Superstar Gebrselassie von Wien begeistert
In 60:18 Minuten und damit der schnellsten je in Österreich erzielten Halbmarathonzeit hat Äthiopiens Wunderläufer Haile Gebrselassie am Sonntag das "Catch me if you can"-Rennen im Rahmen des Vienna City Marathons gewonnen.

Foto © APHaile Gebrselassie läuft allen davon
Der zweifache Olympiasieger über 10.000 Meter genoss die Stimmung in Wien mit jedem Schritt und kündigte auch gleich einen möglichen Marathonstart an. "Ich kenne nur die erste Hälfte, aber das war von der Strecke her überhaupt nicht hart. Ich halte hier im Marathon eine Zeit von 2:05 Stunden für möglich", sagte Gebrselassie. Gebrselassie war am Sonntag um 9.00 Uhr früh bei strahlend schönem Wetter und acht Grad vor der Reichsbrücke gemeinsam mit zehn ausgewählten Athleten zwei Minuten hinter dem Elitefeld gestartet, als einziger hielt Österreichs 1.500-Meter-Hoffnung Andreas Vojta auf den ersten zwei Kilometern mit. "Zuerst hat er wohl etwas aufgewärmt, dann wurde der schneller. Es war ein Wahnsinn, mit ihm zu laufen", sagte Vojta später zu diesem speziellen Erlebnis.
Ab dem Praterstern war der Äthiopier alleine unterwegs gewesen, er bestritt das Rennen ohne Tempomacher. Der Marathon-Weltrekordler war es flott angegangen, die ersten fünf Kilometer hatte er in 14:11 Minuten zurückgelegt. An den Füßen trug er übrigens Schuhe, auf denen die Zeiten seiner 27 Weltrekorde aufgedruckt waren. Auch beim Einholen der Marathon-Eliteläufer ließ Gebrselassie nicht von seiner Pace ab, auf Kilometer zwölf hatte er die große Spitzengruppe eingeholt und unter dem Jubel der vielen Zuschauer auf der Linken Wienzeile in Höhe Naschmarkt links überholt und sofort auch hinter sich gelassen. Bei Kilometer 15 ging Gebrselassie in 42:50 durch, die errechnete Endzeit lag damit unter einer Stunde. Dass es schließlich nicht ganz gereicht hatte, nahm er nicht tragisch. "Es wäre etwas schneller gegangen, aber eine Stunde ist für einen Marathonläufer gut genug."
Gebrselassie wird am Montag 38 Jahre alt, die Feier zieht er aber vor. "Mein Geburtstag ist heute. Was kann man mehr erwarten als so etwas? Ich bin sehr glücklich", erklärte der Afrikaner. Außerdem feiere er nur runde Geburtstage oder besondere Anlässe. "Wie Olympia-Gold", meinte er schmunzelnd. Bei den Sommerspielen 2012 in London strebt der Ausnahmeathlet seine dritte Goldmedaille an. Dafür muss er sich zuerst aber qualifizieren. "Für das Rennen heute war ich sehr gut in Form. Für einen Marathon war ich noch nicht bereit." Sein nächstes Rennen wird im Mai der 10-Kilometer-Lauf in Birmingham sein, danach wird er entscheiden, wo er im Herbst Marathon laufen wird. "Auch Berlin ist möglich", erzählte Gebrselassie, der sich auch in Österreichs Rekordbücher eintrug. Seit 15. März 2009 in Wien war die zuvor schnellste Halbmarathonzeit auf rot-weiß-rotem Boden vom Marokkaner Mohamed El-Hachimi mit 60:53 Minuten gehalten worden.
Für Wien fand Gebrselassie nur freundliche bis euphorische Töne. Die Zuschauer hätten ihn so angetrieben, dass er es schneller angegangen sei als geplant, erst bei Kilometer 15 bis 17 hätte er die Marathon-Elite einholen wollen. Dass er dies überhaupt schaffen wird, daran hatte er keine Sekunde gezweifelt. Ansonsten hätten ja alle gesagt, "Haile Gebrselassie ist kaputt", benützte er deutsche Worte. In Wien zu laufen, sei wundervoll gewesen, vor allem die Passage bei der Oper mit den vielen Zuschauern hob er hervor. Wien hat Gebrselassie überrascht. Die Strecke gilt nicht unbedingt als eine der schnellsten, Gebrselassie hatte zudem gehört, dass es aufgrund der Steigungen hart sei. Dies habe er überhaupt nicht so empfunden, auch der Asphalt habe ihm gefallen. Deshalb hält er es auch "absolut" für möglich, für die 42,195 Kilometer zurückzukehren. Das erste lange Rennen nach seiner Aufgabe beim Marathon in New York und dem verletzungsbedingten Verzicht auf Tokio war für Gebrselassie ein Comeback gewesen, er habe zeigen wollen, dass er zurück ist, das sei ihm gelungen.
















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