Ganzkörper-Anzüge spalten die Schwimm-Welt
Die "Bodysuits" sind nahtlos, bieten damit weniger Wasserwiderstand, überzeugen aber doch nicht alle.

Foto © GEPAMarkus Rogan mit seinem neuen Anzug
Sie sind in aller Munde und auch auf immer mehr
Körpern - die Ganzkörper-Anzüge gehören schon seit Jahren zum
Fix-Inventar des internationalen Schwimmsports. Mit dem LZR Racer
präsentierte Speedo vor einem Monat in vier Weltstädten eine weitere
Neuentwicklung, auf die am Montag Konkurrent Arena mit dem Powerskin
R-Evolution konterte. Beide Produkte sind nahtlos, bieten damit
weniger Wasserwiderstand, überzeugen aber doch nicht alle.
Jukic zählt zu den Skeptikern.
Coach Zeljko Jukic etwa ist einer der Skeptiker. "Wenn man eine
Badehose und einen Ganzkörper-Anzug ins Wasser schmeißt, kommen sie
gleich weit", meinte der Vater von Mirna und Dinko Jukic launig.
"Schwimmen muss noch immer der Mensch." Dennoch wird es Mirna am
Mittwoch im Vorlauf über 100 m Brust mit dem LZR Racer versuchen,
nachdem sie ihn einmal im Training getragen hat. Bisher schnürten sie
solche Anzüge im Kniebereich zu sehr ein.
Psycho-Wettkampf.
Indes scheint ein Psycho-Wettkampf ausgebrochen zu sein, denn
schnelle Schwimm-Zeiten kommen auch mental zustande. Robert Michlmayr
etwa wurde bei der Eindhoven-EM von einem Trainerkollegen mit einer
Liste konfrontiert, wonach etwa im Delfinsprint nur LZR-Racer-Leute
die Medaillen holen könnten. "Alle anderen hat er zurückgereiht."
Fabienne Nadarajah trägt "Ganzkörper", aber Nike, war jedoch
krankheitsbedingt ohnehin keine Medaillen-Anwärterin.
"Leichter und Schneller".
Während neben Mirna Jukic auch Markus Rogan - "Ich habe eine
Viertelstunde in den Anzug gebraucht" - noch in der
LZR-Racer-Testphase ist, ist das Team um Trainer Helge Gödecke von
seinen Arena-Anzügen überzeugt. Dominik Koll: "So ein Anzug bringt
schon etwas, gibt Auftrieb und eine bessere Wasserlage." Gödecke:
"Sie sind leichter und daher schneller." Allerdings hat Arena nach
dem Präsentationsschnellschuss noch Lieferschwierigkeiten.
Powerskin R-Evolution.
In Eindhoven ist der Powerskin R-Evolution noch nicht im Einsatz
zu sehen, auch für die deutsche Olympia-Qualifikation im April dürfte
es sich nicht ausgehen. Koll: "Ich habe gehört, dass wir ihn aber
rechtzeitig für Olympia haben sollen." Für Oliver Schmich wird das
dann nicht mehr von Bedeutung sein, er beendet nach den Titelkämpfen
in Eindhoven ja seine Karriere. Der 28-Jährige hat Ganzkörper-Anzüge
aber von wissenschaftlicher Seite beleuchtet.
Studium.
Im Rahmen seines Studiums der Sportwissenschaften hat der
Salzburger die Auswirkungen diverser Bade-Bekleidungen auf die
Leistung untersucht, ist jedoch zu keinem eindeutigen Ergebnis
gekommen. "Bei Messungen gibt es einen Toleranzbereich, über den
gehen die Vorteile eines Ganzkörper-Anzugs nicht hinaus." Schmichs
Untersuchungen brachten also keinen eindeutigen Hinweis. "Wenn es
aber nur 1/100 bringt", fügte er an "zahlt es sich schon aus."














