IMMOBILIEN-OMBUDSMANN„Wir können uns von der Wohnung nicht trennen!“

Eine Familie hat für den Verkauf ihrer Eigentumswohnung einen Makler engagiert. Doch plötzlich will sie nicht mehr verkaufen: Eine Provision wird dennoch fällig!

Verträge sind einzuhalten!
Verträge sind einzuhalten! © Illustration: Sinisa Pismestrovic
 

Unsere Leser haben im Frühjahr einen Maklervertrag abgeschlossen, um ihre Wohnung zu verkaufen. Der Makler habe gemeint: „Nicht dass ich die Arbeit habe und ein anderer macht das Geschäft!“ Der Vertrag gilt bis Herbst. Zuerst gab es keinen ernsthaften Interessenten. In der Zwischenzeit hat sich aber die Stimmungslage der Familie geändert. „Am liebsten würden wir die Wohnung jetzt selbst noch eine Weile nutzen“, sagen die Eigentümer.

Ernsthafter Käufer

Doch plötzlich ist auch ein ernsthafter Käufer aufgetaucht und die Familie stellt sich eine Reihe von Fragen: „Müssen wir verkaufen? Hat der Makler trotzdem ein Recht auf seine Provision, wenn wir einen Verkauf ablehnen? Können wir auf Zeit spielen und den Vertrag einfach auslaufen lassen? Wir haben bisher alle vom Makler vorgegebenen Besichtigungstermine eingehalten, müssen wir das auch weiterhin tun?“ Offenbar brauchen die Besitzer also noch ein bisschen Zeit, um sich von ihrer Wohnung zu trennen.

Alleinvermittlungsauftrag

Eine rechtliche Beurteilung, ohne den Vertrag gesehen zu haben, sei schwer möglich, schickt Karl Raith von der Arbeiterkammer voraus. Der Jurist fügt aber an: „Da der Maklervertrag eine Dauer von sechs Monaten aufweist, handelt es sich offenbar um einen Alleinvermittlungsauftrag. Einen Alleinvermittlungsauftrag kann man nur dann vorzeitig kündigen, wenn der Makler sich nicht ausreichend um einen Verkauf bemüht. Die Beweis- und Wertungsfrage müsste im Einzelfall geklärt werden“.

Nur eine Obergrenze

Die Experten der Arbeiterkammer informieren über den „Umgang mit Immobilienmaklern“.
Diese Broschüre finden Sie im Internet unter: www.arbeiterkammer.at
Anzahlung auf den Kaufpreis: Unbedingt abzuraten ist davon, bereits bei Unterfertigung eines Anbots irgendeine Zahlung zu leisten. Es ist ja noch nicht sicher, dass das Anbot vom Verkäufer angenommen wird und es wirklich zu einem Kaufvertrag kommt.
Anzahlungen auf die Provision sind vor dem Abschluss des Kaufvertrages sowieso rechtswidrig.
Provisionshöhe: Die in der Immobilienmaklerverordnung angegebenen Werte sind Obergrenzen, aber keine gesetzlichen Fixprovisionen. Man sollte auf jeden Fall versuchen, mit dem Makler eine niedrigere Provision auszuhandeln.
Bei der Vermittlung eines Kaufvertrages beträgt die Provision bei einem Kaufpreis bis 36.336,42 Euro maximal vier Prozent des Kaufpreises.
Bei einem Kaufpreis, der darüber liegt, darf maximal drei Prozent des Kaufpreises als Provision vereinbart werden.
Zusätzlich darf die vom Makler abzuführende Umsatzsteuer (20 Prozent) auf den Kunden überwälzt werden.
Eine Provision kann bis zur jeweiligen Höchstgrenze sowohl mit dem Verkäufer als auch mit dem Käufer vereinbart werden.

Würde ein Makler einen Kaufinteressenten bringen, der bereit ist, den Preisvorstellungen des Verkäufers gerecht zu werden, würde die Pflicht zur Provisionszahlung auch dann ausgelöst, wenn man den Verkauf verweigere.

„Zum Verkauf zwingen kann einen der Makler ja nie!“ (Raith). Die Weigerung würde aber ein Verhalten „wider Treu’ und Glauben“ darstellen; laut Raith besteht die Gefahr, dass auch noch zusätzlich die Käuferprovision als Schadenersatzforderung fällig wird.

Schadenersatzforderung

Besichtigungstermine könne man als Auftraggeber des Maklers nicht willkürlich verweigern; auch dadurch könne auf Maklerseite eine Schadenersatzforderung entstehen. „Das gilt auch dann, wenn man durch die Verweigerung der Mitwirkung den Vertrag einfach auslaufen lässt“, erklärt Raith.

Kommentieren

Bei der Erstellung von Kommentaren haben Nutzer rechtliche Bestimmungen (z. B. Privat-, Strafrecht), die Netiquette und Forenregeln einzuhalten. Was wir in diesem Forum nicht dulden: Beschimpfungen, Verspottungen, Belästigungen, Ehrbeleidigungen, Verhetzung, Diskriminierung in jedweder Form, Rassismus, Aufrufe zu Gewalt oder gar Selbstjustiz. Beiträge, die diesen Bestimmungen zuwiderlaufen, werden bei Kenntnis gelöscht, Nutzer im Wiederholungsfall gesperrt. Zudem behalten wir uns die stundenweise oder völlige Schließung von Foren vor. Wir weisen Sie darauf hin, dass wir auch keine Links zu anderen Websites akzeptieren.
Als Nutzer stimmen Sie der Speicherung der von Ihnen angegebenen Daten (Stamm-, Verkehrsdaten, etc.) ausdrücklich zu. Die angegebenen Daten werden an staatliche Stellen (z. B. Polizei, Gericht) bei Untersuchung von vom Nutzer verbreiteten Materialien, oder sonst vorgenommenen ungesetzlichen Aktivitäten, weitergegeben. Weiters werden angegebene Daten (Name und Adresse) an sonstige Dritte bei Verletzung von Rechten oder sofern deren Rechtsverletzung nachvollziehbar behauptet wird (zB gem. § 18 Abs. 4 ECG), weitergegeben. Mit der Erstellung von Kommentaren stimmen Sie dem ausdrücklich zu und verzichten auf die Geltendmachung von jeglichen Ansprüchen. Siehe dazu auch unsere Forenregeln/Betriebsbedingungen in den AGB.