Oberster Dopingjäger gewählt
Der Australier John Fahey (62) wird zum obersten Dopingjäger gewählt.

Foto © APJohn Fahey
Es ging schon harmonischer zu bei Kongressen der Welt-Anti-Doping-Agentur, kurz Wada genannt. Bis Sonntag tagen in Madrid 1500 Delegierte aus aller Welt beim dritten Treffen dieser Art. Für Aufregung sorgte schon im Vorfeld eine anstehende Personalentscheidung, wird doch am Samstag der Nachfolger des bisherigen Wada-Präsidenten Richard Pound gewählt.
Zepter in der Hand. Der Kanadier war seit der Gründung der Agentur 1999 oberster Dopingjäger. Nun sollte mit dem Franzosen Jean-Francois Lamour ein Europäer das Zepter in die Hand nehmen. Doch der 51-Jährige ehemalige Olympiasieger im Säbelfechten von 1984 und 1988 zeigte Mitte Oktober Nerven. Die Lamour-Gegner, vornehmlich aus den USA und Australien, brachten, sich der Unterstützung der Asiaten und Afrikaner sicher, überraschend den früheren australischen Finanzminister John Fahey in Stellung.
Handtuch geworfen. Das wirkte. Lamour, der sich als früherer Fechter eigentlich mit Finten und Stichen auskennen sollte, warf angesichts einer drohenden Niederlage vorzeitig das Handtuch. Ein Schritt, den IOC-Präsident Jacques Rogge bedauerte. "Ich hätte mir von meinem Fechtkollegen gewünscht, dass er den Kampf annimmt. Er wäre eine sehr gute Wahl gewesen."
Enttäuschter Lopatka. Die Europäer wurden also klassisch über den Tisch gezogen. Von Verschwörung will dennoch keiner reden, auch nicht Österreichs Sport-Staatssekretär Reinhold Lopatka, der derzeit in Madrid weilt. Lopatka gibt jedoch zu: "Es war eine fragwürdige Vorgangsweise und eine gegen die europäischen Interessen gerichtete Aktion, die Gräben aufgerissen hat."
Gereizte Stimmung. Wie gereizt die Stimmung ist, beweist die Tatsache, dass für heute sogar eine außerordentliche Sportministerkonferenz anberaumt wurde. Die Europäer, die immerhin 47 Prozent des 23-Millionen-Dollar-Jahresbudgets stellen, dürften sich in der Abstimmung am Samstag der Stimme enthalten.
Inhaltliche Entscheidungen. Abseits der Personaldiskussionen gab es aber auch inhaltliche Entscheidungen - den neuen Wada-Code etwa. So wird künftig bei Doping-Erstvergehen die Mindeststrafe von zwei auf vier Jahre angehoben. Für den Bereich Gen-Doping wird es eine eigene Kommission geben, das Budget der Wada wird jährlich um vier Prozent angehoben und die umstrittene "Ein-Stunden-Regel", die Dopingsündern Manipulationen ermöglicht hätte, ist seit gestern vom Tisch. Lopatka: "Wenn man den neuen Wada-Code anschaut, dann sind wir mit unserem Anti-Dopinggesetz in Österreich topaktuell."
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Fakten
Nach dem Radsport-Skandal um den Festina-Rennstall bei der Tour de France 1998 wurde 1999 in Lausanne die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) mit 38 Mitgliedern gegründet.
Präsident der Wada ist derzeit noch der Kanadier Richard Pound.
Der Welt-Anti-Doping-Code vereint seit 2003 weltweit die Regeln der Doping-Bekämpfung.














