Kohl outet sich als Dopingsünder
Der unter Dopingverdacht stehende österreichische Radprofi Bernhard Kohl gab gegenüber orf.at die Verwendung von CERA zu.

Foto © APABernhard Kohl wird sich am Donnerstag erstmals öffentlich äußern
Einen Rat hat Bernhard Kohl von vielen Seiten bekommen. Auch von seinem ehemaligen Kärntner Teamkollegen Peter Wrolich: "Wenn du nicht zu hundert Prozent deine Unschuld beweisen kannst, dann gestehe. Gestehe die Beweggründe. Beleuchte die Hintergründe. Das habe ich Bernhard auch am Telefon gesagt", so Wrolich. Das sei die einzige Chance. Und das hat Bernhard Kohl am Mittwochabend gegenüber orf.at getan. "Ich bin der Versuchung erlegen, weil der auf mir lastende Erfolgsdruck unglaublich groß geworden ist. Ich bin nur ein Mensch und wie viele Menschen in einer Ausnahmesituation schwach geworden", gestand Bernhard Kohl sein Dopingvergehen bei der Tour de France. Der Sensationsdritte gab zu, das Blutdopingmittel CERA verwendet zu haben.
Hintergrund
Hintermänner. Kohl sprach von erstmaligem Dopingmissbrauch. Schon des Öfteren sei er auf unlautere Mittel angesprochen, diese ihm angeboten worden, aber zum ersten Mal habe er davon tatsächlich Gebrauch gemacht.
Die mentale Belastung seit Bekanntwerden der Nachweisbarkeit von CERA sei für ihn unerträglich geworden. "Ich will nun endlich wieder der Bernhard Kohl sein, der ich davor war, als den mich meine Freunde und Fans kennen", beteuerte der Wolkersdorfer. Die Hintermänner wolle er noch nicht nennen. "Ich werde sie zur gegebenen Zeit bekanntgeben."
In der Kritik. Das Resultat aus Frankreich (in den Blutproben wurde die verbotene Substanz CERA nachgewiesen) hat Bernhard Kohl am Mittwoch von Andreas Schwab, Geschäftsführer der österreichischen Anti-Doping-Agentur (NADA), bekommen. Neben Kohl ist auch Matschiner ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Er hat Kontakte zu Walter Mayer oder Susanne Pumper, "sein" Athlet Simon Vroemen, 3000-m-Hindernis-Europarekordler, ist positiv getestet worden. Er war auch auf Einladung von Walter Mayer damals in Turin. An Kohl hält er fest. "Er ist mein Freund, aber er lege für niemanden die Hand ins Feuer."
Unabsehbare Folgen. Das Team Gerolsteiner hat am Mittwoch den Betrieb eingestellt, das letzte Rennen, die Lombardei-Rundfahrt am Sonntag, wird nicht mehr bestritten. Teamchef Holczer hat sich zurückgezogen. Er will vom Radsport nichts mehr wissen, "ich bin der kriminellen Seite des Sports erlegen", so der Deutsche.
Peter Wrolich hat vor wenigen Wochen bei Milram, dem einzig verbliebenen deutschen Rennstall, einen Vertrag unterschrieben. "Zum Glück, ich glaube nicht, dass er jetzt zustande gekommen wäre", weiß "Paco". Milram hat einen Vertrag bis Ende 2010, die Nordmilch AG überlegt dennoch Ausstiegsszenarien.
Nie auf der Liste. "Wir haben Strategien für alle Fälle", sagte Marketing-Vorstand Martin Mischel. Das 2006 gegründete Team nahm sechs Fahrer von Gerolsteiner unter Vertrag, die Dopingsünder Kohl und Schumacher standen nie auf der Wunschliste. Milram hat auch den Anti-Doping-Experten Rasmus Damsgaard engagiert. Der selbst die Fahrer kontrolliert, "den aber auch wir konsultieren können," erklärt Wrolich.
Features
Fotoserien
Kollegen & Experten
Sperre
Radsportlern drohen ab dem Jahr 2009 für "vorsätzliches Doping" Sperren von vier Jahren.
Pat McQuaid erklärte, dass seiner Einschätzung nach auch Bernhard Kohl und Stefan Schumacher in diese Kategorie fallen würden. "Das würde wohl als vor-

















-Anzeigen
