Handball: Es geht ein Ruck durch die Köpfe
Warum Handball-Export Viktor Szilagyi (29) von einer erfolgreichen Heim-EM 2010 überzeugt ist.

Foto © GEPAViktor Szilagyi
Viktor Szilagyi rufen sie in Deutschland "Figo". Er mag Portugals einst brillantem Fußball-Altstar tatsächlich ähnlich schauen. Allerdings ist Szilagyi nicht Fuß-, sondern Handballer. Einen guten Kopf größer als Figo. Und er hat ein paar Tore mehr geschossen. Knapp 500 allein für Österreichs Nationalmannschaft. Seit drei Jahren spielt Szilagyi für den THW Kiel, dessen 13.000 Zuschauer fassende Ostsee-Halle bereits vor dem jeweiligen Saisonbeginn vom ersten bis zum letzten Heimspiel ausverkauft ist. Dieses und nächstes Wochenende spielt Kiel, oft das "Bayern München des Handballs" genannt, gegen Spaniens Meister Ciudad Real um den zweiten Champions-League-Titel hintereinander.
Ein Österreicher spielt um die Champions League, während Österreichs Handball seit Jahren dahingrundelt. Wie verträgt sich denn das?
VIKTOR SZILAGYI: Wie verträgt sich das? Gute Frage. Primär war es wohl meine sehr frühe Entscheidung, Österreichs Liga zu verlassen. Jeder Titel ist schön. Aber ein internationaler Titel ist eben ganz besonders schön. Und diesbezüglich hätte ich in Österreich keine Perspektiven gehabt.
Im Fußball heißt es, ein Nationalteam ist so stark wie seine Legionäre. Gilt das im Handball nicht? Österreich hat mehr und bessere Legionäre denn je.
SZILAGYI: Natürlich. Das gilt ganz genauso. Weil wir uns im Ausland einfach besser entwickeln können. Das fängt schon beim Training an, wo du Tag für Tag eine ganz andere Konkurrenz hast. Man sollte jetzt allerdings nicht alles mit Kiel vergleichen und an Kiel messen, denn das ist derzeit vermutlich das stärkste Team der Welt. Aber ich denke, die Richtung für die Zukunft könnte nun auch in Österreich so einigermaßen stimmen.
Woraus schließen Sie das?
SZILAGYI: Es hat sich sehr kurzfristig einiges verändert. Man muss zum Beispiel den Sieg gegen die Deutschen zuletzt in Innsbruck nicht überbewerten. Aber wir bewegen uns auf einen Level zu, wo wir zeigen können, was tatsächlich in uns steckt.
Kiel gilt als so etwas wie das Handball-Mekka. Trotzdem verlassen Sie den Verein. Warum?
SZILAGYI: Ich habe von Kiel einerseits sehr lange keine klare Aussage betreffend meine Zukunft bekommen und war mit dieser Situation nicht zufrieden. Auf der anderen Seite hatte ich innerhalb relativ kurzer Zeit drei Knie-Operationen und ganz zwangläufig weniger Spielanteile. Dadurch haben andere Spieler ihre Verträge bereits früher verlängert.
Und nach Gummersbach zu gehen, ist das klug? Hat Gummersbach von seinem einstigen Glanz nicht viel verloren?
SZILAGYI: Die Tendenz der Gummersbacher zeigt ganz klar nach oben. Sie spielen noch um einen Europacup-Platz und mittel- bis langfristig sind die Möglichkeiten dort sicherlich sehr gut.
Features
Viktor Szilagyi
- Geboren: 16. September 1978, Budapest. Übersiedelte mit fünf Jahren nach St. Pölten.
- Karriere: Spielte für St. Pölten, Innsbruck, Legionär bei Bayer Dormagen (ab 2000), TuSEM Essen, seit 2005 THW Kiel, ab Herbst 2008 beim VfL Gummersbach.
- Eckdaten: Champions-League-Sieger 2007, Deutscher Meister 2006 & 2007. 99 Länderspiele, dabei 457 Tore.
TV-Tipp
Sonntag:
Ciudad Real - THW Kiel (Eurosport, 18.45 Uhr live)












