Umfassende Biografie über Gustav Klimt erschienen

Mit "Gustav Klimt. Die Biografie" sind Alfred Weidinger und Mona Horncastle angetreten, eine umfassende Biografie auf dem aktuellen Forschungsstand vorzulegen und mit einigen Legenden rund um den Malerfürsten der Wiener Moderne aufzuräumen. Entstanden ist ein informatives Werk über die Entwicklung des Künstlers und sein Umfeld. Die Person Klimt bleibt an vielen Stellen aber eher farblos.

© APA (AFP)
 

Eine der ältesten Legenden rankt sich um Klimts lebenslange Freundin Emilie Flöge. Über viele Jahrzehnte galt sie als Klimts Lebensgefährtin. Tatsächlich verband die beiden aber nur eine kurze leidenschaftliche Affäre, ist nun zu lesen. Die Schwägerin Klimts (sein Bruder Ernst war mit Flöges Schwester Helene verheiratet, Anm.) und Betreiberin eines der modernsten Modesalons Wiens beendete die Beziehung bereits nach kurzer Zeit, als ihr klar wurde, dass Klimt sich niemals an eine einzige Frau binden wird. Ähnlich hielt es auch Alma Schindler, die Stieftochter von Klimts Malerfreund Carl Moll und spätere Ehefrau Gustav Mahlers und Franz Werfels, die Klimts Werben auf einer gemeinsam mit ihren Eltern und weiteren Künstlerfreunden unternommenen Italienreise nachgab.

Abgesehen von Schindler und Flöge - beiden ist ein ganzes Kapitel gewidmet - klammern die beiden Autoren die Frauengeschichten des wohl bekanntesten Malers Österreichs weitestgehend aus. Über Klimt und die Frauen sei "bis zur Erschöpfung" geforscht und geschrieben worden, betonen Weidinger, ehemaliger Vizedirektor von Albertina und Belvedere und jetziger Direktor des Museums der bildenden Künste Leipzig, und die Verlegerin und Kuratorin Horncastle bereits in ihrem Vorwort. Darauf fußend ist es zu verstehen, dass die langjährigen Affären mit seinen Modellen, aus denen auch mehrere Kinder hervorgingen, eher beiläufig erwähnt werden. Allerdings stellt sich die Frage, ob das Werk eines Künstlers nicht auch im Kontext seines Wesens, seines Charakters, seiner Vorlieben und Abneigungen gesehen werden muss, um es nachhaltig zu verstehen oder sogar zu bewerten.

Gerade das Wesen Klimts bleibt in der neuen Biografie an vielen Stellen flach. Umso mehr freut es den Leser, im Kapitel über Klimts Aufenthalte am Attersee mit seinen eigenen Worten etwas über die Tagesabläufe in der Sommerfrische zu erfahren und den von den Einheimischen als "Waldschrat" bezeichneten Künstler als kinderlieb, mürrisch und bedacht, möglichst wenig von seiner Wiener Privatsphäre preiszugeben, kennenzulernen.

Sehr gut und nachvollziehbar schildern Weidinger und Horncastl in ihrem bereits dritten gemeinsamen Buch über Klimt die künstlerische Entwicklung des Malers mit "dem eindrucksvollen Apostelkopf" und das kulturelle und gesellschaftliche Umfeld. So erfährt man detailliert von der Entstehung der Secession oder der Wiener Werkstätte, liest vom Interesse Klimts für Fotografie oder asiatische Kunst. Auch das jüdische Bürgertum, ohne das Klimt nicht zu denken ist, wird umfassend beleuchtet. Nicht zuletzt widmen die beiden Autoren deren Verbleib während der Zeit des Nationalsozialismus und der umfassenden Restitutionsgeschichte der Werke des Künstlers ein ganzes Kapitel. Die zeitliche Abfolge ist aufgrund der Aufteilung der Kapitel in einzelne Aspekte des Schaffens und der Einflussfaktoren jedoch manchmal verwirrend. Ein Vorwissen erleichtert die Lektüre.

Nichtsdestotrotz ist "Gustav Klimt - Die Biografie" eine sehr gute Abhandlung über das Leben und Wirken des charismatischen Künstlers. Interessante Einblicke in die Geschichte der Wiener Moderne und die Welt um 1900 sowie belegte Anekdoten sind einem gewiss.

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