Marion Jones - Vom Glamour-Girl zum Häftling
Häftling Nummer 84868/054 - das ist Ex-Leichtathletik-Star Marion Jones. Wegen Meineides im Zuge von Dopingermittlungen sitzt die Sprinterin für sechs Monate hinter Gittern.

Foto © APHarte Strafe für Marion Jones
Jahrelang sprintete sie allen davon,
doch die schwersten Schritte ihres Lebens ging sie behutsam. Es waren
die letzten Meter in Freiheit für Marion Jones. Die einst schnellste
Frau der Welt trat am Freitag ihre sechsmonatige Haftstrafe an, zu
der sie am 11. Jänner wegen zweimaliger Falschaussage gegenüber
Untersuchungsbehörden verurteilt worden war. Bis voraussichtlich 7.
September wird die US-Amerikanerin im Federal Medical Center Carswell
(FMC) in Fort Worth (US-Bundesstaat Texas) als Häftling 84868/054
geführt und eine von rund 250 weiblichen Insassen sein.
13 Cent pro Stunde. Das einstige Glamour-Girl, dem Amerika nach den fünf Medaillen bei den Olympischen Sommerspielen 2000 in Sydney, darunter drei Goldene, zu Füßen lag, bekommt im Gefängnis keine Sonderbehandlung. Sie wird, wie alle Klein- und Großkriminellen um
sie herum, die grüne Gefängnisuniform tragen, jeden Morgen um 6.00
Uhr aufstehen und sich demnächst für eine Arbeit einschreiben, für
die sie mit 13 Cent pro Stunde entlohnt wird.
Keine Streicheleinheiten. Wenn ihr Ehemann, der ehemalige Sprinter Obadele Thompson, sie mit
ihren beiden Söhnen aus dem knapp 300 Kilometer entfernten Austin
besucht, sind ein Kuss und eine Umarmung zur Begrüßung und zur
Verabschiedung erlaubt, mehr nicht. Kein Händchen halten, keine
Streicheleinheiten. Ihr erster Gang hinter Gittern führte Jones am
Freitag zur Foto-Identifikation. Ein Bild von vorne, ein zweites im
Profil, jeweils mit ihrer Häftlingsnummer. Jones muss hier für ihren jahrelangen Sportbetrug büßen
und ist die erste Sportlerin, die im Zuge des BALCO-Dopingskandals im
Gefängnis endet.
Lügen. Immer wieder hatte sie Doping vehement bestritten und Leuten, die
das Gegenteil behaupteten, mit Millionen-Klagen gedroht. Bis zum 5.
Oktober hielt sie ihrem schlechten Gewissen und dem öffentlichen
Dauerdruck stand, dann brach sie ein und gab zu, bei ihren Aussagen
im November 2003 vor dem BALCO-Untersuchungsausschuss gelogen zu
haben.
Doppelter Meineid. Zudem räumte Jones ein, im Zusammenhang mit einem Scheck-Betrug
gegenüber den Untersuchungsbehörden die Unwahrheit gesagt zu haben.
Jones hatte 2005 behauptet, nichts von einer Verwicklung ihres
ehemaligen Freundes und Vaters des gemeinsamen Sohnes,
Ex-100-Meter-Weltrekordler Tim Montgomery, in einen millionenschweren
Kriminalfall gewusst zu haben. Dieser doppelte Meineid hatte sie nun
hinter Gitter gebracht.
Features
Aberkannt
Der Leichtathletik-Weltverband IAAF hatte Anfang 2008 auch alle WM-Medaillen von Marion Jones kassiert, sie aus allen Ergebnislisten seit dem 1. Oktober 2000 gestrichen und alle Prämien zurückgefordert.
Foto

Jones mit ihren MedaillenFoto © AP
Doping-Sperre
Foto

Jones und ihr Mann nach der UrteilsverkündungFoto © AP
Geständnis
Seit ihrem Geständnis ist die einstige Ausnahmeathletin eine gefallene Dopingsünderin.













