OMBUDSMANNBeim Nachbarn türmt sich der Vogelkot

Expertenrat: Was man tun kann, wenn der liebe Nachbar seine gefiederten Freunde mit Futter anlockt und diese den eigenen Balkon dann als Vogelklo missbrauchen.

Futterstelle und Vogelklo befinden sich auf zwei verschiedenen Balkonen!
Futterstelle und Vogelklo befinden sich auf zwei verschiedenen Balkonen! © Illustration: Sinisa Pismestrovic
 

Es sei ja sehr schön, wenn auf den Terrassen und Balkonen Futterstellen für die Vögel errichtet werden, stellte eine Leserin fest. Danach kam aber ein riesiges Aber: „Was ist mit den Nachbarn, die dann ungewollt zur Kotstelle werden?“

Sie habe dieses Problem leider seit Längerem, ihr Nachbar füttere am anliegenden Balkon Winter wie Sommer die Vögel, worauf dann ihr Balkon als Vogelklo missbraucht werde. „Sämtliche Abwehrinstallationen fruchten nur kurzfristig.

Ich habe nichts gegen die Fütterung der Vögel, aber muss das wirklich auf dem Balkon oder der Terrasse erfolgen? Was kann man als unmittelbarer Nachbar gegen diese unzumutbare Belästigung tun?“, fragt sich die Frau.

Keinen Abwehranspruch

„Grundsätzlich ist derjenige für die Folgen verantwortlich, der durch das Anbringen von Futterstellen (Vogelhäuschen etc.) wild lebende Vögel anlockt. Solange die Beeinträchtigungen für den Nachbarn dadurch aber nur unwesentlich sind, wird man keine Abwehransprüche geltend machen können“, erklärt dazu der Jurist Gerhard Schnögl vom Haus- und Grundbesitzerbund.

Tauben und Singvögel gehören laut Schnögl „zweifellos zur Kategorie unbeherrschbarer Tiere“. Bei relevanten Beeinträchtigungen durch wilde Vögel stehe nicht in jedem Fall ein Abwehranspruch zu. Es müsse sich um Tiere handeln, die dem Störer durch Tierhaltung, Füttern oder sonstiges Anlocken nachbarrechtlich zugerechnet werden können. Im Fall der Bejahung dieser Frage wäre auch noch zu klären, ob „die Verschmutzungen das nach den örtlichen Verhältnissen gewöhnliche Maß überschreiten, und ob die ortsübliche Benützung des Grundstücks des Nachbarn dadurch wesentlich beeinträchtigt wird“.

Tipp des Rechtsanwalts

Rechtsanwalt Wolfgang Reinisch erklärt, welche rechtlichen Möglichkeiten man hat, wenn die eigene Liegenschaft durch angelockte Vögel extrem verschmutzt wird.
Nach § 364 Abs. 2 ABGB kann der Eigentümer eines Grundstückes dem Nachbarn die von dessen Grund ausgehenden Einwirkungen durch Abwässer, Rauch, Gase, Wärme, Geruch, Geräusch, Erschütterung und ähnliche insoweit untersagen, als sie das nach den örtlichen Verhältnissen gewöhnliche Maß überschreiten und die ortsübliche Benutzung des Grundstückes wesentlich beeinträchtigen.
Die Verschmutzungen durch Vögel können dann und insoweit Gegenstand eines Unterlassungsbegehrens sein, als sie das nach den örtlichen Verhältnissen gewöhnliche Maß überschreiten und die Benutzung des eigenen Grundstückes wesentlich beeinträchtigen.
Inwieweit diese Voraussetzungen hier (siehe Bericht) zutreffen, kann aufgrund der Schilderungen nicht eindeutig beurteilt werden. Es müssten Art und Häufigkeit der Verschmutzung im Detail festgestellt und vom Gericht bewertet werden.
Ist der Nachbar der Wohnungseigentümer, könnte das Unterlassungsbegehren direkt gegen ihn gerichtet werden. Ist der Nachbar aber Mieter, müsste das Begehren wohl gegen den Vermieter gerichtet werden.

Ausschlaggebend für die Beurteilung sei das Empfinden eines verständigen Durchschnittsbenutzers und nicht das subjektive Empfinden des Betroffenen.

Geminderter Wohnwert

Konkret müsse gefragt werden, ob das Grundstück durch die Beeinträchtigung an Annehmlichkeit verliert und dadurch der Wohnwert gemindert werde. „Ein paar Körner Vogelfutter sind sicher noch nicht als wesentlich einzustufen.

Sollte die Betroffene gegen den Nachbarn vorgehen wollen, müsste sie die Wesentlichkeit der Beeinträchtigung beweisen. Zunächst sollte aber ein Kompromiss mit dem Nachbarn gesucht werden“, rät Schnögl.

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Danke für Ihr Verständnis.

paulrandig
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Äh, ganz naive Frage:

Ist das Taubenfüttern in der Stadt nicht ohnehin verboten?
Meines Wissens ist das wegen der Ratten, die die Reste des Futters fressen bzw. die massiv durch die verfetteten Tauben, die ja auch irgendwann einmal sterben, profitieren.

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Carlo62
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Das Problem ist,...

...dass Fütterungsstellen von allen Vögeln angeflogen werden; man die Tauben nicht davon weghalten und das Füttern von Wildvögeln nicht verboten ist.
Ich habe dasselbe Problem mit einem Kirschbaum im Garten. Die Vögel bedienen sich am Kirschbaum, setzen sich dann auf das Gartentor und schei..en alles rundherum voll. Dasselbe natürlich auch mit den Brombeeren usw.
Ich kann mir gut vorstellen wie ein Balkon unter einem "Vogelfreund" aussieht.

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paulrandig
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Carlo62

Dann gehört einfach viel mehr aufgeklärt. Ich habe vor Jahren in einem ganzen Wohnhausblock einmal das beliebte Taubenfüttern abgestellt, indem ich die Leute einfach aufgeklärt habe, was nach dem putzigen Herumhüpfen und -Zwitschern mit den Vögeln und deren Futter passiert.
Und Ratten, vor allem wilde Kanalratten, mag ja wirklich niemand. Wenn man den Leuten klar darlegt, wie sie mit ihrer "Tierliebe" vorwiegend Ratten füttern, vergeht's ihnen eh.

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Carlo62
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Apropos Ratten

Tauben werden auch als "Ratten der Lüfte" bezeichnet; sie verschmutzen die Gegend und übertragen Krankheiten.

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