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Zuletzt aktualisiert: 07.05.2010 um 19:43 UhrKommentare

"Jetzt ist die Justiz am Zug"

"Grauslichkeiten" und noch viele andere Ungereimtheiten: Die Wahrheit über den "Selbstbedienungsladen ÖOC" kommt ans Licht. Und nicht nur Präsident Stoss ist erschüttert.

Karl Stoss ist erschüttert

Foto © GEPAKarl Stoss ist erschüttert

Spaßfaktor? Den hatte die Funktion, die Karl Stoss übernommen hat, für den Präsidenten des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC) ohnehin nie. "Ich habe das von Beginn an als eine schöne, aber sehr ernsthafte und herausfordernde Aufgabe gesehen. Erkenntnisse wie diese trüben natürlich diese Freude." Erkenntnisse wie diese, damit meint der Casino-General den Bericht der von ihm eingesetzten unabhängigen Untersuchungskommission, die sich in der Buchhaltung des ÖOC auf Spurensuche begeben hat. Und dabei im überprüften Zeitraum (Jänner 2003 bis Frühjahr 2009) 4,64 Millionen Euro gefunden hat, für die "Erklärungsbedarf" besteht, wie es ein Mitglied der Kommission ausdrückte. Stoss nannte es "Grauslichkeiten genug" (siehe unten). "Ich bin wirklich erschüttert, ich bin wütend auf das, was passiert ist."

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Foto © GEPA

Unter Verdacht: Ex-General Heinz JungwirthFoto © GEPA

Der Bericht, der einzig Stoss in voller Länge vorliegt, wurde an die Staatsanwaltschaft Salzburg übergeben. "Jetzt ist die Justiz am Zug", sagte Stoss, der keine Namen nennen wollte, aber anmerkte, dass man alle Personen, die in bereits gezogene Konsequenzen involviert sind, dazurechnen könne (siehe unten). Und Stoss stellt klar, dass sich das ÖOC etwaigen Klagen auch anschließen wird, um "jeden Cent zurückzufordern".

Lehre für die Zukunft

Und auch für die Zukunft hat Stoss bereits vorgebaut: "Wir haben das Rechnungswesen in professionelle Hände ausgelagert, haben zusätzliche Kontrollmechanismen installiert und erarbeiten einen eigenen Corporate Governence Kodex (eine Unternehmensverfassung, Anm.) sowie interne Richtlinien. Wir haben alles getan, um sichere Rahmenbedingungen zu schaffen."

Diese Rahmenbedingungen sind für Stoss der einzige Weg, das verlorene Vertrauen wieder aufzubauen. Für die Image-Politur hat er keine Wunder parat, aber doch ein klares Rezept. Er will "durch klare, transparente Richtlinien und durch persönlichen Einsatz, um das Vertrauen von Partnern und Sponsoren wieder zu stärken", den Ruf wieder herstellen. Vor allem und nicht zuletzt sollen aber die Leistungen der Sportler wieder in den Fokus rücken.

Dass diese Korrektur nicht von heute auf morgen geht und wohl ebenso lange dauern wird wie die Aufarbeitung der Affäre vor Gericht, ist Stoss klar. "Aber", sagte er voller Überzeugung, "mit vereinten Kräften werden wir es schaffen."

MICHAEL SCHUEN, ACHIM SCHNEYDER

Zumindest zwei Personen sind verdächtigt

Auf dem untersuchten geheimen Verrechnungskonto des ÖOC waren mehrere Personen zeichnungsberechtigt, zwei stehen im Fokus: Ex-Generalsekretär Heinz Jungwirth, der im Februar 2009 das ÖOC verließ, sowie seine ehemalige Stellvertreterin Manuela Kovarik, im März 2010 fristlos entlassen. Stoss: "Die Unterschriften dieser beiden genannten Personen scheinen auf allen Transaktionen auf." Für beide gilt die Unschuldsvermutung. Stoss will ebenfalls prüfen, ob frühere Kassiere bzw. Rechnungsprüfer des ÖOC haftbar gemacht werden können. Übrigens: In den bisherigen Erhebungen schienen weder eine Unterschrift noch Transaktionen von bzw. an Ex-Präsident Leo Wallner auf.

Geheimes Konto und Sparbuch

Auf dem zusätzlichen, abseits der offiziellen Gebarung geheim geführten Verrechnungskonto gab es Einnahmen von 3.243.560,33 und Ausgaben von 1.840.039,76 Euro, über 1,6 Millionen Euro wurden bar behoben. Ein Sparbuch wies Eingänge von 5.483.570,38 Euro und Ausgaben von 5.568.730,40 Euro auf. Jungwirth: "Die Ergebnisse der Kommission sind Privatmeinung. Wir sprechen aber gerne mit der Staatsanwaltschaft."

Rasentraktor und Fußbodenheizung

Der Bericht der Kommission offenbarte auch Details, wofür Gelder vom geheimen Verrechnungskonto verwendet wurden. Beispiele: ein Rasentraktor, Reparaturarbeiten für eine Fußbodenheizung (Stoss: "Da stellt sich mir die Frage, wo eine ist."), Feintuning für einen Porsche, Werkzeuge wie Bohrer, ein VW-Bus mit Luxusausführung, eine automatische Schiebetür, Zuwendungen für Reittrainer, private Reitvereine oder die Freiwillige Feuerwehr . . .

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