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Graz

Eva Maria Gradwohl macht die Nacht zum Tag

Eva Maria Gradwohl taucht für Olympia in eine Parallelwelt ein, um sich an die Zeitumstellung zu gewöhnen: Trainiert wird mitten in der Nacht.

© GEPA
 
Es ist Nacht am Stubenbergsee. Tiefste, dunkelste Nacht. Knapp vor zwei Uhr. Nur ein paar Lichter spiegeln sich im Wasser. Wenn man an den verschlossenen Kassa-Häuschen vorbei fährt und sich vorsichtig bis zum See vor wagt, fühlt man sich ein bisschen wie ein Detektiv, ein bisschen wie ein Verbrecher. Ein Geräusch. Ist da jemand? Ah nein, es war nur ein Frosch. Also weiter.

Ihre Welt heißt Peking. Plötzlich gehen die Lichter an auf dem 2,7 Kilometer langen Weg rund um den See. Knapp vor drei Uhr früh fährt die Hauptperson dieser Nacht vor. Für sie ist es genau so finster, aber es ist Vormittag. Eva Maria Gradwohl hat um zwei Uhr früh ihr Frühstück eingenommen. Sie ist in eine zeitliche Parallelwelt eingetaucht. Ihre Welt heißt Peking.

Olympischer Marathon. Am 17. August wird sie dort den olympischen Marathon bestreiten. "Wegen der schlechten Luft in Peking habe ich mich entschlossen, erst kurz vor dem Wettbewerb hinüber zu fliegen. Ich ziehe die gute steirische Luft vor. Aber ich muss die Zeitumstellung simulieren", sagt die 34-jährige Oststeirerin.

13 Runden rund um den See. In dieser Nacht steht Gradwohls letzte lange Einheit auf dem Programm: 13 Runden rund um den See. Das sind 35,1 Kilometer. Unermüdlich und viel zu schnell, um sie laufend zu begleiten, spult sie ihre Runden ab. Am Oststrand wartet das ORF-Fernsehteam, um mystisch-düstere Aufnahmen zu machen. Ihr Lebensgefährte Walter Mayer begleitet Gradwohl mit dem Rad. Er reicht ihr ab und zu etwas zu trinken. Sieben Runden sind absolviert, langsam wird es hell. "Es ist wunderschön, in den Sonnenaufgang hinein zu laufen", sollte Eva später sagen. Ein bisschen erinnert die Stimmung an den 24-Stunden-Lauf in Wörschach, wenn es nach der langen kalten Nacht wieder freundlich wird.

Zeit zum Heimfahren. Noch vor fünf Uhr früh hat Gradwohl ihre Runden abgeschlossen. "Zeit zum Heimfahren. Um sieben Uhr gibt's Mittagessen", sagt Eva. Danach muss sie sich krampfhaft wach halten. Um 15 Uhr wird das Haus verdunkelt. Schlafenszeit. Und um ein Uhr nachts wartet wieder das Frühstück. Die Laufeinheiten am See werden in den nächsten Tagen "knackiger" sein, damit Gradwohl am 17. August beim Marathon hellwach und schnell ist.
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