OMBUDSMANN-FAMILIEStudentin ist seit einem Jahr ohne eine Versicherung

Eine Mitversicherung der Kinder mit ihren Eltern gibt’s nur bis zum 27. Lebensjahr. Wer bis dahin mit der Ausbildung nicht fertig ist, muss sich selbst versichern.

Heiraten oder Vollzeitjob? Zwei unbefriedigende Varianten, um zu einer Versicherung zu kommen.
Heiraten oder Vollzeitjob? Zwei unbefriedigende Varianten, um zu einer Versicherung zu kommen. © Illustration: Sinisa Pismestrovic
 

Die 27-jährige Tochter unserer Leserin absolviert derzeit die dritte Berufsausbildung und ihr zweites Bachelorstudium. „Seit über einem Jahr ist sie nicht versichert, weil sie nicht mehr bei mir mitversichert sein kann und weil die Selbstversicherung für Studenten zu teuer ist!“, berichtete die Mutter.

Laut Auskunft der Krankenkasse könnte sie sich mitversichern, wenn sie verheiratet wäre. „Das ist doch extrem dumm und unfair! Mit dem Ehepartner könnte sie mitversichert sein, aber mit der Mutter ist es nicht möglich“, beklagte sich die Frau und fragte: „Gibt es irgendeine Möglichkeit, dass sie endlich wieder versichert ist und dass das auch tatsächlich leistbar ist?“

Leistbare Versicherung

„Kinder und Enkel gelten als Angehörige bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres. Danach gelten sie als Angehörige, wenn und solange sie sich in einer Schul- oder Berufsausbildung befinden, die ihre Arbeitskraft überwiegend beansprucht, bzw. solange sie eine im Studienförderungsgesetz genannte Einrichtung besuchen längstens bis zur Vollendung des 27. Lebensjahres“, erfuhren wir von der Gebietskrankenkasse (GKK). Darüber hinaus könnte man nur eine „Studenten-Selbstversicherung“ abschließen.

Eine reine Selbstversicherung hingegen wäre immer möglich. Die Kosten würden sich mit einem Herabsetzungsantrag (Unterstützungserklärung der Eltern ist notwendig) auf mindestens 101,72 Euro im Monat belaufen, wurden wir aufgeklärt.

Der Maximalbetrag von 406,88 Euro werde nicht zur Anwendung kommen, „da dieser nur bei einem hohen angegebenen Einkommen des Versicherten anfällt, was in diesem Fall nicht vorliegen wird“.

Allerdings sei mit einer Wartezeit von sechs Monaten zu rechnen, da für die Tochter bereits seit einem Jahr keine Versicherung vorliege.

Studentenversicherung

Es könne aber trotz dritter Berufsausbildung und zweiten Studiums auch eine Studentenversicherung in Frage kommen, meinten die Experten und rieten zwecks Überprüfung zur Kontaktaufnahme mit der zuständigen GKK-Abteilung.

Eine begünstigte Studentenversicherung kostet übrigens 56,74 Euro.

Mitversicherung muss beantragt werden

Auf www.help.gv.at Finden Sie grundsätzliche Informationen zur Mitversicherung. Genaueres gibt’s auf dem Portal www.sozialversicherung.at
Junge Menschen, die auf Arbeitsuche sind, können bis zu 24 Monate ab dem 18. Geburtstag oder ab dem Ende einer Schul- oder Berufsausbildung mitversichert werden.
Werden die entsprechenden Voraussetzungen für die Mitversicherung (Alter unter 27 Jahren, Leistungsnachweis wie bei der Familienbeihilfe) erfüllt, kann eine Mitversicherung bei den Eltern (auch Groß- und Stiefeltern) oder beim Ehegatten (Gattin) beantragt werden.
Voraussetzung für die Mitversicherung ab dem 18. Geburtstag ist, dass der Betroffene nicht mehr als 425,70 Euro pro Monat verdient (die Geringfügigkeitsgrenze 2017). Wird dieser Wert überschritten, wird der Arbeitnehmer automatisch vom Arbeitgeber bei der Gebietskrankenkasse angemeldet und ist somit eigenständig versichert.
Das ist auch der Fall, wenn Schüler bzw. Studenten im Sommer eigenes Geld verdienen. Wenn der Sommerjob beendet ist oder geringfügig weitergearbeitet wird, wird automatisch wieder auf die Mitversicherung bei den Eltern umgestellt – sofern die Voraussetzungen dafür erfüllt sind.

Geringfügige Beschäftigung

„Mit der Aufnahme einer geringfügigen Beschäftigung wäre der Abschluss einer kostengünstigen freiwilligen Selbstversicherung um 60,09 Euro im Monat möglich“, zeigte GKK-Ombudsmann Bernd Bauer eine weitere Möglichkeit auf. Eine solche Beschäftigung (bei Eltern oder Bekannten) könnte man zum Beispiel  auch mit einem Dienstleistungsscheck annehmen.

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