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Zuletzt aktualisiert: 02.06.2007 um 22:15 Uhr

Interview mit Ex-Radprofi Peter Luttenberger

Was würde es Peter Luttenberger denn bringen, wenn man ihn nachträglich zum Sieger der Tour de France 1996 erklären würde?

Foto © GEPA

Peter, wenn Sie hier das Bild mit Bjarne Riis, der im gelben Trikot an Ihrem Hinterrad klebt, anschauen - was schießt Ihnen da durch den Kopf, angesichts des umfangreichen Doping-Geständnisses von Riis?
PETER LUTTENBERGER: Der Radsport ist abgebrüht. Es war trotzdem eine schöne Tour. Ein riesiges Spektakel. Für mich bleibt das positive Erlebnis, daran ändern die Schlagzeilen der letzten Tage nichts.

Sie waren damals Fünfter. Die Vier vor Ihnen waren gedopt. Fühlen Sie sich als eine Art imaginärer Tour-Sieger?
LUTTENBERGER: Welchen Wert hätte das? Ich bin nicht im gelben Trikot auf die Champs-Élysées gekommen. Nur das zählt. Es geht um die Emotion, davon lebtst du als Sportler.

Wie oft wurden Sie jetzt schon darauf angesprochen?
LUTTENBERGER: Was hilft's mir? Tour-Sieger bist du auf dem Podium in Paris. Ein Tour-Sieg auf dem grünen Tisch ist emotionslos, unbedeutend.

Wann wurden Sie eigentlich zum ersten mal in einem Interview ganz konkret auf das Thema Doping angesprochen?
LUTTENBERGER: Im Zusammenhang mit dem Festina-Skandal, 1998.

Heute sagt man, die Tour de France 1996 war die EPO-Tour. Weil EPO noch nicht einmal verboten war?
LUTTENBERGER: Aber es ist auch nie zur Sprache gekommen. Es war überhaupt kein Thema. Weder unter uns Fahrern, noch unter den Journalisten.

Vielleicht deshalb, weil man darüber nicht reden wollte?
LUTTENBERGER: Vielleicht. Aber ich war damals neu im Metier, es war erst mein zweites Jahr als Profi. Es hat sicher etwas existiert, aber es wurde eben nichts an die große Glocke gehängt.

Sie hatten bei der Tour 1996 nur einen wirklichen Einbruch, bei der Bergankunft hinauf nach Lourdes-Hautacam. Wissen Sie eigentlich, dass man damals gemunkelt hat, da sei irgendetwas mit Doping schief gelaufen?
LUTTENBERGER: Im Radsport musst du ein Dickhäuter sein, mit solchen Sachen musst Du leben. Wer schnell fährt, hat seine Neider. Dabei sollten solche Einbrüche völlig normal sein, der Körper hat seine Höhen und Tiefen. Auf der anderen Seite: Wenn du die Einbrüche nicht hast, sagen die Leute ja erst recht, der muss gedopt sein. Wie man's macht, ist es falsch.

Haben Sie eine Erklärung, warum sich Bjarne Riis und alle die Stars von damals ausgerechnet heute outen?
LUTTENBERGER: Sie sind alle vom damaligen Telekom-Team und es ist eine Art Flucht nach vorne. Es muss also jemanden geben, der handfeste Beweise hat. Vielleicht ein Video oder so irgendetwas. Mit einem "coming out" versucht man dann alles zu relativieren, versucht, letzte Sympathien zu retten. Ein persönliches Krisenmanagement dieser Leute.

Zwischenfrage: Gibt es eigentlich so etwas wie "Doping-Paparazzi" im Radsport?
LUTTENBERGER: Seit dem Festina-Skandal (1998, Anm.) schon. Wir haben zum Beispiel einmal bei einer Rundfahrt am Stadtrand von Barcelona gewohnt, da haben Fotografen in den Abfallkübeln des Hotels gewühlt.

Bjarne Riis ist heute Teamchef des CSC-Rennstalls. Wie lässt sich das noch vereinbaren?
LUTTENBERGER: Die Glaubwürdigkeit ist nicht mehr diejenige von vorher, keine Frage. Er war der große Held, vor allem für junge Fahrer. An seiner Stelle würde ich an die vorderste Front des Teams jemanden anderen stellen.

Wo sehen Sie denn das "Krebsgeschwür" der ganzen Doping-Problematik?
LUTTENBERGER: Die Tour de France spielt sich als großer Doping-Gegner auf, sucht aber selbst permanent nach neuen Superlativen. Sie lassen keinen Berg aus, am liebsten würden sie auf die Sendemasten auch noch hinauf fahren. Wie soll so etwas ein Sprinter überleben?

GERALD POTOTSCHNIG, GÜNTER SAGMEISTER

Fakten

Peter Luttenberger wurde am 13. Dezember 1972 in Radkersburg geboren. Seit 1995 fuhr er als Profi. Insgesamt dauerte seine Profikarriere zwölf Jahre. Im Februar 2007 gab Lutten-
berger seinen Rücktritt bekannt. Sein größter Erfolg war der fünfte Gesamtrang bei der Tour de France 1996.

Foto

Foto © GEPA

LuttenbergerFoto © GEPA

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