Causa Kohl: Vielen Fragen, nur wenige Antworten
Radprofi Bernhard Kohl (26) wegen Dopings zwei Jahre gesperrt. Das ist die Höchststrafe. Weil Kohl das Netzwerk nicht entwirrt hat.

Foto © APDie Causa Bernhard Kohl ist auch nach der Aussage des "Kronzeugen" nicht aufgeklärt
Bernhard Kohl dürfte im Vorfeld der Verhandlung am Montag noch tiefer ins Dilemma geraten sein, als er es ohnehin schon war. Denn laut einer Agenturmeldung vom Sonntag habe Kohl "schon im März oder April von Doping gesprochen", sein Manager Stefan Matschiner habe "ihm davon abgeraten". Matschiner dementierte umgehend, sprach von "im Mund verdrehten Worten".
Positive A-Probe
Kohl wurde bei der Tour de France 08 bei einer nachträglichen Untersuchung von zwei Proben des Dopings mit EPO-Cera überführt.
Kurzer Prozess.
Ab 9 Uhr saß Bernhard Kohl vor der Rechtskommission der Anti-Doping-Agentur (Nada). Nach etwas mehr als zweieinhalb Stunden war der ganze Zinober bereits vorüber. Nach einer weiteren halben Stunde hatte das fünfköpfige Gremium unter Vorsitz des Juristen Gernot Schaar bereits sein Urteil gefällt.
Sperre.
Bernhard Kohl, bis Mitte Oktober vermeintlicher Gesamtdritter und Bergkönig der heurigen Tour de France, wurde wegen seiner Dopingvergehen während der Tour - bei zwei Tests von Kohl wurde nachträglich das EPO-Derivat "Cera" herausgefiltert - rückwirkend mit 3. Juli für zwei Jahre gesperrt. Die derzeit vorgesehene Höchststrafe.
Doping
Keine Namen.
"Er hat uns keinen Namen genannt, wer die Hintermänner sind", erklärte der Kommissions-Vorsitzende Schaar. Bei seinem tränenerstickten Dopinggeständnis vor sechs Wochen hatte Kohl noch angekündigt, vollständig auspacken und Drahtzieher nennen zu wollen. Warum er dies gestern nicht tat? "Da sage ich nichts dazu", blockte Kohl ab.
Eventuelle Strafminderung.
Hätte Kohl Namen von Hintermännern genannt oder Dopingpraktiken entsprechend umfangreich erläutert, hätte er nach der geltenden Kronzeugen-Regelung eventuell eine Strafminderung erreichen können. Der mit österreichischer Lizenz fahrende Radprofi Jörg Jaksche z. B. hat von Gernot Schaar, damals noch dem Anti-Doping-Ausschuss des Radverbandes ÖRV vorsitzend, aus diesem Grund nur eine einjährige Sperre ausgefasst.
Im "Fall Kohl" wird die Nada das Protokoll der Einvernahme an die Staatsanwaltschaft weiterleiten. "Kohl hat Informationen erteilt, die bei entsprechender Recherche dazu führen könnten, Namen zu ermitteln", so Schaar. Dies sei jedoch nicht Aufgabe seiner Kommission.
Langes Gesicht.
Bernhard Kohl zeigte sich "enttäuscht", weil es "in die falsche Richtung" weise. "Denn ich habe die gleiche Strafe bekommen, wie jemand, der leugnet". Über einen Einspruch will Kohl erst nach Erhalt der schriftlichen Begründung entscheiden. Sein umstrittener Manager Stefan Matschiner saß gestern bereits im Flugzeug zum Urlaub in Kenia.
Features
Fakten
Die Nada ist die Nationale Anti-Doping-Agentur" Österreichs und arbeitet seit 1. Juli 2007 als Nachfolger des Anti-Doping- Komitees (ÖADC).
Der Rechtskommission der Nada steht der Anwalt Gernot Schaar vor, er war früher Leiter des Anti-Dopingausschusses im Radsportverband ÖRV.
Fünf Mitglieder sitzen in der Rechtskommission. Die Hälfte plus Vorsitzender müssen für eine Beschlussfähigkeit anwesend sein.
















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