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    Zuletzt aktualisiert: 11.08.2007 um 21:51 Uhr

    Daviscup - das sticht Stich noch immer

    Michael Stich ist einer der Topstars des "s Tennis Masters 2007" in Graz. Im Vorfeld plaudert der Deutsche über Tennis von heute und gestern, Lifestyle und die Seuche Aids.

    Foto © APA

    Das Freizeitangebot ist heutzutage sehr groß - warum sollte ein Kind noch zum Tennisschläger greifen?

    MICHAEL STICH: Weil Tennis eine der schönsten und spannendsten Sportarten ist, die es gibt. Man ist für seinen Erfolg allein verantwortlich und kann seine Grenzen immer wieder neu austesten.

    Ist Ihrer Ansicht nach die Tenniskrise in Mitteleuropa überwunden? Oder gab es gar nie eine?

    STICH: Ich glaube, es hat nie eine Krise gegeben. Das Spiel hat sich ein wenig verändert und die Topspieler kommen auch aus Ländern, die vorher nicht so stark vertreten waren. Die Medien haben Tennis in ihrer Wahrnehmung zurückgestuft und das hat dazu beigetragen, dass Tennis nicht mehr ganz so präsent ist. Aber das geht jeder Sportart so.

    Warum schaffen es Tommy Haas und Nicolas Kiefer nicht, in die Fußstapfen von Ihnen und Boris Becker zu treten?

    STICH: Wir haben Tennis in unserem Land groß gemacht und mit Grand-Slam-Siegen untermauert. Die jetzige Generation spielt sehr gutes Tennis, aber ihnen fehlen die ganz großen Erfolge.

    Thema Erneuerungen: Welche finden Sie gut, welche schlecht?

    STICH: Das Round Robin fand ich von Anfang an schlecht. Ich bin auch kein Freund von Hawk Eye. Die Änderungen im Doppel finde ich gut und ich denke manche Finali sollten vielleicht noch "best of five" sein. Tennis hat wahnsinnig viele Traditionen und man muss nicht alles über Bord werfen. Ich würde zum Beispiel abschaffen, dass der Netzaufschlag wiederholt wird. Einfach weiterspielen ist besser.

    Auch der ATP-Kalender wird 2009 geändert - zum Leidwesen der Turniere in Europa, zum Vorteil der Turniere in Asien. Der richtige Weg?

    STICH: Ich denke, dass eine Überarbeitung notwendig ist, aber alle müssen die gleichen Chancen bekommen. Ich kann nicht einfach Turniere wie Hamburg oder Monte Carlo sterben lassen, weil in Shanghai mehr Geld zu verdienen ist. Aber auch die Turniere müssen sich am wirtschaftlichen Erfolg messen lassen.

    Früher brauchte es nur zwei gute Tennisspieler und das Publikum kam in Scharen, heute scheint ohne zusätzliche Show und Lifestyle nichts mehr zu ziehen . . .

    STICH: Ich glaube, dass es nach wie vor die zwei Spieler sind, die Fans dazu bringen, ins Stadion zu kommen, und nicht die Show. Sie ist Randerscheinung und bringt Abwechslung. Aber ohne Tennis gibt's keine Tennisturniere.

    Der Schrei nach charismatischen Typen will nicht verstummen - wer hat Ihrer Meinung nach derzeit Potenzial dafür?

    STICH: Es gibt Typen. Federer, Nadal, Roddick, Blake, Monfils etc. Das Tennis muss wieder abwechslungsreicher werden.

    Was fällt Ihnen zum Namen Roger Federer ein?

    STICH: Ein begnadeter Tennisspieler und 100-prozentiger Profi!

    Federer gegen Nadal im Vergleich und wer hat die besseren Zukunfstaussichten?

    STICH: Federer ist der komplettere Spieler und Nadal hat mehr Leidenschaft, die er zeigt. Federer ist Nummer 1, Nadal wird es werden.

    Thema Doping: Sind wirklich nur die Radfahrer die Bösen?

    STICH: Es gibt Dopingfälle auch im Tennis, wie wir wissen. Aber ich beschäftige mich damit nicht, da es für mich nie ein Thema war.

    Profitieren Sie heute noch von Ihren einstigen Erfolgen?

    STICH: Schwer zu sagen, aber ich kann mich nicht den Rest meines Lebens auf den einstigen Erfolgen ausruhen.

    Im Vergleich zu Becker ist es um Ihre Person relativ ruhig - ist das von Ihnen so gewollt?

    STICH: Ich war nie jemand, der das Rampenlicht stark gesucht hat. Das wird sich auch nicht ändern.

    Am Donnerstag treffen Sie in Graz auf Thomas Muster. Alles spricht vom legendären Daviscup-Duell 1994 in Unterpremstätten. Ihre Erinnerungen?

    STICH: Es war ein tolles Match gegen einen großen Spieler, das ich leider verloren habe. Die Stimmung war aber das Schlimmste, was ich in einer Daviscup-Patie erlebt habe. Die Menschen waren nicht nur für ihr Team, sondern sie waren gegen uns. Das hat keinen Spaß gemacht. Aber ich freue mich, jetzt wieder nach Graz zu kommen.

    Mit wie viel Ehrgeiz und Training gehen Sie an die Herausforderung Legenden-Tennis heran?

    STICH: Ich will gut spielen und gewinnen. Verliere ich, geht die Welt nicht mehr unter, aber Ehrgeiz ist auf jeden Fall da. Und gegen Tom will ich gewinnen.

    Mit Ihrer Michael-Stich-Stiftung kämpfen Sie gegen Aids - warum ist Ihnen gerade dieses Thema ein so großes Anliegen?

    STICH: Weil es Menschen betrifft, die von unserer Gesellschaft ausgegrenzt werden. Und weil es die größte Seuche sein wird, die die Erde jemals gesehen hat. Ich möchte dazu beitragen, dass wir offener damitumgehen.

    INTERVIEW: ALEX TAGGER


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