Federer meisterte erste Hürde bei ATP Finals

Der sechsfache Sieger der ATP Finals ist nach einem Jahr Pause in die Londoner O2-Arena zurückgekehrt, als wäre er nie weg gewesen. Der 36-jährige Schweizer Superstar Roger Federer, der von den 17.500 Fans mit großem Jubel begrüßt wurde, benötigte gegen den einzigen Nicht-Europäer im Feld, Jack Sock (USA-8), 91 Minuten zum 6:4,7:6(4)-Erfolg in der Gruppe "Boris Becker".

© APA (AFP)
 

Obwohl Federer eine gute Leistung zeigte, gab es doch noch Raum für Verbesserungen. "Man kann nicht erwarten, dass man sein bestes Tennis gegen die Besten der Welt schon im ersten Match spielt", erklärte Federer. Das Erstrundenmatch sei bei jedem Turnier schwierig, bei den ATP Finals steigert sich das Ganze noch, weil eben die acht besten Spieler des Jahres von Beginn weg aufeinandertreffen. Der taktische Plan werde oft im ersten Match über den Haufen geworfen.

Zum Beispiel sich an die Bedingungen zu gewöhnen spielt gerade im ersten Match eine große Rolle. Der Court fühlte sich für den 19-fachen Major-Sieger schneller an als vor zwei Jahren.

Federer hatte nach seinem Triumph in Basel auf Paris verzichtet, um wieder Kraft zu tanken. "Ich habe ganz schön lange gebraucht, um mich zu erholen", gestand Federer. "Ich bin froh, dass ich heute hier herausgekommen bin und mit guter Energie spielen konnte. Jetzt bin ich im Turnier, jetzt geht es nur noch mit Volldampf voraus für jedes Match", versprach der Weltranglisten-Zweite.

ATP-Finals-Debütant Sock konnte Federer auf dem Weg zu dessen 50. Saisonsieg nicht gefährden. Die Chance auf einen Satzgewinn hatte der Weltranglisten-Neunte, der erst im Zielsprint der Saison mit einem Titel beim Masters-1000-Turnier in Paris-Bercy sein London-Ticket geholt hatte, aber sehr wohl. Als Sock bei 4:4 im Tiebreak ein Doppelfehler passierte, nutzte Federer aber seine Chance und gleich seinen ersten Matchball.

Federer hatte zuvor in drei Aufschlag-Games des US-Amerikaners insgesamt fünf Breakbälle ungenutzt lassen. Andernfalls hätte sich der Eidgenosse den Gang ins Tiebreak sparen können, denn bei eigenem Aufschlag war er für Sock unantastbar. Nicht einen einzigen Breakball ließ Federer zu.

Federer spielt bei dem mit 8 Mio. Dollar dotierten Saisonfinale der ATP am Dienstag nun gegen den Gewinner der Abendpartie zwischen Alexander Zverev (GER-3) und Marin Cilic (CRO-5).

Die ausverkaufte Arena bekam am Sonntag aber auf dem Court auch die Nummer eins der Welt zu sehen. Rafael Nadal, der erst am Montag in der Gruppe von Dominic Thiem gegen David Goffin (BEL-7) sein erstes Spiel bestreitet, wurde im Anschluss an die Federer-Partie geehrt. Zum vierten Mal in seiner Karriere nach 2008, 2010 und 2013 beendet der 31-jährige Spanier ja unabhängig vom Ausgang dieses Events das Jahr als Nummer eins der Welt. Nadal ist der älteste Spieler, der seit Einführung der Weltrangliste 1973 das Jahr als Erster beenden wird.

Für Federer stand nach dem Paris-Verzicht fest, dass seine ohnehin nur noch kleine Chance, selbst zur Nummer 1 zu werden, dahin war. Federer bereut das überhaupt nicht und gratulierte Nadal zu seiner Leistung: "Er hat mehr Turniere gespielt und er war unglaublich erfolgreich. Ich bereue gar nichts, weil in meiner Karrierephase, in meinem Alter passiert es oder es passiert nicht. Er hatte noch mehr Gas im Tank als ich." Er freue sich für Nadal. "Weil er es verdient hat."

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