Die Olympia-Hochzeit mit London
139 Tage sind es noch bis zur Eröffnung der Sommerspiele in London. Für Österreich gibt es auch für Plan B bereits Gold.

Foto © APADas Trinity-House wird bei Olympia in London zum Österreich-Haus
London hat noch keine Zeit für Olympia. Hektik, wie immer halt in dieser Metropole. Da hat noch niemand die Stadt mit Olympia-Fähnchen oder den fünf Ringen verkleidet. Wären da nicht ein paar (Coca-)Cola-Transparente und würde man nicht an der einen oder anderen Olympia-Stätte vorbeistauen, würde wirklich niemand glauben, dass hier schon bald die größten Spiele aller Zeiten stattfinden sollen.
21.000 Journalisten, doppelt so viele wie in Peking, mehr als 10.500 Sportlerinnen und Sportler, 23.000 Sicherheitskräfte, neun Milliarden Euro teuer. Aber vielleicht wollen die Briten ja auch nur die Maskottchen Wenlock und Mandeville lange genug vor der Weltöffentlichkeit verbergen - wer auch immer auf die Idee gekommen ist, aus zwei Tropfen geschmolzenen Stahls Fantasiefiguren zu kreieren, glaubt auch, dass die Themse kristallklares Trinkwasser führt.
139 Tage also noch, bis Olympia und auch das Österreich-Haus in London eröffnet werden, in dem Österreich sich feiern wird. Medaillen werden es nicht viele werden. Aber Österreich hat einen Plan B. So weit ist die britische Insel schließlich auch nicht entfernt und touristisch gibt es Spielraum nach oben. Also preisen wir neben dem Sport auch noch andere rot-weiß-rote Tugenden. Am Beispiel Österreich-Haus.
Peter Mennel, der ÖOC-Generalsekretär, hat das Trinity-House gleich neben der Tower-Bridge und einer der meist frequentierten U-Bahn-Stationen Londons als Traum-Quartier auserkoren. Ein uraltes Schmuckstück, das zu einer royalen Stiftung mit dem Vorsitz von Prinzessin Anne gehört. Aber wie reserviert man so ein edles Stück? Testanruf einer Sekretärin von Peter Mennel. Was würden denn eine Hochzeit in diesen Räumlichkeiten kosten? 7500 Pfund, hieß es. Puh. Als Mennel dann mit Captain Ian McNaught, dem Chef des Trinity-Hauses, über den Tagespreis während Olympia sprach, hieß es zuerst: 16.500 Pfund. Pro Tag. Am Ende der Verhandlungen waren es 9500 Pfund. Pro Tag. Also rund 300.000 Euro für 25 Tage. Ian McNaught, der während der Operation Desert Storm auf einem britischen Kriegsschiff im Einsatz war, hat außerdem versprochen sich dafür einzusetzen, dass Österreich bei den Spielen königlichen Besuch erhalten wird. Und so wird das Trinity-House während der Spiele zum schönsten Österreich-Haus der olympischen Geschichte.
Wobei: das schönste Österreich-Haus in London gibt es bereits - und zwar die österreichische Botschaft. Vor der Westminster-Abbey rechts, dann links - und da ist das Prachtstück, das zum Glück nicht dem politischen Sparkurs weichen musste. Okay, ein Blick auf die Türklingel wirkt vielleicht etwas dekadent. Oberster Knopf: Main Door. Darunter: Private. Darunter: Butler. Darunter. Driver. Darunter: ein leeres Türschild. Darunter: Housekeeper.
Botschafter Emil Brix ist der Hausherr. Rechts ist die "High Commission of Brunei Darussalam" beheimatet, links "The Royal College of Psychiatrists". Für die Ölgemälde von Kaiserin Sissi, Kaiser Franz oder Fürst Metternich hätte es kaum bessere und schönere Räume geben können. Auch hier, sagt Emil Brix, könnte es die eine oder andere olympische Feierlichkeit geben. Schon Plan B ist Olympisches Gold wert.













