"Ich kann mein Leben heute genießen"
Sport-Legende Thomas Muster feiert am Dienstag 40. Geburtstag und gewährt einen Rück- und einen Vorausblick in seinem Leben.

Foto © GEPAThomas Muster feiert seinen 40. Geburtstag.
Das Daviscup-Team bekam für die Weltgruppe 2008 ein Heimspiel gegen die USA zugelost - welche Erinnerungen werden da bei Ihnen wach?
Thomas Muster: 1990 im Prater-Stadion war die größte Chance für Österreich, jemals in ein Daviscup-Finale zu kommen. Leider hat es nicht gereicht.
Sowohl gegen die USA als auch gegen Deutschland hat Horst Skoff den entscheidenden Punkt "versiebt" - waren Sie ihm deswegen jemals böse?
Muster: Nein. Jeder versucht im Daviscup sein Bestes zu geben. Er hat bestimmt nicht mit Absicht verloren. Es war eben nicht mehr drinnen, er ist jedes Mal nach zwei Sätzen eingegangen.
Wenn Sie die Zeit zurückdrehen könnten, würden Sie wieder eine Tenniskarriere einschlagen?
Muster: Auf jeden Fall, das war für mich schon als kleines Kind klar. Es war aber keine finanzielle Entscheidung, es war eine Berufung.
Was würden Sie heute anders machen?
Muster: Gar nichts. Man ist immer nur so gescheit, was man im Moment weiß. Wenn ich mit dem heutigen Wissen 15 Jahre alt wäre, könnte ich die Dinge anders steuern. Ich würde eher Aufschlag-Volley spielen, weil ich mir dadurch ein paar 100.000 Kilometer Laufen erspart hätte. Aber ich kann mit meinen Erfolgen zufrieden sein, habe nichts versäumt.
Was ist die größte Erkenntnis in Ihrem bisherigen Leben?
Muster: Dass Sport eine unglaublich gute Schule für Disziplin und Ehrlichkeit ist. Und dass man mit Niederlagen umgehen lernen muss. Denn man verliert mehr als man gewinnt. Durch Sport lernt man auch viele Menschen, Länder und Kulturen kennen - das hat man in der Schule nicht. Man hat oft gesagt, ich hätte meine Jugend für den Sport aufgegeben, aber das stimmt nicht. Für mich gab es keine schönere Jugend.
Haben Sie ein Lebensmotto?
Muster: Ich versuche zu den Leuten ehrlich zu sein und den Verstand immer vorne anzustellen.
Der Mensch Thomas Muster - welche Eigenschaften zeichnen Ihn aus?
Muster: Ich bin zielstrebig, geradlinig, ehrlich, zuverlässig.
Gibt's auch Negatives?
Muster: Als Sportler war ich sehr egoistisch. Aber das ist zwangsläufig so, weil sonst kommt man zu nichts. Im Umgang mit Menschen war das nicht immer positiv. Im Pflegen von Freundschaften bin ich auch schlecht, aber es ist schwierig, wenn man viele Menschen kennt und oft weg ist.
Würden Sie sich als Mensch der Extreme bezeichnen?
Muster: Ja, aber als Spitzensportler geht das nicht anders. Sonst gehst du im Training über gewisse Grenzen nicht hinaus. Bei mir heißt es entweder 100 Prozent oder gar nicht. Es gab und gibt viele extreme Geschichten in meinem Leben, aber die machen das Ganze auch erst spannend.
Was waren der bisher größte Fehler und die beste Entscheidung in Ihrem Leben?
Muster: Die beste Entscheidung war, die Karriere als Tennisprofi einzuschlagen. Und das war damals ja nicht so einfach - besonders für die Eltern. Und Fehler? Man muss im Leben viele Entscheidungen fällen - da kann man nicht alles richtig machen.
Features
Thomas Muster
Geboren: 2. Oktober 1967
Wohnort: Graz
Profi von 1985 bis 1999
Sportliche Erfolge: Nummer 1 der Welt (12. Februar 1996), 44 Einzel-Titel (darunter die French Open 1995)
Karriere-Preisgeld: 12,225.910 Millionen Dollar B
Foto

Muster im Gespräch mit Kleine Zeitung Redakteur Alex TaggerFoto © GEPA















