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    Zuletzt aktualisiert: 22.04.2008 um 18:00 Uhr

    "Diese Wut macht mich auch stark"

    Triumph und Tragödie! Matthias Steiner kehrte Österreich den Rücken, um als Gewichtheber Erfolg zu haben. Für Deutschland holte der gebürtige Niederösterreicher nun EM-Gold. Die Kraft dazu gab ihm auch seine tote Frau.

    Matthias Steiner

    Foto © APA/EPAMatthias Steiner

    Er hat nichts versteckt. Weder seine Tränen, noch das Bild seiner toten Frau. Es war ein tief bewegender Moment. Für ihn selbst und auch für das Publikum. Gewichtheber Matthias Steiner hatte bei den Europameisterschaften in Lignano gleich drei Mal zugeschlagen. In der Superschwergewichtsklasse stemmte der 140-kg-Brocken drei Medaillen in die Höhe: Gold im Reißen (200 kg), Silber im Zweikampf (446 kg) und Bronze im Stoßen (246 kg). Und hielt bei der Siegerehrung ein Bild seiner Liebsten in Händen.

    Tragödie. Susann kam im Vorjahr bei einem Verkehrsunfall ums Leben. "Sie hat mir die Kraft für diese Erfolge gegeben. Und auch die Wut, die in mir steckt. Die Wut darüber, dass dieser Unfall passiert ist", erzählt der 25-Jährige. Diese Tragödie war zu Beginn ein Märchen. Susann hatte Matthias bei einer "Eurosport"-Übertragung im Fernsehen gesehen und schrieb ihm einen Brief. Die große Liebe folgte und führte die beiden dann vor den Traualtar. Matthias Steiner hatte Österreich 2005 den Rücken gekehrt, "weil mir die Trainingsbedingungen einfach zu amateurhaft gewesen sind. Dann wollte man mir auch noch einen neuen Verbandstrainer aufschwatzen", erzählt der gebürtige Niederösterreicher.

    Neue Heimat. In Deutschland fand er sein neues Zuhause, erhielt er heuer im Jänner die deutsche Staatsbürgerschaft. Bei seinem Klub AC Chemnitz fühlt sich Steiner bestens aufgehoben. Sein Trainingsplan erfordert ein perfektes Umfeld. "Ich komme wöchentlich auf acht bis zwölf Trainingseinheiten. In der Kraftkammer setze ich dabei rund 60 bis 100 Tonnen um", schildert Steiner. "Ich brauche täglich rund 6000 bis 8000 Kalorien - die 15.000, die da oft im Raum stehen, sind maßlos übertrieben", fährt der frischgebackene Europameister fort. Das nächste Ziel heißt jetzt Olympia. Traut sich Matthias Steiner auch in Peking eine Medaille zu?

    Medaillen. "Keine Frage, ich träume von einer Medaille. Aber in meiner Gewichtsklasse kommen rund zehn Athleten für einen Stockerlplatz in Frage", so Steiner. Waren bei der EM in Lignano bereits alle Medaillenanwärter dabei? "Ich schätze, dass in Peking zwei, drei Chinesen und ein, zwei Iraner noch ein Wörtchen um die Medaillen mitreden werden. Ansonsten waren alle Topleute schon bei der EM am Start."

    SIGI PALZ

    Zur Person

    Matthias Steiner

    Geboren: 25. August 1982 in Wien

    Wohnort (seit 2005): Leimen

    Sportart: Gewichtheben

    Verein: AC Chemnitz

    Nationalität: seit Jänner 2008 deutscher Staatsbürger

    Größte Erfolge

    Olympia- Siebenter 2004 in Athen (für Österreich);

    EM 2008/Lignano: Gold im Reißen (200 kg), Silber im Zweikampf (446 kg) und Bronze im Stoßen (246 kg)

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