Mennel zu ÖOC-Tätigkeit: "Man benötigt keinen Fallschirm"
Er fliegt Hubschrauber-Wettkämpfe, ist Fallschirmspringer, war im Paraschi-Sport erfolgreich und bestieg als höchsten Berg den 8.201 m hohen Cho-Oyu ohne zusätzlichen Sauerstoff.

Foto © APA
Vor allem aber besitzt Peter Mennel "hohe Managementfähigkeiten, die dringend benötigt werden", sagte Karl Stoss, der Präsident des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC) am Mittwoch über den Vorstands-Vorsitzenden der Sparkasse Bregenz, der am 1. Juni das ÖOC als neuer Generalsekretär führen wird. Der 54-jährige Vorarlberger ist mit der ehemaligen Schiläuferin Martina Ellmer (WM-Achte 1978 in Garmisch-Partenkirchen in der Abfahrt) verheiratet und Vater zweier studierender Töchter. Nach 30 Jahre im Bankwesen fällte er laut eigenen Angaben vor einem dreiviertel Jahr die Entscheidung, noch einmal etwas anderes zu tun. "Ich dachte zuerst in eine andere Richtung, aber dann las ich im Dezember das Inserat (des ÖOC/Anm.), und das hat mich interessiert. Es ist die Erfüllung eines Jugendtraumes, in der olympische Bewegung einen Beitrag leisten zu können. Es ist eine große Ehre, diese Funktion auszuüben."
Fliegerei
Den Einstieg in das ÖOC stellt er sich "nicht so schwierig vor". "Ich habe viele Freunde, die Olympiasieger sind, von Toni Innauer angefangen bis Patrick Ortlieb oder Egon Zimmermann. Ich war selbst sehr lange und erfolgreich im Spitzensport, nicht im olympischen, aber in der Fliegerei. Und ich habe vom kleinen Schiverein bis zum großen ÖSV einiges an Funktionärstätigkeit erlebt und auch international im Luftsportverband Erfahrung sammeln können. Ich glaube, dass ich damit gut gerüstet bin", freut sich Mennel auf die Aufgabe im Zeichen der Fünf Ringe.
Mit der Aufdeckung von finanziellen Ungereimtheiten und einem Geheimkonto wurde auch das wirtschaftliche Image des ÖOC beschädigt. Mennel will deshalb aktiv und offen auf Sponsoren zugehen und Sicherheit vermitteln, dass ab nun alle Gelder auch entsprechend dem olympischen Gedanken verwendet werden. Ob er bei dem Job den Fallschirm ziehen wird müssen? "Es gibt eine gewisse Art der Vergangenheitsbewältigung, das sind Herausforderungen, die wir sicher in der Zukunft auch beachten müssen. Ich bin dazu da, die Zukunft zu gestalten und ein Mensch, der optimistisch in die Zukunft blickt. Ich denke aber, man benötigt keinen Fallschirm." Mennel kennt die derzeitigen Mitarbeiter des ÖOC noch nicht, er werde persönliche Gespräche führen und sich einen Überblick verschaffen und dann Entscheidungen treffen und Weichen stellen. Als Vizepräsident der Vorarlberger Schiverbandes ist er dort für die Nachwuchsarbeit zuständig. "Das ist auch ein Liebkind von unserem Präsidenten. Aber ich sehe mich nicht als Mann des Peter Schröcksnadel, sondern als Mann des Österreichischen Olympischen Komitees."
Überraschung
Es war spekuliert worden, dass ÖSV-Präsident und ÖOC-Vizepräsident Schröcksnadel einen hochrangigen ÖSV-Mann auf den Posten des ÖOC-Generalsekretärs hieven hätte wollen. Peter Mennel ist Finanzreferent im ÖSV, war der Sport-Öffentlichkeit bisher aber wenig bekannt und darf als ÖOC-Generalsekretär eher als Überraschung gewertet werden. Die Olympischen Spiele in Kanada hat Mennel hauptsächlich in der Früh auf dem Ergometer sitzend via Fernsehen verfolgt. "Ich habe mir möglichst viel angeschaut und war von vielen Dingen begeistert. Ich dachte immer, Curling ist wie Kegeln oder Eisstockschießen. Es hat mich fasziniert, wie strategisch es ist." Angetan sei er auch von Schi Cross gewesen, mit dem er sich vorher nicht so beschäftigt habe.
Der gebürtige Bregenzer, der nach Wien übersiedeln wird, blickt auf "sehr erfolgreiche berufliche Jahre" zurück. Als er die Sparkasse Bregenz übernommen habe, sei sie ein Sanierungsfall gewesen. "Sie war mehr oder weniger pleite. Es war eine Herausforderung. Trotz allem ist es mir gelungen, auch meine sportlichen Tätigkeiten erfolgreich umzusetzen. Alles unter einen Hut zu bringen, braucht ein relativ gutes Organisationstalent."














