Der Sport ist tot, die Preise sind im Keller
In einer Dreier-Konferenz sprechen die österreichischen Rad-Profis über Vergangenheit und Zukunft - ihrer eigenen und die des Sports.

Foto © GEPABernhard Eisel
Bilanz 2007. Was hat das Jahr für Sie gebracht. Welche persönlichen Höhen hat es gegeben, welche Tiefen?
Bernhard Kohl: Das war schon ein gutes Jahr. Das für mich neue Umfeld bei Gerolsteiner war perfekt. Ich hatte unheimlich viele Freiheiten. Das hat schon bei den Vorbereitungen begonnen, zog sich über die ersten Rennen hin und ging bis zum Saisonhöhepunkt Tour de France. Meine erste Frankreich-Rundfahrt. Ich kann nur sagen: das ist ein anderes Radrennen. Hunderte Medienvetreter, Millionen Zuschauer auf der Straße. Die Berge waren schon heftig, ich wollte immer vorne sein. Vielleicht war es hier und da zuviel des Guten. Die vielen Attacken, die spürt man.
Bernhard Eisel: Aber ich bin ja auch drüber gekommen, war doch nicht so schwer.
Bernhard Kohl(leicht gekränkt): Ja, aber du mit 30 Minuten Rückstand auf jeder Etappe. Zurück zu meiner Tour: Rückblickend muss ich mit meiner Premiere in Frankreich zufrieden sein. Ich habe vieles mitgenommen. Und davon werden ich 2008 sicher profitieren.
Sie waren toll im Fernsehen zu sehen. Am Ende fehlte dann doch die Kraft. Oder geht's gegen gedopte Fahrer nicht besser?
Bernhard Kohl: Ich will das Thema Doping sicher nicht verharmlosen. Aber ich bin es einfach leid, als Radsportler so angefeindet zu werden. Die Radsportler sind doch nicht die Einzigen. Was ist mit der Leichtathletik, mit Marathonläufern: Glaubt ja nicht, dass da alle frei von Schuld sind.
Herr Wrolich, Sie haben Bernhard Kohl durch die Alpen und durch die Pyrenäen geführt. Reicht Ihnen die Rolle als Aufpasser?
Peter Wrolich: Ja, schon. Ich habe zu 100 Prozent erfüllt, was das Team von mir erwartet hat. Mir ist klar, dass ich nie ein Seriensieger war und nie mehr einer werde. Vielleicht halte ich mich aber deshalb so gut im Business. Weil ich weiß, was ich kann und was ich nicht kann. Deshalb kann ich nur dort fahren, wo ich selbst gut ausschaue oder sehr viel für die Mannschaft tun kann. Ich konnte eben nur wenig auf meine eigene Kappe fahren. Im Grunde nur in Hamburg, wo ich dann Neunter geworden bin. Es war keine herausragende Saison, aber eine gute. Ich war doch im Vorjahr während der Tour schon knapp dran, alles hinzuschmeißen, dachte mir: In diesem Sport hat der Paco Wrolich keine Zukunft mehr. Heuer ist alles anders verlaufen. Ich lasse mir den Spaß am Radsport nicht verderben. Egal was links und rechts, vor oder hinter mir passiert. Jetzt bin ich wieder richtig motiviert. Ich lebe vom eigenen Erfolg, aber auch von den Erfolgen des Teams. Radsport ist ein Mannschaftssport. Das mag zwar nicht jeder so sehen, aber das sind dann die, die jedes Jahr das Team wechseln.
Euer Teamsponsor Gerolsteiner macht Ende nächsten Jahres Schluss. Wie geht es weiter?
Peter Wrolich: Ich gehe zu 99 Prozent davon aus, dass es mit dem Team weitergehen wird. Unter einem anderen Namen freilich. Ich glaube sogar, dass wir noch größer werden. Da hat unser Teamchef Holczer schon sehr konstruktive Gespräche geführt. Und ich glaube auch, dass das Team von Deutschland weggeht. Der nächste Sponsor könnte ein internationaler Sponsor werden.
Ist Gerolsteiner wegen der Dopingskandale ausgestiegen?
Peter Wrolich: Nein, nicht wirklich. Der Radsport hat Gerolsteiner populär gemacht. Der In- und Output im Radsport ist unvergleichlich. Das geht mit keiner anderen Sportart. Das Gerolsteiner Mineralwasser war in Deutschland vor dem Radsport-Engagement die Nummer zwei. Jetzt ist es doppelt so groß wie der Rest. Der Werbewert war groß. Die Firma Gerolsteiner ist am Plafond, sie können derzeit nicht eine einzige Flasche mehr verkaufen, sind am Rande ihrer Kapazitäten. Und deswegen wollen sie andere Wege gehen.
Herr Eisel, zufrieden mit 2007?
Bernhard Eisel: Das Jahr hat gut begonnen. Wieder mit einem Etappensieg bei der Algarve-Rundfahrt. Dort kenne ich mich scheinbar schon wirklich gut aus. Vielleicht sollte ich nach Portugal übersiedeln. Dann kam der Gesamtsieg in Amerika. Das war für T-Mobile auf dem großen US-Markt schon sehr wichtig. Die Klassiker zuvor waren schlecht. Da habe ich falsch trainiert.
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