OMBUDSMANN„Wieso müssen wir dem Geld nachrennen?“

„Ist die Schuldfrage bei einem Verkehrsunfall eindeutig, ist eine Vorfinanzierung der Reparaturkosten unüblich“, erklärt der Experte. Eine Begutachtung ist aber nötig.

In der Regel muss das unschuldige Unfallopfer die Reparatur nicht vorfinanzieren
In der Regel muss das unschuldige Unfallopfer die Reparatur nicht vorfinanzieren © Illustration: Sinisa Pismestrovic
 

In das Auto der Tochter unserer Leserin ist ein Lieferwagen einer Firma hineingefahren. Das Auto kam aus einer Nachrangstraße - mit „Vorrang-geben-Zeichen“ - wie die Frau versichert. Der Schaden am Auto der Tochter betrage circa 4000 Euro. Nach dem Unfall sei die junge Frau auf Anweisung der gerufenen Polizei mit der Rettung ins Krankenhaus Klagenfurt gebracht worden, wo diverse Prellungen diagnostiziert wurden.

Die Reparatur vorfinanzieren?

„Laut Polizei trifft meine Tochter am Unfall keine Schuld, sondern ausschließlich den Fahrer des Lieferwagens. Er wurde wegen fahrlässiger Körperverletzung angezeigt“, berichtete die Frau weiter, die folgende Informationen verunsichern: „Nun habe ich erfahren, dass den Schaden des Autos wir zahlen müssen und wir erst irgendwann auf Rückerstattung der Kosten klagen können.

Die Kosten des Leihwagens, den wir nehmen mussten, können nicht einmal von der gegnerischen Versicherung eingeklagt werden, sie sind in jedem Fall selbst zu bezahlen!“

„Ich finde das ungeheuerlich“!, entrüstete sich die Mutter des Unfallopfers und fragte sich: „Warum muss ich unverschuldet die Reparaturkosten übernehmen und dann noch hoffen, dass die gegnerische Versicherung mir die Reparaturkosten rückerstattet und dem Geld nachrennen?“

Ein Sachverständiger prüft

Üblicherweise werde der Schaden am Kraftfahrzeug des Geschädigten, in diesem Fall die Tochter unserer Leserin, von einem von der Versicherung des Unfallgegners beauftragten Sachverständigen geprüft und höhenmäßig festgestellt, erfuhren wir vom Versicherungsexperten Reinhard Jesenitschnig.

„Sinnvoll ist dies in der Vertrauenswerkstätte der Leserin, weil sich Sachverständiger und Werkstätte über den notwendigen Reparaturumfang aussprechen und einigen können. Ergibt die Begutachtung einen Totalschaden, wird von der gegnerischen Versicherung nur der Zeitwert abzüglich des Restwertes des Wracks ersetzt“, führte der Experte aus und ergänzte: „Liegt ein Reparaturschaden vor, so ist diese in voller kausaler Höhe zu übernehmen und wird auch – bei eindeutigem Verschulden des gegnerischen Lenkers - übernommen!“ Eine Vorfinanzierung wäre in diesem Fall nicht nötig.

Die Frage des Ersatzwagens hänge davon ab, welche Variante bei der Haftpflichtversicherung gewählt worden sei.

 

Teure Prämie für den Ersatzwagen

Der Versicherungsexperte Reinhard Jesenitschnig erklärt, unter welchen Umständen man bei einem Unfall einen Ersatzwagen bezahlt bekommt.
Hat das Unfallopfer auch eine Kfz-Rechtsschutzversicherung, dann müsste sie den Vorfall dieser Versicherung melden, ein Anwalt würde ihr von dieser Versicherung zur Verfügung gestellt werden.
Bei Abschluss der Kfz-Haftpflichtversicherung für ihr Auto hat die Frau auch entschieden, ob sie die Variante mit Mietwagenkosten oder ohne Mietwagenkosten im Falle eines fremdverschuldeten Unfalles versichert.
Im ersten Fall hätte die Versicherte Anspruch auf einen Mietwagen für die Dauer der Reparatur, die Prämie für ihre Haftpflichtversicherung wäre in diesem Fall aber um 25 Prozent höher als bei der zweiten Variante.
Bei Variante zwei verzichtet der Versicherungsnehmer auf die Inanspruchnahme eines Mietwagens, auch wenn der Unfall durch einen Dritten verschuldet wurde. Das ist für die Betroffenen nicht ganz leicht zu verstehen, ist aber in Österreich so.
Ich vermute, dass sich das Unfallopfer im Bericht bei Abschluss der Haftpflichtversicherung für die zweite Variante entschieden hat und daher nunmehr keinen Anspruch auf Ersatz der Mietwagenkosten hat.

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Danke für Ihr Verständnis.

CuiBono
3
1
Lesenswert?

Geschützte Werkstatt

sowas ist Österreich immer noch in gewissen Bereichen.
Hier z.B. für Teile der Versicherungswirtschaft.

Die o.a. KfZ HPfl-Versicherung Ersatzwagenregelung ist anders nicht zu erklären und benachteiligt in sittenwidrigerweise Geschädigte.

Antworten

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