit KälteschutzanzugFoto © Jürgen Skarwan
Training
Seit 24. Oktober 2006 bereitete sich Schiester auf das Antarktis Ultra Race vor, spulte zehntausende Laufkilometer unter widrigsten Bedingungen ab, verbrachte Tage und Nächte in Eishöhlen.
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20 Stunden im ewigen EisFoto © Jürgen Skarwan














